Libyen Kopfgeld auf Gaddafi

Gaddafi (Foto)
Er ist derzeit der meistgesuchte Mann der Welt: der libysche Machthaber Gaddafi. Bild: dpa

Keine Spur von dem Diktator: Die Rebellen haben jetzt ein Kopfgeld von mehr als einer Million Dollar auf Gaddafi ausgesetzt. Tripolis ist weiterhin hart umkämpft. Die vier entführten italienischen Journalisten konnten unterdessen befreit werden.

Am Morgen durchkämmten die Rebellen laut dem arabischen Sender Al Jazeera die ausgedehnten Bunkeranlagen unter der riesigen Militäranlage Bab al-Asisija. Die US-Regierung geht nach wie vor davon aus, dass sich Gaddafi in Libyen aufhält. Es gebe keine Hinweise, dass er das Land verlassen haben könnte, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, David Lapan, der BBC.

Die Übergangsregierung setzte am Mittwoch ein Kopfgeld von 1,7 Millionen Dollar auf Gaddafi aus. Den Vertrauten des Diktators wurde außerdem Straffreiheit zugesichert, wenn sie bei seiner Ergreifung helfen. «Sollten sie ihre Haut retten und nicht mit ihm untergehen wollen, werden sie vor strafrechtlicher Verfolgung sicher sein, wenn sie ihn ausliefern oder töten», sagte Rebellen-Sprecher Guma al-Gamati der BBC.

Libyen
Der Kampf gegen Gaddafi

Gaddafi verfügt nach Angaben seines früheren Zentralbankchefs über Goldreserven in Milliardenhöhe. Diese könnte er einsetzen, um Chaos zu säen, sagte Farhat Bengdara der Mailänder Zeitung Corriere della Sera. Aus seiner Sicht könnte Gaddafi einen Teil des Goldes im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar (knapp sieben Milliarden Euro) mit auf die Flucht genommen haben, auch um einige libysche Stämme und Milizen zu bestechen und für seinen Schutz zu gewinnen. 

«Es gibt zwei Möglichkeiten: Er könnte entweder nach Sebha (südlich von Tripolis) geflohen sein, wo er eine logistische Basis hat, oder er ist auf dem Weg zur algerischen Grenze», sagte Bengdara. «Zuvor hat er allerdings verzweifelt versucht, das Gold zu verkaufen», fügte er hinzu. Der Zentralbankchef war zu Beginn des Bürgerkrieges ins Ausland geflohen.  Auch Al Jazeera berichtete, dass Gaddafi im Süden von Tripolis vermutet werde.

Libyen
Gaddafi gibt nicht auf
Video: dapd

Der Despot kann nach einem Fernsehbericht ein gut verzweigtes Tunnelsystem für seine Flucht nutzen. Die unterirdischen Gänge reichten bis zu 30 Kilometer aus Tripolis heraus, berichtete ein Korrespondent von Al Jazeera. Der Reporter hatte Rebellen in einen Bunker Gaddafis im Militärkomplex Bab al-Asisija begleitet. Er sprach von einem Labyrinth mit Kurven und Abzweigungen. Es sei nicht beleuchtet. In dem System gebe es auch klimatisierte Schlafräume. An anderer Stelle würden Gasmasken oder Lebensmittelvorräte aufbewahrt. Die Gänge seien so breit, dass auf ihnen auch Fahrzeuge fahren könnten. 

Die Nato hilft den Rebellen in Libyen nach Angaben des britischen Verteidigungsministers Liam Fox bei der Suche Gaddafi und seinen Anhängern. Das Bündnis stelle dem Übergangsrat sowohl Geheimdienstinformationen als auch Mittel zur Aufklärung und Erkundung zur Verfügung, sagte Fox dem Sender BBC. Einen Bericht der Zeitung Daily Telegraph, dem zufolge eine Spezialeinheit der britischen Armee nach Gaddafi und dessen Söhnen sucht, wollte Fox nicht kommentieren. Das Blatt berichtete am Donnerstag, Soldaten der Einheit seien auf Befehl des britischen Premierministers David Cameron als Einheimische verkleidet auf der Suche nach Gaddafi. 

Entführte italienische Journalisten wieder frei

Die vier am Mittwoch in Libyen entführten italienische Journalisten sind nach Berichten führender Medien wieder frei. Die beiden Medienvertreter der Mailänder Zeitung Corriere della Sera sowie deren Kollegen von La Stampa und Avvenire seien bereits in einem Hotel in Tripolis, berichtete der italienische TV-Sender SkyTg24. Es gehe ihnen allen gut, berichtete die Corriere-Journalistin Elisabetta Rosaspina ihrer Zeitung. 

Die Reporter seien bei einer Razzia in Tripolis befreit worden. Wer die Aktion durchführte, wurde nicht mitgeteilt. Die Reporter waren von Anhängern Gaddafis entführt worden. Sie sollen die Journalisten auf dem Weg nach Tripolis angehalten und den Fahrer erschossen haben. Pariser Medien berichteten am Mittwochabend, dass in Tripolis zwei französische Reporter durch Schüsse verletzt worden seien.

Die libyschen Rebellen befreiten nach eigenen Angaben bei ihrem Vordringen in Tripolis etwa 20.000 politische Häftlinge. Sie seien am Mittwoch im Stadtteil Bu Salim befreit worden, berichtete Al Jazeera. 

Gaddafis Anhänger hielten nach Berichten arabischer Medien noch in zwei Stadtvierteln von Tripolis die Stellung. In einem dieser Viertel liegt das Hotel Rixos, in dem Soldaten seit Sonntag mehrere Dutzend ausländische Journalisten und Diplomaten festgesetzt hatten. Nach Tagen der Angst durften sie das Hotel am Mittwoch verlassen. Auch außerhalb der Hauptstadt sind noch weitere Gebiete, etwa Gaddafis Heimatort Sirte, in der Hand der Regierungstruppen.

Nach Angaben der Rebellen setzten die Gaddafi-treuen Truppen bei den Kämpfen am Flughafen von Tripolis in der Nacht zum Donnerstag auch Grad-Kurzstreckenraketen ein. Ein Flugzeug sei getroffen worden und in Flammen aufgegangen, berichtete der US-Sender CNN. Aufgrund der heftigen Angriffe der Regierungstruppen hätten Rebellen die Vermutung geäußert, dass sich Gaddafi in der Nähe des Flughafens aufhalten könnte.

Fahrplan für die Zeit nach Gaddafi

Die Übergangsregierung läutet bereits eine neue Ära ein. Sie legte einen Zeitplan für das Libyen nach Gaddafi vor und kündigte Wahlen binnen acht Monaten an. In Paris kündigte der französische Staatschef Nicolas Sarkozy nach einer Unterredung mit dem Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril eine Libyen-Aufbaukonferenz für den 1. September in der französischen Hauptstadt an. «In voller Übereinstimmung mit David Cameron haben wir beschlossen, eine große internationale Konferenz zugunsten des freien Libyen von morgen einzuberufen - um zu zeigen, dass wir uns nun mit der Zukunft befassen», sagte Sarkozy.

Unterdessen kommen die Ärzte in den Krankenhäusern von Tripolis kaum noch gegen die Flut von Verletzten an. Wie der Leiter des Teams der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Tripolis, Jonathan Whittal, laut CNN sagte, spielten sich in den Kliniken chaotische Szenen ab. «In fast alle Krankenhäuser der Stadt werden Verwundete gebracht. Aber einige Krankenhäuser waren wegen der Kämpfe nicht zugänglich, so dass andere Klinken umso mehr belastet sind», sagte er.

Al Jazeera veröffentlichte auf Bitten der Ärzte des Zentralkrankenhauses in Tripolis eine Liste mit dringend benötigten Medikamenten und medizinischem Material. Internationale Hilfsorganisationen wurden um Hilfe gebeten. Wie ein Mitarbeiter des Zentralkrankenhauses sagte, kamen bis Mittwoch allein beim Kampf um Tripolis 435 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt. 

cvd/kra/news.de/dpa

Leserkommentare (12) Jetzt Artikel kommentieren
  • helge
  • Kommentar 12
  • 27.08.2011 16:50

Mir bleibt nichts mehr. NATO...USA...WHO...UN...BRD...alles neue Weltordnung. Präsident Eisenhower..."Wenn der militärisch-industrielle-finanzielle Komplex über die Demokratie siegt...ist es mit der echten Demokratie vorbei." HEUTE: WO Demokratie draufsteht, ist schon lange keine mehr drin. Nur die blöden Wähler merken es nicht. Deshalb ist mit den Instrumenten der Mächtigen so viel möglich...USA...UN...WHO..."Willige"...usw...Schnappt Euch Saddam, Gaddafi: SIE WOLLEN EIGENE POLITIK,,,SCHURKEN ! Todesstrafen in USA an Schwarzen...no problem ! bullshit !!!

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  • hansilein
  • Kommentar 11
  • 26.08.2011 13:26

In der Zeitung stand was von 30.000 Toten...war das nötig ? Zum Glück hat die NATO keinen Zivilisten getroffen, aus- schließlich strategische Ziele. Kollateralschäden sind üblich. Es wäre auch anders gegangen. "Revolution", "Rebellen"...klingt so toll. Widerlich auf ALLEN SEITEN. Und die greisen Unverbesserlichen Schmidt und Kohl profilieren sich...ins AUS. Wie alle Politiker. Denen steht das Wasser zum Hals, Verzweiflungstaten wie Libyen, um an Geld zu kommen. Beschimpfungen, kluge Reden, Betrüger,Bankrotteure.

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  • EKEL
  • Kommentar 10
  • 25.08.2011 21:34

Was natürlich keinem auffällt: Es heißt immer "die REBELLEN", wann das VOLK ? Ein Rebell muß eine moralische Legitimation haben, sonst ist er ein Verbrecher. Die aufständischen Jugendlichen in England hatten keine Berechtigung, sonst hätte die Nato sie unterstützen müssen. Die Finanzindustrie ist der letzte Industriezweig mit Milliarden Gewinnen, auf Kosten von uns allen !!! SCHULDEN...!!! Ganz legitim ! Was Propaganda und Macht aus kritik-fähigen Demokraten macht...Wachs...

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