Linke und der Mauerbau Die Verharmlosung muss aufhören

Auch 22 Jahre nach dem Mauerfall schafft es die Linke nicht, sich glaubhaft vom SED-Regime zu distanzieren. Für eine Partei, die in Landesregierungen mitmischt, ist das inakzeptabel. 

Anika Kreller (Foto)
News.de-Redakteurin Anika Kreller. Bild: news.de

Es war ein Schlag ins Gesicht der Opfer: Ein großes rotes «Danke» prangte am 50. Jahrestag des Mauerbaus auf der Titelseite der linken Zeitung Junge Welt. Darunter ein Foto bewaffneter Kampfgruppen und eine Liste mit 13 «Errungenschaften» der DDR. Angesichts des durch das SED-Regime verursachten Leids und der mehr als 1300 Menschen, die an der innerdeutschen Grenze ihr Leben ließen, kann man über diesen Zynismus nur den Kopf schütteln. Doch die Linke tat sich schwer damit, eine Haltung zur Zeitung und zum Thema zu finden. Es ist der aktuellste Beweis, dass es der Partei auch 22 Jahre nach dem Mauerfall nicht gelingt, sich glaubwürdig von der SED-Diktatur zu distanzieren.

50 Jahre Mauerbau: Die Zementierung der deutschen Teilung

Die Junge Welt ist für die Linkspartei nicht irgendeine Zeitung. Immer wieder geben ihr führende Mitglieder Interviews, auf der Internetseite des Blattes leuchten die roten Anzeigen der Partei. Doch nach Erscheinen des hämischen Titelblatts am 13. August dauerte es knapp eine Woche, bis sich Fraktionschef Gregor Gysi einschaltete: In Zukunft solle es nun keine Werbung der Linken mehr auf der Junge-Welt-Seite geben. Es brauchte allerdings erst einen von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten unterzeichneten Brief, bevor die Parteispitze reagierte.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Linke kläglich daran scheitert, einen angemessenen Umgang mit ihrer und der deutschen Geschichte zu finden. Regelmäßig verklären Parteimitglieder die DDR, relativieren den Mauerbau und verharmlosen damit das gesamte Unrechtsregime. Vor drei Jahren forderte eine Abgeordnete im niedersächsischen Landtag, die Stasi wieder einzuführen. 2009 bezweifelte der damalige Thüringer Spitzenkandidat Bodo Ramelow, dass es einen Schießbefehl an der Mauer gab. Selbst in diesem Jahr noch wurde von Mitgliedern der Antikapitalistischen Linken ein Positionspapier veröffentlicht, das den Mauerbau rechtfertigt. Andere Parteimitglieder boykottierten die Schweigeminute zum Jahrestag.

Gedenken: 50 Jahre Berliner Mauer
Video: dapd

Diese anhaltende Geschichtsverklärung ist fatal, denn politisch ist die Linke angekommen. Noch vor der FDP ist sie die viertstärkste Partei in Deutschland. Immer wieder wird über die Möglichkeit eines rot-roten Bündnisses auf Bundesebene diskutiert. Schon heute regiert sie in zwei Bundesländern mit. Eine Partei, die demokratisch gewählte Volksvertreter stellt, darf sich kein ambivalentes Verhältnis zu einem Unrechtsstaat leisten. Die Linke muss klar Position beziehen. Sie muss sich endlich glaubwürdig vom SED-Regime distanzieren. 

mik/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • MoDo
  • Kommentar 3
  • 23.08.2011 23:50

Unrechtsstaat?Dieser Staat wurde von H.Schmidt anerkannt und das Schweinchen Kohl hat Herrn Honecker mit einen rotrn Teppich empfangen.Wieo soll die Staasi wieder eingeführt werden? Die haben doch schon wichtige Plätze in den deutschen Geheimdiensten eingenomme,bewachen sogar Frau Kanzlerin!Passt aber alles nicht um auf die Linken loszugehen also wird wieder mal was zusammen geschustert.Diese angebliche Demokratie ist nicht besser als die von damals, nur das dieses System eben gewonnen hat.

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  • ralf
  • Kommentar 2
  • 21.08.2011 12:38

we sehr ich die intension der autorin auch nachvollziehen kann, beweist sie doch ein schlechtes geschick für recherche. Der "Vorfall vor drei Jahren in Nierdsachsen" bezieht sich wahrscheinlich auf Christel Wegener, welche übrigens kein Mitglied der LINKEN ist. Das zur Beweisführung herangezogene Interview ist übrigens umstritten, da es nur stark geschnitten vorliegt und die Aussagen auch aus dem Zusammenhang gerissen sein könnten. Von einer Widereinführung der Stasi war, nebenbei bemerkt, an keiner Stelle die Rede.

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  • Ossi
  • Kommentar 1
  • 19.08.2011 23:54

Mauerbau? Baut das Ding doch wieder auf! 3m höher, 5m breiter! Dann haben wir Ossis endlich wieder unsere Ruhe von den ganzen Besserwessis! Was ist denn hier besser geworden? Es sind doch viele nach drüben abgehauen! Klar, wir kassieren mal die volle Rente, obwohl wir noch kaum etwas eingezahlt haben usw. Aber sonst?

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