Rainer Eppelmann Gegen die DDR-Weichspüler

Rainer Eppelmann (Foto)
Rainer Eppelmann ist Mitunterzeichner des Offenen Briefes an die Linkspartei zum Boykott der «Jungen Welt».  Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Das Titelblatt der Jungen Welt zum Jahrestag des Mauerbaus hat auch ihn auf den Plan gerufen: Rainer Eppelmann. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur äußert im Interview scharfe Kritik an der Zeitung und glaubt nicht an einen Gesinnungswandel bei der Linkspartei.

Der stellvertretende Chefredakteur der Jungen Welt, Rüdiger Göbel, versteht die Aufregung nicht. Er verweist auf andere Parteien, die Anzeigen in Medien schalten würden, die den Afghanistan-Krieg unterstützen. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Vergleich?

Rainer Eppelmann: Er macht mich zunächst einmal sprachlos. Ich würde es hilfreich finden, wenn sich die Junge Welt ihrem eigenen Tun stellen würde und nicht argumentieren würde, dass andere vielleicht genauso unsensibel sind.

Darf eine solche Zeitung in einer Demokratie eigentlich verkauft werden?

Eppelmann: Das habe nicht ich zu entscheiden, sondern die Staatsanwaltschaft oder das Bundesverfassungsgericht. Die sind allerdings darauf angewiesen, dass Leute laut und hörbar sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass etwas stinkt. 

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Die Linkspartei sagt, sie überprüfe das redaktionelle Umfeld der Jungen Welt, würde dies aber ohnehin ständig tun. Purer Aktionismus oder glaubwürdiger Gesinnungswandel der Linken?

Eppelmann: Ich will einen Wandel erhoffen, sehe ihn bisher aber noch nicht. Dazu ist die Linkspartei bei den entscheidenden Fragen zu schwammig und zweideutig. Ich sehe auch, dass dort zum Teil Leute in führenden Positionen sind, die die DDR weichspülen. Die eben nicht sagen, dass die DDR ein Unrechtssystem war, das 17 Millionen Menschen eingesperrt hat.

Unabhängig von der Reaktion der Linkspartei - Warum haben Sie die Form des Offenen Briefes gewählt?

Eppelmann: Es geht mir darum, die Öffentlichkeit auf diesen ungeheuren historisch-politischen Skandal aufmerksam zu machen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Menschen solange sie leben auch die Chance nutzen, zu lernen.

Den Offenen Brief im Wortlaut und weitere Stimmen lesen Sie hier.

Rainer Eppelmann (geb. am 12.02.1943 in Berlin) gehörte der Bürgerrechtsbewegung in der DDR an und war Mitbegründer der Partei Demokratischer Aufbruch (DA). Als deren Vertreter nahm er 1990 an den Gesprächen am Zentralen Runden Tisch teil. Dem letzten Kabinett der DDR, dem ersten frei gewählten, gehörte er als Minister für Abrüstung und Verteidigung an. Von 1990 bis 2005 war er Bundestagsabgeordneter für die CDU und nahm bei den Christdemokraten innerparteiliche Führungsposten ein. Seit ihrer Gründung 1998 ist er ehrenamtlicher Vorsitzender des Vorstandes der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

bjm/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • beagle
  • Kommentar 3
  • 21.08.2011 17:19

Warum werden ständig die 16 Millionen in Ihrer Denk und Handlungsweise durch die sogenannten Bürgerrechtler bevormundet. Auch sie haben eine eigene Meinung zur DDr und man kann nicht einfach die Idiologie eines Herrn Eppelman,Gauck und andere Personen vervielfältigen.Auch Sie haben in der DDR studiert,ihre Ausbildung erhalten und nun von einem Unrechtsstaat zu sprechen ist blödsinn. Hätte man sonst einen Beitritt beider Länder zueinander erarbeitet? Hätte man Armee,polizei,Beamte und Verwaltungen übernommen, selbst Mitarbeiter der Stasi weiter beschäftigt und eingebunden?

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  • Wähler
  • Kommentar 2
  • 19.08.2011 17:55

Der letzte "Zeugwart"der DDR-Truppen,Rainer Eppelmann,optisch könnte er der jüngere Bruder von Walter Ulbricht sein.Weigel sprach über die letzte frei gewählte Regierung unter Lothar de Maiziere den Status einer Laienspieltruppe zu.Also warum nun die Aufregung und Vermischung mit den 68gern?Dann noch in das geistige Giftgebräu die Arbeitslosen und Geringverdiener!Mit Geringverdienern und Zeitverträgen haben doch eher die damit zu tun,die den Menschen keine langfristige Arbeit geben und so Macht über die Werkbänke ausüben.Mit seinen Texten ist der Nichtwähler ein ganz übler Zeitgenosse.

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  • Nichtwähler
  • Kommentar 1
  • 19.08.2011 14:48

Die Linkspartei ist vor allen dingen eine Politsekte, die das Ziel hat Amazonen Gesellshaftsfähig zu machen. Diese Partei hat überhaupt kein klares Prophil, sonst hätte sie längst die weichen für Sozialismus stellen können. Gegenwärtig wäre nur eine kleine Stellschraube zu tätigen. Diese Partei krankt an der 68iger Ideologie, sie spricht weder die Probleme des Landes an, noch birgt sie irgendwelche Lösungen. Das Prinzip der Linke ist Arbeitslosen und Geringverdienern Sand in die Augen zu streuen, ansonsten diejenigen zu bekämpfen, die am Übel am wenigsten zu schaffen haben.

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