Wahlkampf in Berlin Özdemir, der Mann mit dem Jutebeutel

Künast gegen Wowereit: In Berlin hat der teuerste Wahlkampf aller Zeiten begonnen. Ein zugkräftiges Thema haben die Parteien aber nicht. In der Not greifen die Grünen zu ungewohnten Methoden: Sie überschwemmen die Stadt mit Jutebeuteln.

Grüne sagen Ja zum Atomausstieg bis 2022 (Foto)
Wollen in Berlin die SPD ablösen: Die grüne Parteispitze mit Cem Özdemir, Claudia Roth und Jürgen Trittin (von links). Bild: dpa

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Es ist ein perfekter Sommertag in Berlin. Mitten in Kreuzberg schlendern die Kunden über den türkischen Markt. Am Ufer des Landwehrkanals lassen die Menschen die Beine ins Wasser baumeln. Kein Wunder, dass das kleine Mädchen Lust auf ein Eis bekommt. Mehrmals zupft sie ihrem Vater am Hemd - ohne Erfolg. «Lass mal, bitte», sagt Cem Özdemir. «Der Papa muss arbeiten.»

Eigentlich hat der Grünen-Chef Sommerpause, doch an diesem Vormittag hat er sich extra eine Stunde Zeit genommen. Zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und den Direktkandidaten aus Kreuzberg und Neukölln verteilt er Papiertüten und Jutebeutel auf dem türkischen Markt. «Plastik, nein danke» heißt die Aktion, die zugleich den Wahlkampfauftakt der Ökopartei für die Berliner Abgeordnetenhauswahl darstellt. Es ist ein typisches Thema der Grünen. Die Konsequenzen der weltweiten Kunststoffproduktion sind verheerend. Mit dem hergestellten Plastik, das auch nach Jahrhunderten noch nicht verrottet sein wird, kann man den Erdball sechsmal einwickeln. Allein im Mittelmeer, sagt Özdemir, trieben 250 Milliarden Kunststoffteilchen und bedrohten die Meerestiere, die es für Nahrung hielten und fressen würden.

Politiker und Karriere: Einmal Berlin und zurück

Was das alles mit Berlin zu tun hat? Nichts. Cem Özdemir gibt das gerne zu. «Normalerweise missbraucht man ein Thema für den Wahlkampf», sagt er. «Aber dieses Mal erlauben wir uns, den Wahlkampf für ein Thema zu missbrauchen.» Der Plastikwahn sei so groß, dass man ihn auch im kleinen bekämpfen müsse. Erst recht auf einem türkischen Wochenmarkt in Berlin-Kreuzberg, wo die «Aldi-Tüte den türkischen Bewohnern immer noch ein falsches Image verpasst», sagt der Grünen-Chef.

Teuer wie nie: Trotzdem produziert der Wahlkampf keine Inhalte

Die Situation ist beispielhaft für den Berliner Wahlkampf. Zwar ist das Duell zwischen Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und seiner Herausforderin Renate Künast (Grüne) spannungsgeladen. Aber abgesehen vom Personenwettstreit fehlt in der Hauptstadt ein zugkräftiges Thema, wie es etwa der Atomausstieg beim Wahlkampf in Baden-Württemberg war. Wie groß die Ideenlosigkeit in der Hauptstadt ist, kann man auf den vielen Plakaten bewundern, die seit Tagen in der Stadt auftauchen.

Die Linke will die marode S-Bahn verstaatlichen. Die FDP wettert gegen die Knöllchenwut, mit der die Autofahrer vom Ordnungsamt belästigt werden. Derweil verzichten SPD und Grüne ganz auf Inhalte. Auf ihren Plakaten sind vor allem nur Köpfe zu sehen. Wowereit, der in den Umfragen derzeit vorne liegt, will Berlin einfach nur «verstehen». Und Künast meint: «Da müssen wir ran.» Woran genau, bleibt unklar. Allerdings fragt man sich beim Wowereit-Plakat ja auch, warum man einen SPD-Bürgermeister wiederwählen soll, der die Stadt nach zehnjähriger Amtszeit offenbar immer noch nicht kapiert hat?

Den Hang zum Inhaltslosen lassen sich die Parteien indes einiges kosten. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur dapd ist der Berliner Wahlkampf der teuerste aller Zeiten. Insgesamt fünf Millionen Euro investieren die Parteien in das Drucken der Plakate und Veranstalten großer Kundgebungen. Spitzenreiter ist dabei die SPD, die alleine über 1,7 Millionen Euro verfügt. Knapp dahinter auf Platz zwei: die Grünen. Sie haben 1,1 Millionen Euro aufgetrieben.

Wo das Geld zum Teil hinfließt, kann man auf dem türkischen Wochenmarkt beobachten. In kürzester Zeit überschwemmt Özdemir die Verkaufsfläche mit seinen Papiertüten und Jutebeuteln. Auf den Taschen stehen neben dem Parteilogo Sprüche wie «Geiler Sack» oder «Plastic is a killer». Es soll lustig sein, kommt aber nicht bei jedem sofort an.

Grüne Strategie: Marktkäufer als Werbefiguren aufbauen

«Das kann ich meinen Kunden nicht anbieten, Cem», sagt ein türkischer Obstverkäufer, als der Grünen-Chef ihm einen Stapel Papiertüten in die Hand drücken will. «Wenn es regnet, werden sie aufgeweicht und das Obst fällt auf die Straße.» Seine Kunden würden deshalb auf Plastiktüten schwören. «Ach, aber das geht, oder?», fragt Özdemir und reicht ihm ein paar Stoffbeutel. Der Händler greift widerwillig zu. Und Özdemir zieht weiter.

Unermüdlich bringt er seine Mitbringsel unter das Händlervolk. Zwischendurch quatscht er mit den Marktbesuchern, mal auf deutsch, mal auf türkisch. «Sie sind es doch, oder?», fragt eine Frau. «Wer? Der berühmte Fußballer?», fragt Özdemir, grinst und stellt die Sache dann klar: «Nein, nein. Ich bin bei den Grünen.» Seine Mitarbeiter schleppen derweil immer neue Kisten mit umweltfreundlichen Tüten herbei und hängen grüne Aktionschilder an die Stände. Die Händler spielen das Spiel mit. Die vielen Fernsehkameras, die sich um Özdmir drängen, bieten einen kostenlosen Auftritt in der Abendschau vom Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Innerhalb weniger Minuten ist der Markt mit den Merchandising-Produkten überschwemmt. Es gibt kaum noch einen Händler, der seine Waren nicht in die Beutel der Grünen stopft. Und die Käufer tragen das Logo der Ökopartei brav durch den Kiez nach Hause. Billiger kann man keine freiwilligen Wahlkämpfer bekommen. Gerade die Jutebeutel sind ja haltbar und mehrfach benutzbar. Wie lange man etwas davon hat, zeigt Özdemir persönlich.

Stolz reckt er einen alten, braunen Stoffbeutel in die Luft. Aus den 80er-Jahren. «Original. Aus der Zeit der Friedensbewegung», verkündet er. Das gute Stück gehöre eigentlich seiner Mutter. Er habe es nur geborgt und müsse es nach der Aktion wieder abliefern. «Sonst gibt es Ärger», sagt Özdemir, der weiß, was sich für einen wohlerzogenen Sohn gehört. Dann ist Schluss. Und aus dem Bundesvorsitzenden der Grünen wird wieder Papa Cem.

cvd/news.de

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • icke
  • Kommentar 6
  • 16.08.2011 09:33

Die Grünen sollen zu Greenpeace gehen oder noch besser dahin wo der Pfeffer wächst.Von etwas anderem haben die keine Ahnung.Mit den Grünen wird Deutschland noch viel tiefer sinken.Haben nichts auf den Kasten schon garnicht was Politik Betrifft

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  • Heinz Hundt
  • Kommentar 5
  • 15.08.2011 17:38

Betrüger, Terroristenfreunde, Steinewerfer, Vorbestrafte, wer die wählt muss bekloppt sein!!!

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  • Hartmuth Möhse
  • Kommentar 4
  • 15.08.2011 14:00

Der Mensch hat eine groß Klappe, dabei ist er doch ein rechtskräftig verurteilter Betrüger! Aber das macht ja wohl in Deutschland nichts, hautsache große Fresse, schrill und ein wenig schwul. Deutschland ich könnte kotzen beim Gedanken an deine Politiker!

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