Geheimverträge Deutsche Bank kauft sich in Wissenschaft ein

Deutsche Bank sponsert Unis (Foto)
Die Deutsche Bank sponsert Unis - mit umstrittenen Vertragsklauseln. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Zwei Berliner Unis lassen sich im großen Stil von der Deutschen Bank sponsern. Die Geheimverträge sind aufgeflogen und sehr umstritten. Nun erfuhr news.de, dass die Bundesregierung nichts dagegen hat. Ist die Unabhängigkeit der Wissenschaft in Gefahr?

Der Bundesregierung sind die geheimen Veträge zwischen der Deutschen Bank und der Humboldt Universität (HU) sowie der Technischen Universität Berlin (TU) egal. Das schreibt sie zumindest in der Antwort auf eine Kleine Anfrage, die die Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke und Petra Sitte von den Linken gestellt hatten. Die Regierung würde keine Schlussfolgerungen aus der Angelegenheit ziehen, da sie nicht zuständig ist, heißt es in dem Schreiben, das news.de vorliegt.

Was war geschehen? Im Mai dieses Jahres gelangte ein bislang geheim gehaltener Vertrag zwischen dem Kreditinstitut und den Berliner Universitäten ans Licht der Öffentlichkeit. Darin wurde 2007 ein Deal festgehalten, der eigentlich in der deutschen Bildungslandschaft nicht mehr sehr unüblich ist: Ein Unternehmen tritt als Sponsor einer wissenschaftlichen Einrichtung auf. Im speziellen Fall geht es um die Deutsche Bank sowie die beiden Berliner Unis TU und HU. Jedoch wurde bei genauem Hinsehen klar, dass das Geschäft inhaltlich über viele bereits vorhandene Verträge hinausgeht.

Stiftungsprofessuren
Zehn Firmen, die Unis sponsern
Stiftungsprofessur (Foto) Zur Fotostrecke

Selbst der eher unternehmerfreundliche Stifterverband erklärte, die von der Bank gesicherten Mitspracherechte seien ungewöhnlich hoch. Das sieht der Politologe Peter Grottian nicht anders. Er hatte den bislang geheimen Vertrag an die Öffentlichkeit gebracht und sprach von einer «Selbstaufgabe zweier Universitäten». Laut Vertrag richteten sich die Unis auf Kosten der Bank je eine Stiftungsprofessur ein und gründeten dazu ein Institut. Das Thema: Finanzmathematik.

Drei Millionen Euro soll die Deutsche Bank jährlich spendiert haben, sicherte sich dafür inhaltliches Mitspracherecht sowie das erste Einsehen von wissenschaftlichen Ergebnissen. Wird damit eine öffentliche Forschungseinrichtung zur langen Hand eines Unternehmens? Die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung ist eigentlich in Deutschland klar geregelt. Die TU ließ auch gleich mitteilen, dass diese Unabhängigkeit «uneingeschränkt gewährleistet» sei. Das Statement der HU sieht änhlich aus, auch wenn Präsident Jan-Hendrik Olbertz - zur Vertragsunterzeichnung noch nicht im Amt - in Zukunft mehr auf derartige Verträge blicken möchte.

Linke will Ausverkauf der Unis stoppen

Das ist nach Ansicht der Partei die Linke auch notwendig. Sie möchte sich für die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre einsetzen. «Knebelverträge mit der Wirtschaft lassen sich nur verhindern, wenn die öffentliche Grundfinanzierung erhöht wird», sagt die hochschulpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Nicole Gohlke, zu news.de. Sie fordert eine Pflicht, in Zukunft Verträge zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen stets zu veröffentlichen.

Das Ziel: Der Ausverkauf der Unis müsse nicht nur beendet werden, auch die Bundesregierung stehe mehr in der Verantwortung. «Es ist erstaunlich, wie wenig Informationen die Bundesregierung über die Hochschulen hat, aber auch wie wenig Interesse sie daran zu haben scheint», sagt Gohlke. Die Bundesregierung mache nicht einmal Anstalten, sich einen Überblick zu verschaffen, wie viele Verträge zwischen Unternehmen und Hochschulen bestehen beziehungsweise wie weit die Rechte der Unternehmen darin gehen.

Erfolgreich ohne Uniabschluss
Prominente Studienabbrecher
Günther Jauch (Foto) Zur Fotostrecke

Fragen in diese Richtung hatte die zuständige Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen zurückgewiesen - mit dem Hinweis, dass sie nicht in die Selbstverwaltung der Hochschulen eingreifen werde. Außerdem würden die Unis den Ländern und nicht dem Bund unterstehen. Laut der Deutschen Wissenschaftsstiftung gibt es derzeit 660 Stiftungsprofessuren. Der Anteil an den gesamten Professuren liegt laut Verband zwischen 4,7 Prozent im Saarland und 0,6 Prozent in Hessen.

jek/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ritchi
  • Kommentar 6
  • 16.08.2011 18:34
Antwort auf Kommentar 1

Hallo Hans, Margarinegutachten gibt es nicht erst seit heute. Das Sponsoring ist ein einfaches Mittel, um zu verhindern, dass Forschung und Lehre an den Universitäten im Elfenbeinturm stattfindet. Ob Uni oder Professor, alle fahren sie gut mit Sponsoring, oder kommen aus ungesponsorten Universitäten (z.B. in streng kommunistischen Ländern wie Nordkorea) die besseren Forschungsergebnisse?

Kommentar melden
  • Nichtwähler
  • Kommentar 5
  • 15.08.2011 14:36

Solange nur die Linken ihr Maul aufreisen. Ich würde mal vorschlagen, dass die Linken eine Universität für Alchemie erschaffen, dort können sie die Unabhängigkeit der Künste sichern und ansonsten auch nur dummes Zeug machen! Ich sehe es ganz einfach so, die Ausbildung wird dadurch praxisnaher.

Kommentar melden
  • wolfgangh
  • Kommentar 4
  • 14.08.2011 17:39

Die Anfeindungen gegen diese Art von Sponsoring sollte dazu führen, jegliches Sponsoring aufzugeben!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig