Folgen der Energiewende
«Das ist der Preis fĂŒr Wachstum»

Angst vor Stromtrassen und Wasserkraftwerken: News.de hat mit ThĂŒringens MinisterprĂ€sidentin Christine Lieberknecht ĂŒber die Folgen der Energiewende gesprochen. Es geht um Streit, viel Geld - und um ihren persönlichen Strommix.

Lieberknecht war auf Energietour - auch im Sonnenblumenfeld. Bild: dapd

Sie sehen in der Energiewende Chancen fĂŒr ThĂŒringen. Doch es gibt auch Risiken. Das Land ist Transitland von Strom. Was haben die ThĂŒringer davon?

Christine Lieberknecht: Die Menschen, die die Folgen der Stromleitungen vor den Augen haben, mĂŒssen einen Nutzen davon haben. Das muss kompensiert werden, damit die Bevölkerung der Sache zustimmt. In der Gesetzgebung sind dafĂŒr Ausgleichszahlungen verankert. Allerdings noch nicht verbindlich, aber als eine Möglichkeit. Es geht um bis zu 40.000 Euro pro Kilometer. Die Netzbetreiber mĂŒssen sich mit den Menschen vor Ort einigen. Die Leitung durch den ThĂŒringer Wald wird kommen, aber die Betroffenen befinden sich in konstruktiven GesprĂ€chen.

Haben Sie Angst, dass es große BĂŒrgerbegehren gegen die Leitungen geben wird?

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Lieberknecht: Wir werden keine 100-prozentige Zustimmung bekommen. Aber es gibt viele, die denken: Deutschland steigt aus der Kernenergie aus und wir können nicht zu allem anderen nein sagen. Der Ausstieg hat Konsequenzen. Da mĂŒssen wir ehrlich sein.

In der Diskussion steht das Verlegen von Leitungen entlang von Bahnlinien. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Lieberknecht: Ich halte sehr viel davon, wo immer es geht, Infrastruktur miteinander zu bĂŒndeln. Sei es in Form von Straßen, Bahnlinien oder Autobahnen. Doch das wird nicht immer und ĂŒberall gehen. Wir dĂŒrfen nicht zu viel Schnitte in unserer Landschaft haben. Der ThĂŒringer Wald muss schon etliches verkraften. Doch das ist der Preis fĂŒr Wirtschaft und Wachstum.

VIDEO: Strom vom Laufband
Video: CNN

Könnten Sie sich auch vorstellen, eine Art DurchleitungsgebĂŒhr vom Land zu erheben?

Lieberknecht: FĂŒr das Land nicht. Aber ich setze mich dafĂŒr ein, dass wir an der Bundesratsinitiative fĂŒr faire Netzentgelte dranbleiben. Es kann nicht sein, dass LĂ€nder wie ThĂŒringen, die bereits erhebliche Leistungen in Sachen neue Energie gebracht haben, erhöhte Netzentgelte zahlen mĂŒssen. Das schlĂ€gt sich in höheren Strompreisen nieder. Das muss gleichmĂ€ĂŸig auf alle verteilt werden.

Wer wĂŒrde von der Bundesratsinitiative profitieren?

Lieberknecht: Der ThĂŒringer Strompreis wĂŒrde sinken. Denn er setzt sich zum Teil auch aus den NetzgebĂŒhren zusammen. Die sind hier zurzeit noch höher als in anderen LĂ€ndern, weil sie zum Teil auch abhĂ€ngig sind von der Einspeisung erneuerbarer Energien. Das ist absurd, denn gerade die mĂŒssen wir privilegieren.

Wie setzt sich Ihr persönlicher Strommix zusammen?

Lieberknecht: Meinen persönlichen weiß ich nicht, ich verbrauche auch sehr wenig Strom. In der ThĂŒringer Verwaltung kommen zurzeit 47 Prozent aus Erneuerbaren, in drei Jahren sollen es 100 Prozent sein.

Christine Lieberknecht (CDU) ist seit Oktober 2009 MinisterprĂ€sidentin des Freistaates ThĂŒringen. Außerdem ist sie Landesvorsitzende ihrer Partei. Die studierte Theologin fĂ€hrt gern in den ThĂŒringer Wald, besonders in ihrer Funktion als WanderprĂ€sidentin.

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jek/news.de

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