Nationalhymnen Schwesterlich mit Herz und Hand

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft beim Singen der Hymne (Foto)
Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft beim Singen der Hymne. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
In Österreich möchte man die Nationalhymne weiblicher gestalten. Die Söhne sollen durch Töchter ergänzt werden. Im Oktober fällt die Entscheidung. News.de fragt: Ist das auch in Deutschland möglich?

Reden beginnen mit «Sehr geehrte Damen und Herren», Schrägstriche machen das Lesen in Texten schwer. «Lehrer/innen» steht dann dort. Oder «Lastkraftwagenfahrer/innen». Überall hat die weibliche Sprachform Einzug gehalten - manchmal mit Sinn, manchmal nur nervig. Und in unserer Nationalhymne? Da singen wir «Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand.»

In Österreich hat man sich dieses Problems nun angenommen. Dort wird seit 1947 «Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne» gesungen, geschrieben übrigens von einer Frau: Paula Preradović.

«Wo sind die Frauen», fragten sich einige Politiker unseres Nachbarlandes also, nachdem Künstler immer wieder versucht hatten, irgendwie eine Frau, eine Tochter in den Text einzubinden. Dass Österreich nämlich durchaus Einwohnerinnen hat, wissen wir nicht erst seit Christina Stürmer.

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«Geschwisterlich» - das passt nicht

Die Sängerin war es auch, die mit «Rock me, Paula» die heimische Hymne (Bundeshymne genannt) für beide Geschlechter erlebbar machte: «Heimat bist du großer Söhne und Töchter, vielgerühmtes Österreich», singt sie und brachte die Diskussion erst richtig in Gang. Im Herbst nun will das Parlament über eine Änderung entscheiden. Die Zeichen stehen gut, dass bald auch die Töchter des Alpenstaates besungen werden.

Und in Deutschland? Beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das sogar eine Beschwerdestelle für Diskriminierung unterhält, hat man von solch einer Idee noch nichts gehört.

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Gitta Connemann, Bundestagsabgeordnete der CDU und im Ausschuss für Kultur und Medien, hat die deutsche Hymne beim Singen schon des Öfteren für sich abgeändert. Das «brüderlich» habe sie durch «geschwisterlich» ersetzt und festgestellt: «Das passt nicht.»

Dafür gibt es zwei Gründe, sagt die Politikerin. Zum einen sei es musikalisch-sprachlich einfach nicht passend. Und sie fragt: «Müssen wir, wenn sie konsequent gendern, auch das ‹Vaterland› durch ‹Mutterland› ersetzen?» Zum anderen gibt es einen inhaltlich-historischen Kontext, den man nicht außer Acht lassen dürfe.

«Der Text des Liedes der Deutschen wurde im Jahr 1841 von Hoffmann von Fallersleben in einer für Deutschland schwierigen Lage verfasst. Er gab damit den Traum vieler Bürger wieder - nämlich in einer fernen Zukunft als freie und einige Deutsche zusammenleben zu können - und dies in der damals gängigen Sprache. Wir leben heute diesen Traum», sagt die Politikerin. Die Hymne sei ein Symbol für diesen Traum und die Freiheit.

Kein Bedarf für eine neue Hymne

Gitta Connemann fühlt sich durch die Hymne nicht diskriminiert. Und auch Monika Lazar, frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, sieht keinen Bedarf, den Text zu ändern: «Würden wir eine neue Hymne schreiben, würden wir uns mit Sicherheit für einen Text einsetzen, der für alle Menschen gilt», sagt sie. Zurzeit reiche die aktuelle Nationalhymne vollkommen aus.

Und auch in der FDP sieht man keine Notwendigkeit für eine Lieder-Diskussion: «In unserem Alltag gibt es andere Bereiche, in denen es weit notwendiger wäre, sich für mehr Rechte von Frauen einzusetzen», sagt die Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst. Als emanzipierte Frau habe sie keine Probleme mit dem Text und könne ganz beruhigt mitsingen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar.

oro/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 3
  • 11.08.2011 20:43
Antwort auf Kommentar 1

An solchen Vorhaben und Verordnungen sieht man eindeutig, welch geistige Tiefflieger mittlerweile in den Regierungen sitzen!!! Nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Wer da noch zur Wahl solcher Parteien geht, sollte sich später nicht beklagen. Man sollte eigentlich froh sein, dass langsam aber stetig alles den "Bach runtergeht". Nur so können wir uns von solch geistigen Irrläufern befreien. Gruss an alle, zukünftig weiblich gestalteten österreichischen Männer, ha,ha,ha. Probiert schon mal heimlich Damenunterwäsche aus.

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  • romeo1
  • Kommentar 2
  • 11.08.2011 14:43

Der Quatsch wird immer quätscher bis er quietscht. Mehr fällt mir zu diesem Blödsinn nicht ein.

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  • Ergan Esölül
  • Kommentar 1
  • 11.08.2011 13:02

Zur Richtigstellung: nicht "man" will die Hymne in Österreich ändern, sondern die regierenden Parteien, GEGEN den Widerstand der Bevölkerung. Denn sämtliche Umfragen haben ergeben, daß über 70 % KEINE Änderung der Hymne möchten. Darüber setzen sich aber die vereinten feministischen Fraktionen wie üblich hinweg. Es geht ja um die Hebung der Moral der anderen.

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