Junge Politiker «Wir machen Party und Politik»

Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Sie veranstalten Sportturniere, grillen, machen die Nacht zum Tag - und ganz nebenbei engagieren sie sich für die Umwelt und eine bessere Bildung. Junge Menschen lassen sich nur schwer für Politik begeistern. Aber es funktioniert. Man muss sie nur richtig ködern.

Den Parteien laufen, abgesehen von den Grünen, die Mitglieder davon. CDU und Co. sind restlos überaltert. Junge Menschen interessieren sich nicht für Politik. Schlagzeilen wie diese geistern durch die Öffentlichkeit - und in gewisser Weise ist das auch die Wahrheit. Studien eines Forscherteams der Universitäten Düsseldorf und Hannover sowie des Parteienforschers Oskar Niedermayer belegen: 46 Jahre alt ist ein Parteimitglied der Grünen im Durchschnitt. FDPler kommen auf 51 Jahre, CDU und SPD auf 58 Jahre. Bei den Linken liegt der Altersdurchschnitt sogar bei 60 Jahren.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt sie doch, die jungen Menschen, die etwas bewegen wollen und sich in Parteien engagieren. Auch wenn sie zu den Exoten in der deutschen Politik gehören. Patrick Engel ist so jemand. Seit fast einem Jahr sitzt er bereits auf dem CDU-Chefsessel des Kreisverbandes im ostfriesischen Örtchen Leer. Dabei ist er gerade einmal 22. In der gesamten Bundesrepublik gibt es keinen jüngeren Christdemokraten, der einen solchen Posten wie er innehat.

«Ich möchte aktiv mitgestalten und nicht nur meckern», sagt Engel zu news.de. Sein Interesse für die Politik wurde in der elften Klasse geweckt. Er trat der Jungen Union bei und so kam eins zum anderen. Heute engagiert er sich neben seinem Studium der Betriebswirtschaft ehrenamtlich in der Regionalpolitik.



Engel hat Spaß an seiner Tätigkeit, brennt für seine Aufgabe. Er weiß aber auch: «Nur mit Politik erreicht man heute keinen mehr.» Wichtig sei es, auch gesellschaftliche Angebote zu schaffen, gemeinsam Sport zu treiben oder Ausflüge zu machen. Haben die CDUler zwei bis drei Stunden getagt, dann kommt es auch schon mal vor, dass sie am Abend den Grill anwerfen und die Politik Politik sein lassen. Zwei bis drei Leute, schätzt Engel, kommen pro Jahr vielleicht noch, weil sie Politik machen wollen. «Aber die Mehrzahl kommt über gesellschaftliche Aktivitäten.»

Von der Schülerorganisation in den Bundestag



Das kann auch Pascal Bothe bestätigen. Der 18-Jährige ist Geschäftsführer der Schüler Union (SU), einer CDU- und CSU-nahen Schülerorganisation, die nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Mitglieder hat. Bothe sitzt sozusagen dort, wo der Grundstein für politisches Engagement gelegt wird. Und er weiß, wie junge Leute am besten geködert werden. «Wir machen 50 Prozent Party und 50 Prozent Politik», ist das Credo der Vereinigung.

So wie Bothe kommen viele in die Politik, weil sie mitentscheiden wollen, was in der Bildung passiert und sie somit direkt betrifft. Dass nebenbei auch noch Fußballturniere, Partys und Ausflüge organisiert werden, macht das Ganze umso attraktiver. Etwa zwei Drittel der Schüler bleiben auch später politisch aktiv. Eine große politische Karriere streben jedoch nur die wenigsten davon an. Dennoch: Auch Bundespräsident Christian Wulff (CDU) und der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) waren einst in der 1972 gegründeten Schüler Union.



Etwas ernster als in der Schüler Union geht es da schon bei Agnes Malczak zu. Die 26-jährige Grünen-Abgeordnete sitzt seit 2009 im Deutschen Bundestag, ist dort das jüngste weibliche Mitglied. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, mit 19 trat sie den Grünen bei. Seitdem setzt sie sich für ein friedlicheres und umweltbewussteres Deutschland ein. «Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und Verantwortung zu übernehmen, gerade auch für die Frage, wie die Welt in 10, 20, 30 Jahren aussehen wird», sagt sie zu news.de.

Politik versus Kommunikation


Malczak ist eine Exotin in doppelter Hinsicht, denn sie ist nicht nur jung, sondern auch noch weiblich - eine besonders seltene Konstellation in der deutschen Politik. Laut Niedermayer liegt der Anteil von Frauen in Parteien gerade einmal bei 27 Prozent. Der Anteil junger Frauen dürfte noch um ein Vielfaches geringer sein.

Dabei seien junge Menschen alles andere als politisch desinteressiert, sagt Malczak. Ist sie zu Besuch in Schulen oder empfängt Klassen in ihrem Berliner Büro, dann stellt sie immer wieder fest: Ihre kleinen Gäste haben «unheimlich viele Fragen, Ansichten, Sorgen und Nöte», können aber oftmals nichts mit den Politikern anfangen. Schlimmer noch: Sie verstehen sie nicht. «Es scheitert schon an der Kommunikation.» Da gibt es laut Malczak großen Nachholbedarf seitens der Politik. «Es reicht eben nicht, am Infostand nur Gummbärchen zu verteilen», sagt auch Pascal Bothe von der Schüler Union.



Florian Bernschneider (FDP) ist ebenfalls überzeugt: «Die Jugend von heute ist nicht unpolitischer als vor 20 Jahren.» Sie ist nur weniger entscheidungsfreudig, teilt verschiedene Einzelpositionen, aber nur selten ein komplettes Parteiprogramm, sagt er zu news.de. Projektbezogene Angebote, in denen sich die jungen Menschen innerhalb eines begrenzten Zeitraums engagieren, könnten Abhilfe schaffen.

«Politik macht mir Spaß»


Bernschneider selbst hatte vor sieben Jahren keine Berührungsängste. Über die Diskussion um das niedersächsische Schulsystem kam er zu den Jungen Liberalen (Julis), der Jugendorganisation der FDP, ein Jahr später zur Mutterpartei selbst. Seit 2009 sitzt er, genau wie Malczak, im Deutschen Bundestag. Der FDP-Abgeordnete ist mit seinen 24 Jahren dort das jüngste Mitglied.

«Politik macht mir Spaß. Die Arbeit im Deutschen Bundestag macht mir Spaß», sagt der Jungspund. Möglicherweise wäre das nicht so gekommen, hätten nicht auch die Julis ihre gesellschaftlichen Vorzüge gehabt, die Bernschneider - genau wie Bothe, Engel und viele andere junge Menschen - zu schätzen gelernt hat.

Politikerkarrieren
Jeder fängt mal klein an

bjm/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • npdAD
  • Kommentar 6
  • 07.08.2011 20:20
Antwort auf Kommentar 4

War die Fdp auch schon, Partei der "Besserverdienenden"! Als "vermummtes Mitglied"enttäuschen sie meine Intelligenz,nun noch den Hifsprediger der Fdp anzurufen. So billige Anschaffe ist nicht mal Sommertheater. Langsam aufbauen,erst den Nichtwähler und oliver,dann Klimbimbambum und JR. Albern das! Halt der Heinz Poetter!

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  • Heinz Poetter
  • Kommentar 5
  • 07.08.2011 13:20

Frage an Ragnaroeker: Wenn du das derzeite pol. System in Frage stellst, welches System würde denn, deiner Meinung nach, zu einer höheren Prozentzahl der Bevölkerung in politischen Parteien führen?

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  • Heinz Poetter
  • Kommentar 4
  • 07.08.2011 13:15

Wo du eine Klientel- verspottete Regierungspartei siehst, sehe ich eine Ankerpartei für Leute mit einem Einkommen über 70000 im Jahr

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