Schurken & Despoten Die vergessenen Diktaturen

Gaddafi ist tot. Aber er war nicht der Einzige, der sein Volk unterdrückte und die Menschenrechte missachtete. Rund 45 Diktaturen werden weltweit von der Organisation Freedom House gelistet. Einigen Despoten schüttelte Angela Merkel sogar lächelnd die Hand.

Merkel und der Diktator (Foto)
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Koenig von Saudi-Arabien Abdullah Bin Abdulaziz Al Saud. Bild: dapd

Libyens langjähriger Diktator Muammar al-Gaddafi Ali Hussain ist tot. Auf den Straßen feiern die Rebellen, die Bilder des erschossenen Despoten gehen um die Welt. Doch Libyen ist nur eines von rund 45 Ländern, die als «unfrei» gelten - so nennt die Menschenrechtsorganisation Freedom House die Länder, in denen Menschenrechte nicht geachtet werden und Alleinherrscher über Wohl und Wehe ihres Volkes entscheiden können, wie es ihnen gefällt. Libyen war nur eines dieser Länder.

Ali Sibat war 47 Jahre alt. Der libanesische Moderator hatte eine eigene Sendung. Menschen konnten ihn anrufen, um Hilfe bitten - er beriet und sagte die Zukunft voraus. Moralisch fragwürdig, natürlich. Doch als der Vater von fünf Kindern 2007 nach Saudi-Arabien reiste, um dort zu pilgern, wurde er festgenommen. Hexerei lautete der Vorwurf, von einem Gericht wird er - ohne Anwälte oder Untersuchung - zum Tode verurteilt. Am 19. September diesen Jahres wurde er geköpft.

Tyrannei und Folter: Die Diktaturen, an die keiner denkt

Vier Jahre lang saß der Moderator zuvor in Haft. In diesen vier Jahren waren viele deutsche Politiker in Saudi-Arabien. Das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und dem Königreich ist freundlich. Während sich die Oberen im Staat gerne mit Angela Merkel, für die eigens die Kleiderordnung geändert wurde, ablichten lassen, dürfen sich unverheiratete Paare nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Und Ali Sibat fürchtete wie Hunderte weiterer Gefangener um sein Leben.

Turkmenistan hat die russischen Kontrollmechanismen übernommen

Rund 5000 Kilometer sind es von Berlin-Mitte nach Aşgabat, die Hauptstadt Turkmenistans. Das Land ist Mitglied der Uno. Als 2006 Saparmyrat Nyýazow, vierzehn Jahre lang Alleinherrscher in dem Land, starb, übernahm sein Leibarzt Gurbanguly Berdimuhamedow die Regierungsgeschäfte, 2007 wurde er zum Präsidenten gewählt. Er schaffte den Personenkult um Nyýazow ab, was ihm im Ausland viel Respekt einbrachte - baute jedoch zeitgleich den Kult um seine eigene Person aus. Die Konrad-Adenauer-Stiftung schrieb über das Land einmal, es zerstöre sich selbst durch die Autokratie und habe die «sowjetische Tradition einer umfassenden Kontrolle der gesamten Gesellschaft nahtlos übernommen»

Ein weiteres Beispiel: Laos. Das kleine Land ist der einzige Binnenstaat Südostasiens. Nur zwei Drittel der Männer und nur ein Drittel der Frauen können lesen und schreiben. Die meisten haben nie eine Schule besucht. Seit 1975 gibt es nur eine Partei: die Laotische Revolutionäre Volkspartei mit den Staatsoberhäuptern Choummaly Sayasone und Thongsing Thammavong. Die Partei regiert ohne Opposition, wer sich für Menschenrechte oder mehr Demokratie einsetzt, kommt ins Gefängnis, sogar die Todesstrafe droht im schlimmsten Fall. Amnesty International berichtet, dass unabhängigen Beobachtern die Einreise und Untersuchung der Menschenrechte erschwert bis nicht gestattet wird.

Venezuela, Simbabwe oder Äthiopien: Weitere Diktaturen sehen Sie in unserer Bilderstrecke.

jag/news.de

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Leserkommentare (10) Jetzt Artikel kommentieren
  • Abdulah
  • Kommentar 10
  • 08.05.2012 22:48

Na wo leben wir denn? Stasiwest ist doch absolut aktiv in der sogenannten BRD. Schäubele und Merkel schafften Hintergrund für Bespitzelung, warum sollen die sich nicht mit den Diktatoren dieser Welt lächelnd ablichten lassen? Sollen die Arabs doch ihre Frauen prügeln und steinigen, ihre Könige die Untertanen als solche behandeln! Was geht das uns mittlerweile völlig verblödetet Deutsche an? Nur, die massenweise angeblich verfolgtes Menschen sollen das schön in ihrem Land ausleben, für ihre Überzeugung kämpfen und das bitte nicht bei uns!

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  • Esel Aparatschik
  • Kommentar 9
  • 24.10.2011 09:01

Die Turkmenen kontrollieren alles? Eifern sie Stasi 2.0 nach? Hier funktioniert das bestens gegen alle Armen, Kranken, Alten, Gebrechlichen, Arbeitslosen, Behinderten, armen Rentner, alle potentiellen Organspender, die ausgeschlachtet werden könnten. Das H4-Ghetto ist die einzige funktionsfähinge Versklavngsmaschinerie und damit Errungenschaft der Wiedervereinigung. Wir haben aber ein Paradies für Hochstapler, Zocker, Fälscher, Lügner, Betrüger, Diebe, Strolche, Räuber, Mörder, Schwerstverbrecher aller Art.

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  • Demos Fatali
  • Kommentar 8
  • 24.10.2011 08:51

"Demokratie und Freiheit" machen die Ausplünderung auch Libyens nun möglich. Die Macht werden nur Schwenkhälse der alten Diktatur im Deckmantel der Demokratie ausüben. Was früher scheinheiliger Missionarismus bewerkstelligte, wird heute mit dem scheinheiligen Missbrauch von Demokratie, Menschenrechten und Völkerrecht erreicht. Es regiert seit Menschen Gedenken immer das Verbrechen! Noch schlimmer kann es allerdings kommen, wenn ein fanatischer Islam die Macht an sich reißt. Dann gibt es bei globalen Räuberbanden "Kotzdünnschiss" vor Angst und Panik. Lumpen gegen Lumpen in einem Sack.

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