Einwohner wehren sich Sarrazin aus Kreuzberg verjagt

Sarrazin (Foto)
Wurde aus Kreuzberg verscheucht: der ehemalige Finanzsenator von Berlin, Thilo Sarrazin. Bild: dapd

«Hau ab» und «Nazis raus» - so empfingen die Bewohner des Berliner Stadtteils Kreuzberg Thilo Sarrazin. Eigentlich sollte der Autor von Deutschland schafft sich ab mit Anwohnern ins Gespräch kommen. Doch der Versuch endete in einem Desaster.

Dem wegen seiner Integrationsthesen umstrittenen Thilo Sarrazin ist bei einem Besuch in Kreuzberg harsche Ablehnung entgegen geschlagen. Der ehemalige Finanzsenator musste laut Berliner Morgenpost einen Rundgang mit einem TV-Team abbrechen, wurde ausgebuht und als Rassist beschimpft.

Geplant war, zu zeigen, wie Sarrazin mit Anwohnern diskutiert. Doch die Situation eskalierte: Zunächst wurde der Autor von Deutschland schafft sich ab auf dem Wochenmarkt von Verkäufern beschimpft. Umstehende Menschen hätten «Rassist» und «Nazis raus» geschrien. Später musste ein geplantes Gespräch in einem türkischen Restaurant abgebrochen werden.

Integration
Eine deutsche Schlüsselfrage

Vor der Tür hätte sich ein Menschenauflauf gebildet. Daraufhin soll der Besitzer Sarrazin gesagt haben: «Eigentlich sind Türken sehr gastfreundlich, aber ich glaube, ich kann Sie nicht bedienen.» Auch in einem alevitischen Gemeindezentrum war Sarrazin nicht willkommen. Vor dem Eingang riefen ihm Menschen «Hau ab» und «Nazis raus» zu.

Aus Kreuzberg «herausgemobbt»

In einem Gastbeitrag in der Welt schrieb Sarrazin, er sei aus einem Stadtteil, der sich als «die Speerspitze der Integration in Deutschland» verstehe, «herausgemobbt» worden. «Wehe uns, wenn Kreuzberger Zustände die Werkstatt des künftigen Deutschland sind», schrieb er weiter.

Politiker von SPD und Grünen warfen Sarrazin laut Berliner Morgenpost hingegen vor, er habe mit seiner Tour durch den grün-rot regierten Kiez provozieren und PR betreiben wollen. Sarrazin war mit der Autorin und Journalistin Güner Balci für das ZDF-Magazin Aspekte durch Kreuzberg gegangen.

Der Ex-Bundesbankvorstand Sarrazin hatte in seinem Buch Deutschland schafft sich ab mit der seiner Ansicht nach misslungenen Integrationspolitik in Deutschland abgerechnet und dabei streitbare Thesen über das Integrationsverhalten von Ausländern abgeliefert. Im Stadtteil Kreuzberg leben 145.000 Menschen. Davon sind mehr als ein Drittel Migranten, darunter 20.000 türkische Staatsbürger.

kra/san/news.de

Leserkommentare (350) Jetzt Artikel kommentieren
  • Karl-Heinz Kasch
  • Kommentar 350
  • 30.03.2013 12:52

Soviel zum Thema: Toleranz! Wenn jemand anderer (!) Meinung als ich bin, dann wird er beschimpft, verjagt, gemobbt, beleidigt, oæ. Weil ja meine Meinung die einzig wahre Meinung ist. Nur ich habe Recht! Ich kenne das anders.

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  • einergehtnoch
  • Kommentar 349
  • 22.07.2011 14:12
Antwort auf Kommentar 345

@oliver: Es ist Ihr gutes Recht "kulturelle Bereicherung" abzulehnen - aber für intelligent halte ich das nicht. Wenn unsere Vorfahren so gedacht hätten, würden wir heute noch in Hütten aus Lehm und Stroh leben. Natürlich birgt die Begegnung der Völker Gefahren - auch die Gefahr von Kriegen und sozialem Unfrieden. Es ist eine große Leistung der westeuropäischen (und amerikanischen) Politik seit 1945 dass sie es geschafft hat uns vor solchen Gefahren durch Verständigung und Integration zu schützen.

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  • einergehtnoch
  • Kommentar 348
  • 22.07.2011 13:59
Antwort auf Kommentar 344

@"X": Nein, durchaus nicht - jedenfalls nicht unbedingt. Allerdings - das intellektuelle Niveau auf dem hier auf den letzten Seiten diskutiert wurde können Sie ja vermutlich selbst beurteilen.

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