Energiedebatte Willkommen in Dunkeldeutschland

Stromausfall Hannover (Foto)
Dunkle Straßen in Hannover. Am Mittwoch fiel im gesamten Stadtgebiet der Strom aus. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner
Die Bundesregierung hat den Atomausstieg beschlossen. Seitdem hagelt es Blackout-Warnungen. Alles Angstmache oder geht in Deutschland bald das Licht aus? Eine Analyse.

Deutschland wird dunkel. So prophezeit es RWE-Chef Jürgen Großmann. Vor wenigen Tagen warnte er vor drohenden Blackouts im Herbst und Winter. Es gebe konkrete Hinweise darauf, dass das Netz an den Rand der Kapazitäten komme. «Um einen bundesdeutschen Blackout zu vermeiden, kann es notwendig sein, einzelne Regionen in Süddeutschland - etwa in der Größe des Großraums Stuttgart - dunkel zu schalten», sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Energiekonzerns.

«Dunkel schalten» und vor allem «im Dunkeln sitzen» sind Damoklesschwerter, die seit einigen Monaten bedrohlich über dem deutschen Bürger kreisen. In einer Hals über Kopf Aktion ist die Bundesregierung zum Atomausstieg zurückgekehrt. Hartnäckig wird seitdem versucht, dem Bürger die Angst vor der Dunkelheit in den Nacken zu setzen.

Für Feiertage - Ostern wie Pfingsten - ergingen Warnungen. Doch es blieb hell. EnBW-Chef Hans-Peter Villis bemerkte, dass nach der Abschaltung von insgesamt sieben Atomkraftwerken Stromausfälle wahrscheinlicher würden. Dies löste landesweite Debatten darüber aus, ob im Sommer die Lichter ausgehen würden.

Kernenergie
Atomkraftwerke in Deutschland

Die Bundesnetzagentur warnt in einer Studie ebenfalls vor einem drohenden Blackout bei einem zu schnellen Atomausstieg und weist auf mögliche Engpässe und Probleme bei der Netzstabilität hin.

Katastrophenschützer schalten sich ein

Auch Katastrophenschützer haben sich in die Debatte eingeschaltet. «Das Risiko eines längeren Stromausfalls in Deutschland hat sich erhöht», sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger. Umfragen hätten ergeben, dass ein großer Teil der Bürger glaube, problemlos bis zu zwei Wochen ohne Strom auskommen zu können. Ein längerfristiger Stromausfall habe aber nicht nur Versorgungsstörungen zur Folge, sondern gefährde auch die öffentliche Sicherheit.

Energiewende
Sinnlose Angstmacherei
Video: news.de

Ist das alles Angstmache? Eine trotzige Reaktion von Atomkraftbefürwortern und Unternehmern, die sich um ihre Gewinne sorgen? Tatsächlich blieb es bislang hell im Land, - trotz aller Warnungen. Tatsache ist aber auch, dass Deutschland mit der Energiwende Neuland betritt. Es existieren keine Erfahrungswerte, was bei einem schnellen Atomausstieg passieren könnte.

Andererseits melden sich jene zu Wort, die eine komplett grüne Stromversorgung für möglich halten. So äußerte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, Eicke R. Weber auf den Fraunhofer Energietagen 2010: «Eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien ist schon 2050 machbar.» Der ehemalige Bundesumweltminister und einstiger Direktor des UNO-Umweltprogramms UNEP Professor Klaus Töpfer hält das 100-Prozent-Ziel ebenfalls für realistisch.

Fakt sind auch die Debatten über den Import regenerativer Energien aus dem Ausland, etwa das Wüstenstromprojekt Desertec oder das Seekabelprojekt Norger.

Wie endet das Märchen vom regenerativen Energiehelden?

Geht das Märchen vom dunklen Deutschland am Ende nun doch gut aus, mit einem regenerativen Energiehelden, der Licht bringt und die Angstmacher vertreibt? So einfach ist es nicht.

Denn was in der Debatte zur Energiewende vor allem fehlt, sind konkrete Zahlen und Fakten zur Lage. Die Bundesnetzagentur spricht davon, in ihrer Studie nur vorläufige Ergebnisse vorliegen zu haben. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace haken die Ausführungen. Sie bezögen sich ausschließlich auf Aussagen und Daten der Netzbetreiber, deren Richtigkeit nicht vollständig überprüft werden könne, heißt es.

Und weiter: «Die beantragten Daten geben Aufschluss über Leitungskapazitäten der Stromnetze und über Verbrauch und Erzeugung an mehreren hundert Netzknotenpunkten. Die Übertragungsnetzbetreiber verweigern bislang den vollständigen Zugang aus dem Grund, Geschäftsgeheimnisse schützen zu wollen und verteidigen ihr Informationsmonopol.»

Greenpeace hat dieser Tage bei der Bundesnetzagentur einen Antrag zur Herausgabe von Netzdaten nach dem Umweltinformationsgesetz gestellt. Die Umweltschutzorganisation fordert die vollständige Offenlegung der Daten, damit diese durch unabhängige Experten überprüft werden können.

Und so muss am Ende die Frage um die Angstmacherei der Erkenntnis weichen, dass der Bürger längst im Dunklen steht. Zumindest hinsichtlich einer fundierten Aufklärung über die Chancen und Risiken der Energiewende.

Hier finden Sie den news.de-Videokommentar zum Thema

san/news.de/dpa

Leserkommentare (55) Jetzt Artikel kommentieren
  • Wolfgang
  • Kommentar 55
  • 08.08.2011 16:00

Seit langer Zeit wird über Energieeinsparung geredet und geredet. Niemand kommt auf die Idee bereits jetzt schon die umwelt- und gesundheitsschädlichen Leuchtstoffröhren (LSR) aus dem Verkehr zu ziehen. Ab dem 01.01.2013 wird den LSR der "garaus" gemacht da die RoHS Zertifizierung an die CE Zulassung gekoppelt wird. Allein in Germany gibt es über 800 Mio. LSR. Welche Stromvergeudung, welche Umweltbelastung! Zum Glück gibt´s als 100 % igen Ersatz die LED Leuchtröhren die bis zu 80 % Strom einsparen! Jetzt umrüsten ist wichtig wegen dem Geldbeutel und unserer Umwelt! Info: www.abctechnology.eu

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  • Ritchi
  • Kommentar 54
  • 20.07.2011 16:55
Antwort auf Kommentar 53

Ja loddel, mit meinen Beiträgen möchte ich nur aufzeigen, dass unsere Regierung(en) oftmals zu lobbyhörig ist/sind. Den Handel mit CO2-Zert. finde ich gut, solange er nur zwischen CO2-emitierenden Unternehmen stattfindet. Ein Spekulation auf die Zertfikate halte ich für nicht zielführend, da hierdurch unnötige Verteuerungen - wie beim Rohöl - provoziert werden. Mal schaun, ob hier das Prinzip "beste Ergebnisse mit geringstem Aufwand" erreicht wird.

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  • loddel
  • Kommentar 53
  • 20.07.2011 15:38
Antwort auf Kommentar 52

Hallo Ritschi, Du vergißt dass die Photozelle auch in 30 oder 40 Jahren noch produziert, selbst wenn der Strompreis, was nicht zu erwarten ist, stabil bleiben sollte, ernte ich mind. rd. 25ct. pro kw. Im Übrigen darf ich Dir verraten, dass z.Zt, der Handel mit Co2-Zertifikaten den wesentlich größeren Profit bringt, als die EEG-Verg.

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