Afghanistan Attentäter erschießt Karzais Halbbruder

Ahmad Wali Karzai: Der Halbbruder des Präsidenten ist bei einem Anschlag getötet worden. (Foto)
Ahmad Wali Karzai: Der Halbbruder des Präsidenten ist bei einem Anschlag getötet worden. Bild: news.de

Ein jüngerer Halbbruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai ist einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Ersten Erkenntnisse nach wurde er von seinem Leibwächter erschossen.

Wie aus afghanischen Sicherheitskreisen verlautete, wurde Ahmad Wali Karzai in seinem Haus in der Stadt Kandahar im Süden des Landes von einem einzelnen Täter erschossen.

Aus Sicherheitskreisen verlautete, Karzai sei von seinem eigenen Leibwächter mit einem Sturmgewehr erschossen worden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der Sprecher der radikal-islamischen Taliban, Kari Jussif Ahmadi, übernahm die Verantwortung für die Tat. Einer der Leibwächter Karzais mit dem Namen Mohammad Jan sei ein «Schläfer» der Aufständischen gewesen und habe ihn getötet.

Ahmad Wali Karzai war der Chef des Provinzrats von Kandahar und damit einer der einflussreichsten Männer im Süden des Landes. Er galt vielen in Afghanistan als Beleg für die Vetternwirtschaft in der Regierung Karzai. Ihm wurde immer wieder eine Verwicklung in den Drogenhandel vorgeworfen. Außerdem wurde er beschuldigt, auf der Gehaltsliste der CIA zu stehen. Der Präsident verteidigte seinen Halbbruder stets gegen Vorwürfe, er sei in kriminelle Machenschaften verwickelt.

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Wiederholt Ziel von Anschlagsversuchen

Die Tochter des Bürgermeisters von Kandahar sagte, Karzai hinterlasse fünf Kinder - zwei Söhne und drei Töchter. Sein jüngster Sohn sei vor etwa einem Monat geboren worden. «Ich weine wegen des einen Monat alten Kindes, das seinen Vater niemals sehen wird», sagte sie schluchzend am Telefon. «Wie viele werden wir in diesem Land noch zu Waisen und Witwen machen?»

Bereits in der Vergangenheit waren mehrfach Anschläge auf Ahmad Wali Karzai verübt worden. Im Mai 2009 geriet sein Wagenkonvoi in einen Hinterhalt in der Provinz Nangarhar. Einer von Karzais Leibwächtern wurde getötet, er selbst blieb unverletzt. Weniger als zwei Monate zuvor hatten vier Selbstmordattentäter der Taliban Karzais Büro gestürmt. 13 Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben, der Karzai zufolge ihm galt. Ein Sprecher der Taliban erklärte, Anschlagsziel sei der Provinzrat gewesen. Karzai hatte das Gebäude wenige Minuten zuvor verlassen.

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san/kra/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • oliver
  • Kommentar 1
  • 12.07.2011 19:10

Europäer sind sich zu wenig bewusst, dass die Freiheit erkämpft werden musste und noch immer muss. Selbstzufriedenheit und Gleichgültigkeit dominieren. Es gibt diese Wahrnehmung, unbesiegbar zu sein — als könne hier in Europa nichts Schlimmes passieren oder falsch laufen. In Europa leben 700 Millionen Menschen. Zum Vergleich: in den muslimischen Ländern leben 1,7 Milliarden Menschen. Europa ist eine Minderheit. Dessen ungeachtet halten die Europäer ihre bürgerlichen Freiheiten für selbstverständlich, nehmen sie als gegeben hin und vergessen: was gegeben wurde, kann auch wieder genommen werden.

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