Christian Wulff Der Kinderpräsident

Bundespräsidentenpaar (Foto)
Die Engländer haben die Queen, die Deutschen die Wulffs: Bundespräsident Christian ist vor einem Jahr mit seiner Bettina ins Schloss Bellevue gezogen. Bild: dapd

Von Frank Rafalski und Thomas Lanig
Er ist der jüngste Bundespräsident aller Zeiten: Christian Wulff. Seit einem Jahr amtiert er im Schloss Bellevue. Mit ihm zogen die Kinder ein. Und die Langeweile, sagen seine Kritiker.

Es ist der eine, immer wieder zitierte Satz, der wie kein anderer für Christian Wulffs erstes Jahr im Amt des Bundespräsidenten steht: «Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland», sagte er zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010. Das war eigentlich nur so zu verstehen, als wolle Wulff das Thema Integration zum Leitmotiv seiner Präsidentschaft machen. Als «Integrations-Präsident» würde er gerne wahrgenommen werden, sagt er auch selbst und meint damit den Zusammenhalt der Gesellschaft.

In den vergangenen Wochen lauteten die Nachrichten eher so: «Wulff zeigt Diplomaten die Pfalz», «Bundespräsident ehrt Forscher-Jugend», auch «Wulff fordert menschenwürdige Flüchtlingspolitik» oder «Wulff kritisiert Repression im Iran». Kontrovers ist nichts davon, es sind Nachrichten zur präsidentiellen Routine von Christian Wulff. Er möchte nicht «wie ein Schiedsrichter» über das Feld rennen und immer wieder Gelbe und Rote Karten zücken, sagte Wulff einmal, um klar zu machen, dass die Tagespolitik nicht seine Aufgabe ist.

Christian Wulff
Der Lächel-Präsident

Ein Jahr ist der neue Bundespräsident im Amt. Mit seinen Besuchen in bislang mehr als 20 Ländern und einem steten Strom von Terminen in Deutschland ist er so umtriebig wie kaum einer seiner neun Vorgänger. Er selbst sieht sich inzwischen «im Amt angekommen». Dies gilt sicherlich im Ausland, und schließlich bemisst der Präsident selbst die außenpolitischen Aktivitäten mit 60 Prozent seiner Zeit. Ob bei seinem Auftritt vor dem Parlament in Ankara oder bei seinem Israel-Besuch mit Tochter Annalena - der «Neue» trifft den richtigen Ton. Mit seiner offenen und direkten Art bekommt er rasch einen Draht zu Gesprächspartnern aller politischen Couleur.

Video-Umfrage
Wulffs erste Amtshandlung
Video: news.de

Trotz Stolperstart: Die Deutschen haben sich an ihn gewöhnt

Wulff ist beliebt, das ergab jetzt eine Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag. 80 Prozent empfinden ihn als persönlich sympathisch. Doch etwa genau so viele wünschen sich mehr «klare Kante». «Den Deutschen ist Wulff zu leise», heißt die Schlagzeile in der Sonntagszeitung. Doch genau der eine kontroverse Satz, wonach der Islam zu Deutschland gehört, hat 59 Prozent nicht gefallen. Eben das macht das Dilemma deutlich: Sagt er was, gibt es kontroverse Debatten. Sagt er nichts, ist er zu leise. Zur Islamdebatte hat sich Wulff seitdem noch nicht wieder geäußert. Dabei hat Wulff inzwischen viele Reden gehalten, auch zu aktuellen Themen wie Flüchtlingselend, Finanzkrise und Energiewende. Keine hinterließ ähnliche Spuren wie die «Islam-Rede».

Christian Wulff
Ehrgeiziger Stratege

Insgesamt war der Anfang als Staatsoberhaupt ein bisschen holprig. Nachdem er sich erst im dritten Wahlgang am 30. Juni 2010 gegen seinen Konkurrenten Joachim Gauck durchgesetzt hatte, unterliefen ihm noch drei kleine Patzer. Einen lange zuvor gebuchten Urlaub, den er als frisch gekürter Bundespräsident in der Villa des umstrittenen Unternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca verbrachte, hat Wulff inzwischen auch öffentlich als Fehler abgehakt. Die Debatte über sein Vorpreschen im Fall Thilo Sarrazin («Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet») war ihm dagegen eine Lehre.

Etwas unglücklich auch die Äußerung nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg, die als Aufforderung zum Rücktritt des Oberbürgermeisters Adolf Sauerland verstanden wurde. Seitdem ist Wulff penibel darauf bedacht, sich bei heiklen politischen Fragen nicht zu sehr aus dem Fenster zu lehnen.

«Seine Agenda ist auf fünf Jahre angelegt», heißt es dazu im Schloss Bellevue. Der Zusammenhalt der Gesellschaft, zwischen Alt und Jung, Arm und Reich, zwischen den Religionen, ist sein wichtigstes Anliegen, wird betont. Die Zukunft der Demokratie im Zeitalter von Bürgerbewegungen, Internetforen und sozialen Netzwerken ein weiteres.

Mit Wulff kamen die Kinder ins Schloss

Was muss man können, um Bundespräsident zu werden, wurde Wulff einmal vom Kindermagazin Dein Spiegel gefragt. «Gut zuhören und die Menschen mögen», war die Antwort. Überhaupt sind Kinder ein Thema. «Ihr müsst Euch daran gewöhnen, dass Ihr einen jungen Bundespräsidenten habt», kokettiert der 52-Jährige gerne mit der Tatsache, dass er und seine Frau Bettina (37) mit Abstand das jüngste Präsidenten-Ehepaar sind, das die Bundesrepublik je hatte.

Das hat auch auf die Amtsführung abgefärbt. Eine Spielecke im Amtszimmer, eine Gartenparty für die Nachbarschaft mit Kindern in der Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Und ständig Fotografen auf der Lauer, ob sie das Tattoo am rechten Oberarm vom Bettina Wulff doch noch ablichten können.

Da kann es auch schon mal passieren, dass Linus (3) und Leander (8) ins Arbeitszimmer im Schloss Bellevue hereinplatzen, wenn Papa und Angela Merkel gerade unter vier Augen Staatsangelegenheiten beraten. Die Kanzlerin hat es mit Humor genommen, wurde anschließend berichtet.

jek/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alexander
  • Kommentar 6
  • 17.02.2012 18:30

In Deutschland können es die notorischen Spießbürger, die selber Dreck am Stecken haben, aus Neidgefühl oder der Unfähigkeit die Mehrheit ihrer Volksgenossen hinter sich zu haben, am Stuhl eines Präsidenten mit falschen,aber gebetsmühlenartig vorgetragenen Unwahrheiten zu sägen ( Ebert, Köhler und nun Wulf) Ich halte Pastor Gauck für so integer, dass er nicht sich für solche Geschäfte einläßt, nun in einem 4. Versuch ins Amt auf solche Weise geschoben zu werden. Deutschland ist ein wunderliches Land; in einer europäischen Krise das Pferd ihres Königs unter ihm wegzuschießen. Alexander

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  • Brasilianer
  • Kommentar 5
  • 17.07.2011 22:24

Ist es nicht RÜHREND wenn plötzlich die Kinder ins Arbeitszimmer stürmen wenn Bundespräsident u.Kanzlerin gerade wichtige Staatsangelegenheiten besprechen natürlich nahms die Kanzlerin gelassen. Welch Blödsinn wird hier dem Volk vorgespielt vom tollen Landesvater - der das Volk zusammenhalten will. Deutschland braucht endlich ein neues modernes Staatssystem ohne Parteienallmacht mit Frühstücksdirektoren .Eine Regierung die dem Souverän Volk dient u.sich verantworten muss,die keine Gelder in sinnlosen Kriegen verschleudert oder Entwicklungshilfe leistet obwohl des eigené Land genug Probleme hat

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  • ART
  • Kommentar 4
  • 01.07.2011 10:19

Der Islam gehört zu Deutschland wie Beton und Schokolade.Gibt es nämlich überall!Aber auch dämlich gibt es überall! Nun sollte die "Olive" mal in seinen"deutschen Spiegel"schauen und die markigen"deutschen Worte"dazu murmeln:"Spieglein,Spieglein an der Wand,wer ist die schönste deutsche Olive im Land"?Und dann wird der"deutsche Spiegel"antworten:"Du,du "schwarze Olive"glaubs seist die schönste hier,aber bei den Muselmanen wachsen die"GRÜNEN"und die sind TAUSEND MAL schöner als wir.

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