Stuttgart 21 Polizist bei Demo krankenhausreif geprügelt

Stuttgart 21 (Foto)
Neun Beamte mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bild: dpa

Neun verletzte Polizisten und ein beträchtlicher Sachschaden: Bei der traditionellen Montagsdemo gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 kam es zu Ausschreitungen. Ein Zivilbeamter erlitt schwere Kopfverletzungen, acht Beamte ein Knalltrauma.

Nach den Attacken auf Polizeibeamte während der Besetzung einer Stuttgart-21-Baustelle hat sich die Lage in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs am frühen Morgen entspannt. Rund 400 Demonstranten hätten noch bis in die Nacht hinein auf dem Platz vor dem Gebäude des Grundwassermanagements ausgeharrt, teilte die Polizei in Stuttgart mit. Zu weiteren Zwischenfällen kam es nach Angaben der Polizei nicht. Gegen ein Uhr habe sich die Menge zerstreut.

Bei dem Vorfall am Abend, als Demonstranten eine Baustelle stürmten und neun Polizisten verletzten, sei nach ersten Einschätzungen ein «beträchtlicher Sachschaden» entstanden, dessen Höhe allerdings noch nicht beziffert werden konnte. «Das war mit Sicherheit nicht mehr friedlich, was sich einige Leute dort geleistet haben», sagte ein Sprecher.

Stuttgart 21
Die Rebellion der braven Bürger

Der als eingefleischter Stuttgart-21-Gegner bekannte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rief in der Nacht die Demonstranten auf, zu gewaltfreien und zivilen Formen des Protestes zurückzukehren. «Gewalttätige Angriffe einzelner Demonstranten auf Polizeibeamte gehören nicht dazu», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Damit verspiele man die Sympathien bei den Menschen, die aus guten Gründen das Milliarden-Bahnprojekt ablehnen. «Gewalt schadet nicht Stuttgart 21, sondern dem Protest dagegen», fügte er hinzu.

Demonstranten prügeln und zünden «TNT-Böller»

Mehrere hundert Stuttgart-21-Gegner hatten nach der traditionellen «Montagsdemonstration» gegen das Bahnprojekt die Baustelle für das Grundwassermanagement gestürmt und dabei neun Polizisten verletzt. Einer davon wurde schwer verletzt, als er einen Demonstranten kontrollieren wollte, der zuvor eine Sachbeschädigung begangen hatte. Der Zivilbeamte wurde mit Kopf- und Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Stuttgart 21
Wütende Demonstranten, verletzte Polizisten
Video: news.de/dapd

Acht weitere Polizisten erlitten ein Knalltrauma, nachdem selbst gefertigte «TNT-Böller» nahe der Polizeikette gezündet worden waren. Auch sie mussten in der Klinik behandelt werden. Einige Aktivisten besetzten die Wassertanks und das Dach einer Fabrikhalle für das Grundwassermanagement für den geplanten Tiefbahnhof. Sie verließen nach drei Stunden ihre Positionen und wurden von den Beamten mit weiteren Demonstranten in Gewahrsam genommen. Eine genaue Zahl konnte die Polizei in der Nacht zum Montag nicht nennen.

Sie haben laut den Beamten mit Anzeigen wegen Land- und Hausfriedensbruch zu rechnen. Hinsichtlich der Attacken auf die Beamten ermittelt die Polizei gegen Unbekannt, erhofft sich aber Aufschlüsse von den zahlreichen Fotos, die während der Besetzung gemacht wurden. Die Polizei sprach von einer schweren Aggression, feindseliger Stimmung und großer Emotionalität des Protestes.

Dagegen teilten die «Parkschützer», eine Gruppe von Aktivisten, mit, in «gelöster Feierabendstimmung» hätten rund 1000 Protestierende ein «Stück ihrer Stadt wieder in Besitz» genommen. Die «Parkschützer» verlangen von der Bahn einen Baustopp. Die Bahn habe gar kein Baurecht, weil sie falsche Angaben zur Grundwasserentnahme gemacht habe. Die Bahn hatte durch Bohrungen festgestellt, dass sie die ursprünglich geplante Grundwasserentnahmemenge verdoppeln muss, und einen entsprechenden Antrag bei der Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahnbundesamt, gestellt.

Aufseiten der Demonstranten gab es am späten Abend keine Verletzten. Nach Polizeiangaben hatten vorher 3000 Menschen gegen das 4,1 Milliarden Euro teure Bahnvorhaben friedlich demonstriert. Ende September 2010 waren mehr als 100 Demonstranten und auch etliche Polizisten vor den Baumfällarbeiten für Stuttgart 21 im Stuttgarter Schlossgarten verletzt worden.

cvd/che/news.de/dpa

Leserkommentare (28) Jetzt Artikel kommentieren
  • Matthias Engel
  • Kommentar 28
  • 24.06.2011 14:34

Pack hin oder her, alles She is Crazy! Fakt ist doch das Rechnungen zur Herstellung des S21 von vorne nach hinten nicht stimmen Mauscheleien sich im Bund und in der Politik breittreten! Welchen Sinn es aber so plötzlich macht diesen Stuttgarter Bahnhof angeblich auch man so vor 20 J. plante umzubauen stinkt es schon an der Vergabe, das man hier sich genau schon so verrechnet in Sache des CO² und Naturparks deshalb sinnlos Rodet, da sollte man solche politiker die Immunität streitig machen und wie Grafitisprayer anklagen wegen Sachbeschädigung sowie des falschen Aufgebot der Polizei zahlen la.

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  • freierGeist
  • Kommentar 27
  • 24.06.2011 05:06

Die Politiker dienen alle dem Gleichen nur und ausschliesslich dem Gelde, und die geben es sogar zu, die die Gewählt worden haben nichts zu sagen und die die zu sagen haben wurden nicht gewählt, wir leben in einer Diktatur, mit mehr Kaspern auf der Bühne, die Medien lügen im Auftrag von 200 Reichen Leuten, .. Wahrheit wird man in ihnen nur finden wo es belanglos ist, alles andere wird dem Ziel zugeführt.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 26
  • 23.06.2011 18:59

Die Würdigung eines Teiles der Kommentare zu diesem Thema führt zur Gegnerschaft der Gegner von S 21. Dieses Pack muss wieder einer anständigen Gesinnung zugeführt werden. Es ist einfach unerträglich, wenn in Zusammenhang von (Zivil)-polizisten von Provokateuren oder Weicheiern gesprochen wird, die man deshalb zusammen schlagen darf. Wer diese dreckige Fresse riskiert, gehört zum Abschaum und nicht in ein Forum. Das gilt auch für diesen Stänkerer gehtnoch, der die andere Meinung mit Pack beschimpft. Was denn bitte hindert Kretschmann am Ausstieg aus S 21? Abschalten, nicht beleiden!

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