Syrien «Abscheulicher Einsatz von Gewalt»

Die USA und die UN haben die Gewalt in Syrien scharf verurteilt und ein Ende der Ausschreitungen gefordert. Bei einer groß angelegten Militäroffensive waren zuvor mindestens 32 Menschen getötet worden.

Militäroffensive gegen syrische Opposition (Foto)
Die Gewalt nimmt kein Ende: In Syrien ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen, bei denen mindestens 32 Menschen starben. Bild: dpa

In Syrien sind bei einer groß angelegten Militäroffensive sowie bei weiterer Gewalt gegen Demonstranten nach Angaben von Aktivisten mindestens 32 Menschen getötet worden. Allein in der nördlichen Provinz Idlib habe es 15 Opfer gegeben, hieß es. Viele davon seien bei Kämpfen in dem Ort Maaret al Numan ums Leben gekommen. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, Bewaffnete hätten in dem Ort das Feuer auf Polizeistationen eröffnet und dabei Angehörige der Sicherheitskräfte getötet.

Die USA verurteilten den «abscheulichen Einsatz von Gewalt» in Syrien scharf und verlangen ein sofortiges Ende der Brutalit√§t. In einer Erkl√§rung des Wei√üen Hauses hie√ü es, dass es diese Art von «entsetzlicher Gewalt» sei, die die USA zur Unterst√ľtzung einer Resolution gegen das Regime von Pr√§sident Baschar al-Assad im UN-Sicherheitsrat f√ľhrten. In dem von Frankreich, Gro√übritannien, Deutschland und Portugal vorgelegten Resolutionsentwurf soll die Assad-Regierung f√ľr systematische Menschenrechtsverletzungen bei ihrem Vorgehen gegen Regimekritiker verurteilt werden. UN-Generalsekret√§r Ban Ki Moon kritisierte den Einsatz milit√§rischer Gewalt gegen Zivilisten als «nicht akzeptierbar».

Gewalt in Syrien: USA und UN √ľben scharfe Kritik
Video: cvd/news.de/CNN/dapd

Unterdessen erreichten Panzer der syrischen Streitkr√§fte offenbar auch die umk√§mpfte Stadt Dschisr al Schugur. In einem Bericht des staatlichen Fernsehens hie√ü es, die Regierungstruppen bef√§nden sich an den Zug√§ngen der n√∂rdlichen Grenzstadt und h√§tten Mitglieder «bewaffneter Gruppen» festgenommen. T√ľrkischen Berichten zufolge flohen Hunderte aus der Grenzregion in die T√ľrkei; bis Freitag seien fast 4000 Fl√ľchtlinge √ľber die Grenze gekommen.

Ein syrischer Oppositionspolitiker sagte, in dem 40 Kilometer √∂stlich von Dschisr al Schugur gelegenen Ort Maaret al Numan h√§tten tausende von Demonstranten Sicherheitskr√§fte √ľberw√§ltigt; Polizeiwache und Gerichtsgeb√§ude seien in Brand gesteckt worden. Die Streitkr√§fte h√§tten den Ort daraufhin mit Panzern beschossen. Seinen Namen wollte der Oppositionspolitiker nicht genannt wissen.

Ungeachtet der Milit√§roperation demonstrierten in ganz Syrien wieder tausende Menschen gegen die Regierung von Pr√§sident Baschar Assad. Auch hierbei wurden nach Angaben von Augenzeugen mehrere Menschen von den Sicherheitskr√§ften get√∂tet. Der t√ľrkische Ministerpr√§sident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die syrische Milit√§roperation in einem Interview als «Barbarei».

«Woche des Chaos' und der Gewalt»

In Dschisr al Schugur selbst seien die meisten der 45.000 Bewohner geflohen, berichteten Augenzeugen per Telefon. Im Laufe des Tages wurden die Leitungen offenbar unterbrochen.

Die in die T√ľrkei geflohenen Syrer berichteten von einer Woche des Chaos und der Gewalt in Dschisr al Schugur. Polizisten h√§tten ihre Waffen gegeneinander gerichtet, Soldaten h√§tten den Schie√übefehl auf Zivilpersonen verweigert und ihre Uniformen abgelegt. Daraufhin seien sie von Regierungstruppen erschossen worden. Sie best√§tigten damit fr√ľhere Augenzeugenberichte. Das syrische Staatsfernsehen hatte hingegen berichtet, Anfang der Woche seien 120 Soldaten von «bewaffneten Banden» get√∂tet worden.

Der milit√§rische Gro√üeinsatz solle Dschisr al Schugur aus der Hand dieser Banden befreien, hie√ü es in dem Sender. Der Leiter des Londoner Syrischen Observatoriums f√ľr Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, sagte unter Berufung auf Kontakte vor Ort, mehr als 10.000 Soldaten, darunter Elitetruppen, seien im Einsatz.

Erdogan hält Grenze offen

Erdogan sagte, er werde angesichts der «Barbarei» in dem syrischen Grenzgebiet die Grenze nicht schlie√üen. Der T√ľrkische Rote Halbmond errichtete zwei zus√§tzliche Notaufnahmelager. «Wir k√∂nnen angesichts hilfloser Menschen vor unserer T√ľr nicht teilnahmslos bleiben», sagte der Abgeordnete und fr√ľhere Justizminister Sadullah Ergin in einem der Lager in der Grenzstadt Yayladagi.

Die syrische Regierung erlaubte einer Gruppe Journalisten, den Milit√§reinsatz im Norden zu begleiten - offenbar um die Existenz von bewaffneten Banden zu beweisen. Einwohner in D√∂rfern vor der Stadt sagten, sie f√ľhlten sich nun angesichts der Truppenpr√§senz sicher, berichtete ein Reporter, der zu der Journalistengruppe geh√∂rte. Die 50-j√§hrige Waluda Scheicho und andere Bewohner des Dorfes Foro begr√ľ√üten Soldaten mit Lebensmitteln, Wasser und Saft. Sie sagten, die Soldaten seien auf ihre Bitten gekommen.

Das Staatsfernsehen berichtete, dass bewaffnete Gruppen rund um die Stadt angesichts der n√§her r√ľckenden Soldaten Weizenfelder in Brand gesteckt h√§tten. In Dschisr al Schugur verbliebene Einwohner sagten dagegen, Soldaten hatten die Ernte vernichtet. Einer von ihnen berichtete, dass 40 Panzer in ein Dorf zw√∂lf Kilometer von der Stadt entfernt eingedrungen seien. Er und andere Aktivisten h√§tten au√üerdem Maschinengewehrfeuer geh√∂rt.

Menschenrechtsorganisationen zufolge sind in Syrien bisher mehr als 1.300 Menschen bei der Niederschlagung von regierungskritischen Demonstrationen getötet worden. Eine Sprecherin der Regierung sagte, dass 500 Sicherheitskräfte während der Revolte ihr Leben gelassen hätten.

eia/cvd/news.de/dapd

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • alfgarfield
  • Kommentar 6
  • 14.06.2011 20:35

Kann doch gut wahr sein, was die syrischen medien melden. Kann auch sein, das die westlichen medien nur meinungen machen, getreu dem moto, was uns n√ľtzt ist richtig. Kann auch sein, da√ü die westlichen staaten guten nutzen aus einem b√ľrgerkrieg in syrien ziehen. Be√§ngstigend der gedanke, das dies auch hier zu lande m√∂glich werden kann. Ich kenne so viele gewalt bereite jugendliche, die nur von harz4 leben, und keine aussicht auf eine ordentlich bezahlte arbeit haben. Hoffe nur, das diese hasserf√ľhlten mitmenschen nie waffen in die h√§nde bekommen. Was aber wenn doch? - Dann sind wir syrien!

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  • irgendwer123
  • Kommentar 5
  • 14.06.2011 20:22

Nur kopiert! Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, wie aktuell in Libyen - echt schrecklich, was die NATO dort bisher erreicht hat. Bin gespannt auf die nun folgenden Schauprozesse gegen die syrischen Rebellen. Vielleicht eine Blamage f√ľr westliche Geheimdienste?

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  • 4tec
  • Kommentar 4
  • 12.06.2011 09:50
Antwort auf Kommentar 3

D als drittgrößter Waffenexporteur gilt gemein hin als demokratisch. Das ist das Land, das sich einen Finanzminister leistet, der sich vor Jahren mit dem Waffenschieber Schreiber auf einem Parkplatz an der Schweizer Grenze traf und ein Köfferchen mit 100.000 DM entgegennahm. Derartige "Spenden" waren so alltäglich, dass er das glatt vergessen hat und später als es ihm wieder einfiel, stritt er sich sogar mit der CDU-Schatzmeisterin, dass er es bekommen hat und nicht sie. Fazit: Die Verbindung der damaligen und jetzigen Regierung zur Waffenindustrie ist klar und deutlich

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