Ärzte Ärzte ringen um Sterbehilfe

Der Ärztetag in Kiel steht vor einer ethisch heiklen Entscheidung. Die Delegierten debattieren heute (Mittwoch), ob Hilfe zur Selbsttötung den Medizinern auch bei Todkranken ohne Hoffnung strikt verboten werden soll. Dies schlägt der Vorstand der Bundesärztekammer vor.

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Ärzte ringen um Sterbehilfe Bild: dpa

Kiel (dpa) - Der Ärztetag in Kiel steht vor einer ethisch heiklen Entscheidung. Die Delegierten debattieren heute (Mittwoch), ob Hilfe zur Selbsttötung den Medizinern auch bei Todkranken ohne Hoffnung strikt verboten werden soll. Dies schlägt der Vorstand der Bundesärztekammer vor.

«Wir wollen keine Öffnung zum ärztlich assistierten Suizid», sagte Kammervize Frank Ulrich Montgomery der Nachrichtenagentur dpa in Kiel. «Der Vorstand der Bundesärztekammer hat einen Beschlussvorschlag erarbeitet, der unmissverständlich klarstellt, dass Ärzte keine Hilfe zur Selbsttötung leisten dürfen.» Nach der bisherigen Berufsordnung dürfen Ärzte das Leben des Sterbenden «nicht aktiv verkürzen». Nun soll es heißen: «Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.» Die Berufsordnung ist bindend - Verstöße können zur Aberkennung der Approbation führen.

Doch in der Ärzteschaft gibt es auch Fürsprecher für eine Regelung, die einem Arzt erlaubt, einem Todkranken beim Suizid zu unterstützten - etwa mit tödlichen Medikamenten, die der Patient selbst einnimmt. In einer von der Kammer selbst in Auftrag gegebenen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2009 waren 30 Prozent für so eine Regelung.

Es könnte eine intensive Debatte werden. Bei der Eröffnung des Ärztetags waren die Mediziner aus ganz Deutschland von Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben empfangen worden - auf Plakaten forderten diese ein «Menschenrecht auf selbstbestimmtes Sterben».

Der Deutsche Caritasverband begrüßte hingegen den geplanten harten Kurs. Sterbewünsche seien oft Ausdruck einer Depression, einer sozialen Vereinsamung oder die Folge unerträglicher Schmerzen, sagte Präsident Peter Neher. Betroffene sollten begleitet, die palliativmedizinische Versorgung sollte verbessert werden.

Auch die Deutschen Hospiz Stiftung unterstützt eine strenge Linie. «Der Tod aus den Gelben Seiten sollte in Deutschland verboten werden», sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Der Bundesregierung warf Brysch vor, die zugesagte strafrechtliche Regelung für das Assistieren bei Suizidfällen immer noch nicht eingeführt zu haben. «Im Strafgesetzbuch ist der begleitete Suizid nach wie vor kein Straftatbestand - im Gegensatz zur Tötung auf Verlangen, da muss der Arzt selber eine Spritze aufziehen.»

Zuletzt hatte es so ausgesehen, dass die Ärzte in der strittigen Frage mehr Spielraum bekommen sollten. Denn die Ärztekammer stellte vor wenigen Monaten überarbeitete Grundsätze vor, also Handlungsanleitungen mit nur empfehlendem Charakter. Aus den Empfehlungen wurde herausgestrichen, die Mitwirkung bei der Selbsttötung entspreche nicht ärztlichem Ethos. Seither ist sie in den Grundsätzen nur noch «keine ärztliche Aufgabe». Montgomery sagte, diese Überarbeitung sei eine sprachliche Modernisierung gewesen.

Grundsätze zur Sterbebegleitung

Berufsordnung

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news.de/dpa

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