Daniel Bahr Ein Posterboy im Seuchensumpf

Daniel Bahr (FDP) (Foto)
Früher Mädchenschwarm, heute Minister: Daniel Bahr (FDP). Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
EHEC und Krankenkassenpleiten: Kaum ist Daniel Bahr (FDP) Gesundheitsminister, da brechen die Katastrophen über ihn herein. Doch wer genau ist der Mann, der früher ein Mädchenschwarm war und heute die Volksgesundheit bewahren soll?

So aufgekratzt hatte man den Chef selten erlebt. Gemeinsam mit der neuen FDP-Ministerriege stand er auf der Bühne. Vor ihnen jubelten und klatschten über 600 Parteifreunde. «Endlich gibt es im Gesundheitsministerium einen Mann, der von der Materie etwas versteht», kreischte Guido Westerwelle. Dabei legte er den rechten Arm um die Schulter des jungen Mannes, der vor Jahren einmal Medizin studiert hatte und der nun verdutzt aus der Wäsche schaute, als der Außenminister ihm auch noch gleichzeitig mit der linken Hand kräftig auf die Brust schlug. Anerkennung pur. «Unser Philipp Rösler», brüllte Westerwelle. Der Rest ging im Jubelgeschrei unter. Das war im Oktober 2009.

Mehr als eineinhalb Jahre ist das her. Damals bejubelte die FDP den Aufbruch nach einer grandiosen Bundestagswahl. Unten im Publikum stand auch Daniel Bahr. Für ihn war nur der Posten des Staatssekretärs herausgesprungen. Und bis heute muss er sich nachsagen lassen, dass er damals viel lieber an Röslers Stelle auf der Bühne gestanden hätte. «Als Rösler Minister wurde, war Bahr der Frust deutlich anzumerken», zitierte der Spiegel noch in dieser Woche ein Bundestagsmitglied. Doch genau dieser Frust dürfte mittlerweile großer Freude gewichen sein. Denn die Regierungskrise und der damit verbundene Machtwechsel hat Daniel Bahr genau dorthin gespült, wo er schon vor etlichen Monaten hinwollte: auf den Stuhl des Gesundheitsministers.

Rösler, Bahr & Co.
Die Köpfe der FDP

Erst vor zwei Wochen hat er das Erbe von Philipp Rösler angetreten, der die erste Gelegenheit zum Wechsel ins Wirtschaftsministerium nutzte und Bahr einen Haufen Arbeit hinterließ. Kaum im Amt, steht der neue Gesundheitschef schon im Dauerfeuer, ohne Schonzeit quasi. Erst kam der Ärger um die Pleite der City BKK, dann auch noch die plötzliche Ausbreitung der EHEC-Seuche. Hunderte Menschen haben sich mit den Bakterien infiziert, mindestens zwei sind bereits daran gestorben. Und Mediziner und Politiker rätseln gleichsam an den Ursachen herum.

EHEC-Infektion
Blutiger Durchfall mit Todesfolge
Video: dapd

Droht der Lebenstraum zum Albtraum zu werden?

Für den Einstand ist das keine Situation, die sich ein Minister wünschen würde. Entsprechend zurückhaltend äußert sich Bahr zurzeit: «Ich bin optimistisch, dass die Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts schnell die Ursachen finden werden», sagt er. Ein Minister in Erklärungsnot? Die Opposition sieht das natürlich so. Schließlich sei Bahr als FDP-Gesundheitsexperte und ehemaliger Staatssekretär für die Situation «nicht erst seit gestern mit verantwortlich», ätzt die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. Doch vielleicht sollte man mit vorschnellen Urteilen noch warten.

In der Berliner Koalition glauben jedenfalls nicht wenige, dass Bahr die knifflige Situation wird meistern können. Zumindest bietet sie ihm die Gelegenheit, genau das zu beweisen, was alle schon vor Monaten dachten: Dass Bahr der wahre Fachmann der FDP im Gesundheitsressort ist. Anders als sein Vorgänger Rösler, der als niedersächsischer Wirtschaftsminister quer in die Berliner Bundespolitik einstieg, hatte Bahr bereits vor dem Regierungswechsel viele Jahre das gesundheitspolitische Feld beackert, und zwar als Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Der Ministerposten wäre eigentlich der nächste logische Schritt auf der Karriereleiter gewesen. Doch aus unerfindlichen Gründen speiste ihn Westerwelle erst einmal mit dem Posten des Gesundheitsstaatssekretärs ab.

Doch dem Aufstieg tat das nur einen kurzen Abbruch. Dafür ist Bahr zu sehr Karrierist. Mit seinen 34 Jahren gehört er in der FDP-Bundestagsfraktion schon zu den Veteranen. Das erste Mal zog er 2002 in den Bundestag ein, angeblich mit kräftiger Hilfe vom ehemaligen FDP-Frontmann Jürgen Möllemann. Er hatte in Münster den jungen Daniel Bahr entdeckt und ihm Nachhilfe in Sachen Machtinstinkt gegeben, wie in verschiedenen Presseartikeln zu lesen ist.

So stieg er zum Beispiel als 24-Jähriger vor dem Kanzleramt in eine Badewanne, halbnackt. Das Wasser war sieben Grad kalt. Aber was tut man nicht alles für den Protest. «Der Jugend steht das Wasser bis zum Hals», lautete das Motto seiner Aktion. Vor allem bei den weiblichen Wählern konnte der smarte Jungpolitiker in frühen Jahren punkten. Bis heute kursiert die Legende, dass das Kreisverbandsbüro in Münster in einem früheren Wahlkampf von jungen Frauen überrannt wurde, die gerne ein Plakat mit Bahrs Konterfei haben wollten. Für den privaten Gebrauch.

Bahr will kein Mädchenschwarm mehr sein

Doch von dem Sunnyboy scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Heute umgibt sich Bahr eher mit der Aura eines knallharten Machtpolitikers, der vor allem eines kann: sich durchsetzen und austeilen. Als der Koalitionskrach im vergangenen Jahr seinen Höhepunkt erreichte, war Bahr an der Eskalation direkt beteiligt. Als der bayerische Umweltminister Markus Söder die FDP eine «Gurkentruppe» nannte, konterte Bahr mit einem knappen: «Wildsau».

Schnelles Zurückweichen kommt für ihn jedenfalls nicht infrage. Als die Wahlniederlagen auf die FDP einprasselten und Guido Westerwelle als Parteichef wackelte, war Bahr eine treibende Kraft im Hintergrund. Zusammen mit dem jungen Generalsekretär Christian Lindner, 32, drängte er den Außenminister zum Rückzug. Das entscheidende Gespräch führten die beiden. Ohne Philipp Rösler, der auf Westerwelle folgen sollte. Aber mit der Rückendeckung des mächtigen Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen, dessen Chef Bahr mittlerweile ist.

Die Worte des Münsteraners haben in der Partei mittlerweile Gewicht. Der Spiegel spekulierte bereits darüber, ob Bahr irgendwann auch Rösler in der Rolle als Parteichef ablösen könnte. Doch das klingt noch nach reichlich viel Zukunftsmusik. Noch bilden beide ein unzertrennliches Gespann. Rösler vertraut Bahr, der ihm auf dem ungewohnten Gesundheitsterrain den fachlichen Input gab. Egal ob Kranken- oder Pflegesystem - in den meisten Fachforen war Bahr an Röslers Seite. Insofern war es nur folgerichtig, dass Rösler in der Personalrochade für den Fachmann Platz machte.

Neuer Ton oder alter Kampf im Lobbynetz?

Daniel Bahr ist damit eher eine Ausnahme. So schaffte in der Bundesrepublik bislang nur ein Staatssekretär im Gesundheitsministerium den Sprung an die Spitze des eigenen Hauses. «Das war Seehofer», verkündete Rösler kürzlich beim Bundesparteitag in Rostock. Dabei gab es allerdings aus Röslers Sicht einen ganz entscheidenden Unterschied: «Mit Daniel bin ich eng befreundet.» Dann lachten beide herzlich. Über den bayerischen Ministerpräsidenten, der Rösler als Bundesminister in München antreten ließ, ihm dort mitteilte, dass sein Reformvorhaben für die Kopfpauschale gescheitert sei - und ihn dann wie einen kleinen Schuljungen wieder nach Hause schickte.

Ob so etwas Bahr auch passieren wird? Beobachter halten ihn für robuster. Zumindest erwarten die vielen Lobbyvertreter mit dem neuen Mann an der Spitze einen schärferen Ton. Das berichtete kürzlich Welt Online. Doch damit wäre er der erste Minister, der nicht auf kurz oder lang vor den mächtigsten Interessenvertretern der Republik einknicken würde. In keinem Politikfeld ist die Lobby gewiefter.

Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) weiß das. Im Gespräch mit news.de verglich sie das Themenfeld einmal mit einem voll besetzten Bus, mit dem der Minister über Berge und durch Täler fahren muss. «Sie dürfen ihn nie anhalten, weil ständig Menschen auf ihn angewiesen sind», sagte sie. «Deshalb müssen sie bei voller Fahrt die Reifen wechseln oder den Motor austauschen.» Keine leichte Aufgabe. Aber Daniel Bahr wollte es so.

jek/kra/ivb/news.de

Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dilan
  • Kommentar 9
  • 28.05.2011 09:49

Hinter mein Haus versteckt sich eine Portugiesinn,sie ist NLP Expertinn.Sie spricht mit mir heimlich und sagt zu mir:Das jeder Europäer und Afrikaner die türkischen Jungen ficken darf wer Geld hat.Jeder hat das Recht Sex mit Kindern zu treiben in der Türkei sagt die Portugiesinn.

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  • Arsch fun
  • Kommentar 8
  • 27.05.2011 17:05
Antwort auf Kommentar 6

Minister für Gesundheit,lustig!Ist wohl so die gleiche Sprachregelung bei den fdp-Finanzmatratzen wie beim ehemaligen ALLERBESTEN aller Zeiten,für die fdp nicht gut genug,aber für das AA als Aushängeschild der Deutschen gut genug!Don Quido,der Minister des Äußersten!Wird nur noch vom Minister für Selbstrationalisierung übertroffen,Dirk Niebel,arbeitet noch an sich,löst sich aber nicht allein auf!Doch bald kommt Meister Propper und wischt den restlichen gelben Dreck ganz einfach weg,und ohne Rand!Bravo"Bürgerdumm"!

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  • ART
  • Kommentar 7
  • 27.05.2011 16:47
Antwort auf Kommentar 6

Ganau,und dein Gärtchen wird geistiges und tatsächliches Endlager der fdp-Finanzmatratzen und dem ewig stahlenden Restmüll der Atomindustrie.Also viel Spaß bei der sog.konvertionellen Arbeit im Dreck!

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