Wahl in Bremen Quereinsteigerin mit Ambitionen

Nicht meckern, sondern einmischen: CDU-Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann ging in die Politik, um etwas zu bewegen. Mit Sachlichkeit will die promovierte Apothekerin ihre Partei nach zwölf Jahren zurück ins Bremer Rathaus führen. Das wird schwer.

Mohr-Lüllmann (Foto)
Hat es schwer im Rennen um das Bremer Bürgermeisteramt: CDU-Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann. Bild: dpa

Rita Mohr-Lüllmann ist selbstbewusst. Als erste Frau in der Geschichte der Bremer CDU tritt sie als Spitzenkandidatin gegen den amtierenden Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) bei der Landtagswahl in Bremen am 22. Mai an. Nachdem die CDU bei der Wahl 2007 ihre Kabinettsstühle nach zwölf Jahren Großer Koalition räumen musste, will sie wieder ins Machtzentrum, das historische Rathaus.

Allerdings hat Rita Mohr-Lüllmann einen schweren Stand: Seit über 65 Jahren regiert in Bremen die SPD, die rot-grüne Koalition liegt in den Umfragen weit vorn. Laut einer jüngsten Umfrage könnte die Union bei einer Landtagswahl erstmals hinter den Grünen landen.

Die in Altena in Westfalen geborene Mohr-Lüllmann lebt seit über 30 Jahren in der Hansestadt. Seit 2003 sitzt die gelernte Apothekerin im Bremer Landesparlament, der Bürgerschaft. Sie ist auch stellvertretende Vorsitzende der Landespartei und der Fraktion.

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Der Bremer Parteienforscher Lothar Probst hält Mohr-Lüllmann für integrativer und «softer» als ihren Vorgänger Thomas Röwekamp. Auch sie selbst sagt über sich, sie neige nicht zum Pöbeln. «Ich bin nicht marktschreierisch, sondern vertrete meine Position sachlich.»

Nicht nur meckern, einmischen

Zur Politik gekommen ist die Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer, die mit ihrem Mann ein chemisches Labor mit 70 Angestellten leitet, weil sie ihre Fachkompetenz in politischen Themen einbringen wollte. «Man kann nicht immer nur meckern, wir brauchen auch Menschen, die sich einmischen.» Sie suche immer eine konkrete Lösung bei Problemen. «Das ist bei Naturwissenschaftlern so», sagt Mohr-Lüllmann, die in Bremen und Braunschweig Chemie und Pharmazie studiert hat.

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Video: dapd

Ihre politische Laufbahn in Bremen ist auch mit dem Schicksal des kleinen Kevin verknüpft. Mohr-Lüllmann saß im Untersuchungsausschuss des Parlaments, der das staatliche Versagen beim Tod des Jungen offenlegte. Bis heute ist der Fall ein Trauma in Bremen. Hier wurde Kevin 2006 tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden.

Die 54 Jahre alte verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Kindern wirft als Herausforderin der rot-grünen Regierung schwere Versäumnisse vor. «Die Kleinheit des Landes hat sehr viele Vorteile. Ich finde, dass diese Kleinheit nicht genutzt wird», sagte die Unternehmerin. Viele Menschen würden sich kennen und es gebe kurze Wege. «Wir könnten Modellregion für die ganze Republik für die schnellsten Genehmigungsverfahren sein», sagt sie und kritisiert die Politik im Problemland Bremen mit hoher Arbeitslosigkeit, immensen Schulden und Kinderarmut.

Sozial engagiert

Neben ihrer Arbeit für die Partei und im Parlament engagiert sich Mohr-Lüllmann in einem sozialen Projekt in einer kleinen Schule in einem Brennpunkt der Hansestadt. «Da kümmern wir uns um Kinderbetreuung, um die Nachmittagsbetreuung und vor allem auch um gesunde Ernährung.»

«Aber ich nehme mir auch Auszeiten», erzählte die Politikern. Sie geht gerne in die Berge zum Wandern, läuft oder trainiert in einem Fitnessstudio. Zudem liest sie leidenschaftlich gerne. «Ich habe gar keine speziellen Wünsche. Ich schaue, was so besprochen wird», erklärte sie die Auswahl ihrer Lektüre. Bestsellerlisten sind für die 54-Jährige tabu und auch andere Bücher kommen ihr nicht ins Regal: «Keine Krimis und keine Science-Fiction.»

kra/knr/news.de/dpa/dapd

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