Plagiatsaffären Den Vielleicht-Doktoren auf die Finger schauen

Guttenberg, Koch-Mehrin und Stoibers Tochter: Wer einen Blick in die skandalumwitterten Dissertationen werfen möchte, kann das in der Nationalbibliothek Frankfurt und Leipzig tun. Ein großer Ansturm auf Doktorarbeiten blieb jedoch bislang aus.

Guttenberg (Foto)
Trotz Guttenbergs Plagiatsaffäre: Der Ansturm auf Doktorarbeiten in der Nationalbibliothek bleibt aus. Bild: dapd

Kein gesteigertes Interesse: Die Nachfrage nach Doktorarbeiten ist an der Deutschen Nationalbibliothek im Zuge der Plagiatsaffären nicht gestiegen. Das bestätigte Stephan Jockel, Sprecher der Deutschen Nationalbibliothek dem Nachrichtenportal news.de. Demnach werde nach wie vor eine gleichbleibende Anzahl an Dissertationen ausgeliehen. «Eine Steigerung seit Beginn der öffentlichen Beschäftigung mit Plagiaten in Doktorarbeiten können wir bislang nicht beobachten», sagt Jockel.

Ganz Deutschland war Anfang des Jahres in Aufruhr geraten, als bekannt wurde, dass Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seine Doktorarbeit gefälscht haben soll. Eigene Communities gründeten sich im Internet, um den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen. Doch der Ansturm auf die Doktorarbeit in den Bibliotheken blieb bisher weitestgehend aus.

Plagiatsvorwurf: Hier hat Guttenberg abgeschrieben

In den Deutschen Nationalbibliotheken in Leipzig und Frankfurt/Main gibt es zwar derzeit eine Warteliste mit drei Benutzern für die Guttenberg-Arbeit. Einen Zusammenhang des gestiegenen Interesses an Politiker-Dissertationen könne man laut Jockel jedoch lediglich vermuten. Um tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Medienaufmerksamkeit und dem Nachfrageverhalten in der Bibliothek nachzuweisen, seien größere Fallzahlen notwendig, sagt der Sprecher.

Auch Merkel und Westerwelle wenig interessant

Wer einen Blick in die skandalumwitterte Arbeit werfen möchte, muss sich in der Bibliothek vormerken lassen und darf die Arbeit auch nicht mit nach Hause nehmen. «Die Deutsche Nationalbibliothek ist eine Präsenzbibliothek, das heißt, die Bestände können nur direkt vor Ort im Lesesaal benutzt werden», sagt Jockel. Damit sollen eine hohe Verfügbarkeit und ein guter Bestandsschutz sichergestellt werden. Wer sich für ein Dokument vormerken lässt, darf es zwei Wochen lang im Lesesaal vor Ort nutzen. Danach wandert es zurück ins Magazin und ist wieder für jedermann zugänglich.

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Video: mat/news.de/Unitec

Insgesamt 26 Millionen Medieneinheiten von der CD bis zum Buch umfassen die beiden Standorte der Deutschen Nationalbibliothek. Neben der Arbeit von Guttenberg liegen zum Beispiel auch die Dissertationen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP), Ursula von der Leyen (CDU), Wolfgang Schäuble (CDU), Kristina Schröder (CDU) und Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) aus. Die zuletzt ins Visier der Plagiat-Detektive geratene Arbeit der FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin steht den Bibliotheksbesuchern ebenfalls zur Verfügung. Eine gestiegene Nachfrage ließe sich laut Jockel aber auch hier nicht ausmachen.

Aktuell steht Koch-Mehrin jedoch erneut im Kreuzfeuer wegen ihrer Doktorarbeit. Auf mehr als einem Viertel der Seiten soll die Abgeordnete Quellen nicht richtig angegeben haben, schreibt die Internetplattform VroniPlag Wiki in einem Bericht. Koch-Mehrin selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Witze über Guttenberg: Hohn, Spott und Gesang
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bjm/ivb/news.de

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