Kampf um Libyen Der Nato gehen die Bomben aus

Nato geht die Munition aus (Foto)
Nicht genügend Munition für den Libyen-Einsatz: Kampfflugzeuge auf dem Flugzeugträger «Charles De Gaulle». Bild: dpa

Vier Wochen nach Beginn der Luftangriffe fehlt es dem Militärbündnis offenbar an Präzisionsmunition. Gaddafi soll dagegen mit geächteten Streubomben auf Rebellen und Zivilisten feuern. Die Aufständischen fordern eine Verstärkung der alliierten Angriffe.

Die Welle des Zorns

Nach Informationen der Washington Post gehen der Nato die Präzisionsbomben aus. Das zeige die eingeschränkte Fähigkeit der Franzosen, Briten und anderer Europäer auch zu einem relativ begrenzten Militäreinsatz, schreibt das Blatt unter Berufung auf Nato-Offiziere. Es mangele in Europa an Munition, aber auch an einsatzfähigen Flugzeugen. Militärs stellten deshalb die Frage, ob sich die USA weiter so in dem Konflikt zurückhalten könnten.

Die Lage in der seit Wochen belagerten, drittgrößten libyschen Stadt Misurata wird immer verzweifelter. Auch am Samstag nahmen sie die Gaddafi-Truppen unter Artilleriebeschuss, Panzer und Heckenschützen waren ebenfalls im Einsatz. «Gaddafi versucht Misurata so schnell wie möglich einzunehmen, bevor die Nato mit Bodentruppen kommt», sagte ein Bewohner in einer Audio-Botschaft, die über das Internet verbreitet wurde. «Wenn nicht bald etwas geschieht, wird die Lage noch schlimmer», fügte er hinzu.

Libyen
Der Kampf gegen Gaddafi

«Alle Menschen sind gegen Gaddafi», hieß es weiter in der Botschaft, «aber er hält sie mit Gewalt, Waffen, Heckenschützen und der Kontrolle über die Medien nieder.» Man schätze, was die Nato bisher für die Menschen in Libyen geleistet habe, ließ die Audio-Botschaft einen anderen Bewohner zu Wort kommen, «aber sie muss noch mehr tun».

In Misurata ist die Zivilbevölkerung nicht nur den brutalen Angriffen der Gaddafi-Streitkräfte ausgesetzt. Sie ist auch weitgehend von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten. In den Krankenhäusern, die hunderten schwer verletzten Bewohnern helfen müssen, mangelt es an Medikamenten und chirurgischem Bedarf.

Gaddafi setzt auf Streubomben

Die Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi setzen derweil nach Angaben von Menschenrechtlern die weltweit geächtete Streumunition in der Nähe von Wohngebieten ein. Der Westen macht den Rückzug Gaddafis zur Bedingung für ein Ende der Militäroperation. Russland warnte, diese Forderung gehe über das UN-Mandat für den Libyeneinsatz hinaus.

In der Nacht zum Donnerstag seien mindestens drei Granaten mit Streumunition über der umkämpften Stadt Misurata explodiert, berichtete Human Rights Watch in New York. Experten hätten die von einem New York Times-Reporter entdeckte Munition begutachtet und als Mörsergranaten aus spanischer Produktion identifiziert.

Streumunition sind Bomben oder Granaten, die sich über dem Gefechtsfeld öffnen und zahlreiche kleinere Sprengsätze niederregnen lassen. US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte in der New York Times den Einsatz der Streumunition. «Ein Grund, warum der Kampf in Misurata so schwierig ist, ist, dass es auf so engem Raum bebaut ist. Alles spielt sich in den Wohngebieten ab und das macht es für die Nato und für die Kämpfer gegen Gaddafi so kompliziert.» Sie hatte noch nicht vom Einsatz der Streumunition gewusst. «Aber bei Oberst Gaddafi und seinen Leuten wundert mich nichts mehr.»

Der Diktator müsse «weg und zwar für immer», schrieben US-Präsident Barack Obama, der britische Premier David Cameron und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy in einem gemeinsamen Zeitungsbeitrag. «Solange Gaddafi an der Macht ist, müssen die Nato und ihre Koalitionspartner ihre Operationen weiterführen, so dass Zivilisten geschützt bleiben und Druck auf das Regime aufgebaut wird», so die Politiker in dem Beitrag für die britische Times, den französischen Figaro und die International Herald Tribune. Gaddafi ließ sich derweil in Tripolis feiern. Das Staatsfernsehen zeigte, wie er mit Schlapphut und Sonnenbrille in einem Autokonvoi durch die Straßen fuhr.

Obama, Sarkozy und Cameron betonten weiter, die Welt würde sich eines «skrupellosen Verrats» schuldig machen, würde Gaddafi an der Macht bleiben. Auch eine Waffenruhe mit einem Ausstiegsszenario für Gaddafi, das Mitglieder seiner Familie in Libyen an der Macht belasse, sei nicht akzeptabel. «Es ist undenkbar, dass jemand, der sein eigenes Volk massakrieren wollte, eine Rolle in einer künftigen Regierung spielt.» Damit der Übergang funktioniere, «muss Gaddafi weg, und zwar für immer».

Brüderle will mit Gaddafi-Geldern helfen

Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) regte derweil an, die in Deutschland eingefrorenen Gelder des Gaddafi-Regimes für die Bezahlung von humanitären Lieferungen zu verwenden. Das gehe aus einem Vermerk Brüderles hervor, in dem die Summe auf den gesperrten deutschen Konten mit sechs Milliarden Dollar (4,15 Mrd Euro) beziffert wurde, berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel. Die Maßnahme müsste im Einklang mit anderen EU-Ländern erfolgen. Völkerrechtlich spreche nichts dagegen, dass die EU der libyschen Regierung das Geld per Erlass entziehe, meinte Brüderle.

zij/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (13) Jetzt Artikel kommentieren
  • Brasilaner
  • Kommentar 13
  • 14.05.2011 15:08

Es ist schon eine Ironie in Afghanistan werden die Taliban die man früher unterstützte nun bekämpft. In Lybien so ist bekannt kämpfen Taliban auf Seiten der verschiedenen Rebellengruppen -die von den USA/Nato unterstützt werden sollte dies Koalition siegen kämpfen dann die Taliban wieder gegen US/Natotruppen- der Wahnsinn hört so lange nicht auf wie es den USA,Frankreich ect nur um eigene geostrategische Interessen und das Öl geht. Auch wird immer irgenwo etwas am zündeln gehalten der militärisch-industrielle Komplex verdient dabei gut.Brasilien, China und auch Russland halten sich da heraus .

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  • Egon Buchholz
  • Kommentar 12
  • 17.04.2011 16:32

Hier kann man ganz deutlich die Machenschaften unserer sogenannten Pressefreiheit erkennen.Diese Mediemacher verschweigen uns hier wieder einmal den wirklichen Grund dieser sogenannten Revolution. Es geht hier nicht um die Freiheit eines Volkes,sondern um eine neue Art um an den großen Futternapf (Erdöl) zu kommen.Da muß Gadafi natürlich erst einmal verschwinden. Genutzt werden die Rebellionen in Ägypten und Tunesien.In diesen Ländern geht es aber nur um die Nahrungsmittel,die so teuer geworden sind,daß der kleine Mann von der Straße sie nicht mehr bezahlen kann.

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  • WUESTENFUCHS
  • Kommentar 11
  • 17.04.2011 08:56

DIE ZWEI KRIEGTREIBENDEN NATOMITGLIEDER, SUCHEN GUTE GRÜNDE UM GEGEN GADAFFI MIT NATO BODENTRUPPEN VORGEHEN ZU KÖNNEN. DIESE BEIDEN NATO- STAATEN HABEN DOCH DIE REBELLEN ERMUTIGT, GEGEN GADAFFI ZU KÄMPFEN. DIE REBELLEN HATTEN PLÖTZLICH ZWEI KAMPFHUBSCHRAUBER UND WAREN BIS AN DIE ZÄHNE BEWAFFNET. ES SOLLEN SICH UNTER DEN REBELLEN AUCH TALIBANKÄMPFER BEFINDEN. ERST WERDEN DIESE GRUPPEN MIT WAFFEN VERSORGT, DAMIT DIESE SPÄTER IM WESTEN ANSCHLÄGE VERÜBEN KÖNNEN. DIE NATO WAR BISHER DER GARANT FÜR FRIEDEN IN EUROPA. WAS HEUTE DIE NATO TREIBT,IST EINFACH BESCHÄMEND. AUSTRITT, JETZT!!!

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