Kampf um Libyen Luftangriffe auf Tripolis

Libyen (Foto)
Die Kämpfe halten weiter an: Ein libyscher Rebelle an mit Flakgeschütz. Bild: ap

Während in Berlin über die Zukunft Libyens gesprochen wird, soll das Militärbündnis massive Bombardements auf Tripolis geflogen haben. Dem libyschen Machthaber Gaddafi stellt die Nato erstmals klare Bedingungen für ein Ende ihrer Luftschläge.

Die Welle des Zorns

Alle Angriffe und Angriffsdrohungen gegen Zivilisten müssten aufhören, andernfalls werde das «hohe Einsatztempo» aufrechterhalten, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Donnerstag bei einem Treffen der Nato-Außenminister in Berlin. «Wir werden nicht untätig zusehen, wie ein diskreditiertes Regime sein eigenes Volk mit Granaten, Panzern und Scharfschützen angreift.» Gleichzeitig wies Rasmussen Kritik am Verlauf des Einsatzes zurück.

Für ein Ende der Nato-Luftschläge stellte Rasmussen insgesamt drei Bedingungen. Neben der Schonung der Zivilisten müssten sich alle Streitkräfte einschließlich Heckenschützen, Söldnern und anderen paramilitärischen Milizen nachprüfbar zurückziehen. Ferner müsse das Regime für humanitäre Hilfsleistungen an alle Bedürftigen im Lande ungehinderten Zugang gewähren. Die 28 Außenminister der Allianz forderten auch eine «transparente politische Lösung». Dies sei der einzige Weg für einen dauerhaften Frieden.

Libyen
Der Kampf gegen Gaddafi
Gaddafi bei Festnahme getötet (Foto) Zur Fotostrecke

Die Aufständischen in Libyen sollen für den Kampf gegen die Gaddafi-Truppen angeblich moderne Waffen aus dem Ausland erhalten haben. Das Regime in Tripolis wirft dem Golfemirat Katar eine Aufrüstung der Rebellen in Bengasi mit Panzerabwehrwaffen vor. Die Katarer hätten nicht nur Raketen des Typs «Milan» geliefert, sondern auch Militärberater nach Ost-Libyen geschickt, sagte Vize-Außenminister Chalid al-Koeim in Tripolis. Aus Katar gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Behauptungen.

Augenzeugen sagten berichteten telefonisch, in einem Militärlager am Rande der ostlibyschen Stadt Tobruk seien am Donnerstag etwa 35 Offiziere aus Katar eingetroffen. Der Übergangsrat der Aufständischen in Bengasi wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußert.

Nato fliegt Angriffe auf Tripolis und Sirte

Unterdessen erschütterten mehrere Explosionen die libysche Hauptstadt Tripolis. Nach den Detonationen hätten Flugabwehrgeschütze das Feuer erwidert, sagte ein Bewohner eines westlichen Vororts von Tripolis. Es habe sich offenbar um Kampfflugzeuge der Nato gehandelt. In einem südöstlichen Teil der Stadt sei Rauch aufgestiegen, sagte er.

Die Nato bestritt zunächst, Ziele in Tripolis angegriffen zu haben. «Wir können bestätigen, dass Flugzeuge heute Nachmittag eine Batterie von SA-2 Flugabwehrraketen 40 Kilometer südlich von Tripolis getroffen haben», sagte eine Sprecherin. Die Nachricht des libyschen Staatsfernsehens sei «eine eindeutige Falschinformation, wie wir sie in diesem Jahr schon mehrere Male erlebt haben».

Später erklärte nach Angaben des ZDF dagegen ein Offizieller, dass Nato-Piloten offenbar auch Ziele nahe des Stadtzentrums getroffen hätten: «Wir haben keine exakten Details».

Die Nato teilte außerdem mit, sie habe in den vergangenen 24 Stunden 153 Lufteinsätze geführt. Dabei habe die Allianz 13 Bunker, einen Panzer und einen Schützenpanzer in der Gegend von Tripolis getroffen. Im Gebiet um die Stadt Brega seien drei Raketenwerfer zerstört worden.

Dagegen haben libysche Regierungstruppen die von Rebellen gehaltene Stadt Misrata unter Beschuss genommen und nach Angaben eines Arztes mindestens 13 Menschen getötet. Bei den Toten handele es sich ausschließlich um Zivilpersonen, sagte der Arzt. Bei dem mehrstündigen Beschuss hätten die Truppen des Machthabers Muammar al Gaddafi den Hafen von Misrata mit Panzergranaten und Grad-Raketen angegriffen, sagte ein Kämpfer der Rebellen.

Ban wirft Gaddafis-Truppen Menschenrechtsverletzungen vor

Bei einem Libyen-Treffen regionaler und internationaler Vertreter in Kairo bezeichnete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Einsätze der Gaddafi-Truppen gegen regierungsfeindliche Rebellen als Menschenrechtsverletzungen. «Das eigene Volk zu bombardieren, ist inakzeptabel», sagte er.

Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Asthon, sagte bei dem Treffen in der ägyptischen Hauptstadt, Gaddafi müsse «unverzüglich gehen». Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagte nach dem Treffen zu Journalisten: «Wir wollen eine politische Lösung in Libyen, die mit einer Waffenruhe beginnt».

Vor der Kairoer Zentrale der Arabischen Liga, in der das Treffen stattfand, kam es zu kurzen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Gaddafis. Die beiden Lager bewarfen sich auf dem Tahrir-Platz mit Steinen, mindestens einer der Demonstranten trug ein blutiges Gesicht davon.

cvd/news.de/dpa/dpad

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • alfgarfield
  • Kommentar 3
  • 17.04.2011 20:26

Wann gehen hier zu Lande endlich Menschen auf die Straße, um gegen den Krieg der NATO gegen Libyen zu demonstrieren. Stop dem Wahnsinn! Da sterben friedliebende Menschen! Gadaffi ist für diese mittler Weile das kleinere Übel geworden. Und noch etwas: Diebe sind auch Lügner. Wer der Kriegspropaganda glaubt, der macht sich mit schuldig an dem Morden und Zerstören in Libyen

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  • Lothar
  • Kommentar 2
  • 15.04.2011 07:48

Natürlich gibt es zivile Opfer in Größenordnung durch die Luftangriffe.Dies bestätigt der katholische Bischof von Tripolis.Also warum verschweigen,der Einsatz ist sowieso aus dem Ruder gelaufen.Zivilisten zählen auch bei der NATO nichts mehr ,es geht nur noch um Gesichtswahrung und den Sturz Gaddafis-egal wie.

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  • ingo
  • Kommentar 1
  • 14.04.2011 22:29

Natürlich steitet die Nato alles ab, was soll die Nato sonst sagen ausser "Zitat: « Wir sind bei der Zielauswahl sehr sorgsam, um die Gefahren für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten.»" Und was ist gering?

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