US-Wahl 2012 Obama prescht vor

Plötzlich ging alles ganz schnell: Amtsinhaber Barack Obama hat den nächsten US-Präsidentschaftswahlkampf eröffnet – nach nur zweieinhalb Jahren im Weißen Haus. Er ist damit der vorerst einzige Kandidat.

Obama verkündet Kandidatur für zweite Amtszeit (Foto)
Will es noch einmal wissen: US-Präsident Barack Obama hat schon jetzt seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verkündet. Bild: dpa

US-Präsident Barack Obama ist ein Mann der symbolischen Auftritte. Selbst das Datum, an dem er seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit im Weißen Haus ankündigte, wählte er ganz bewusst. Wann auch sonst als am 4. 4. sollte sich der 44. Präsident der Vereinigten Staaten zur Wiederwahl stellen?

Mit seinem überraschenden Vorpreschen 19 Monate vor dem Urnengang im November 2012 hat der Demokrat schon kurz nach der Halbzeit seiner Amtsperiode den Wahlkampf offiziell eröffnet - und damit die Opposition kalt erwischt. Die Konservativen haben noch keinen einzigen Bewerber im Rennen.

Der teuerste Wahlkampf aller Zeiten

«Die republikanischen Kandidaten sind in 2012 in der selben Position wie 2008: Sie jagen Obama», sagt der Wahlkampfexperte Anthony Corrado in der USA Today.
Zumindest beim Sammeln von Wahlkampfspenden, das erst nach dieser formellen Ankündigung erlaubt ist, hat Obama damit die Nase vorn. Die gewaltige Summe von einer Milliarde Dollar, umgerechnet knapp 700 Millionen Euro, wolle er aufbringen, schätzen Experten. So teuer war ein noch Wahlkampf nie.

US-Präsident Obama: Barack, der Superstar

Doch anders als im Februar 2007, als Obama seine Kandidatur vor jubelnden Anhängern mit einer staatstragenden Rede in Springfield (Illinois) erklärte, beschränkte sich der Staatschef diesmal auf eine spartanische E-Mail. «Das Rennen kommt vielleicht erst in einem Jahr oder später in voller Fahrt; die Arbeit, um das Fundament für unsere Kampagne zu legen, muss heute beginnen», schreibt er.

Auf seiner Internetseite ist Obama nicht einmal zu sehen oder zu hören. Ein Video, das die Machart cooler Werbespots der Computerfirma Apple hat, lässt nur seine Unterstützer zu Wort kommen. Ed aus North Carolina darf sagen, dass er zwar nicht in allem mit dem Präsidenten einer Meinung sei. «Aber ich respektiere ihn und vertraue ihm». Zwischendurch blitzen ur-amerikanische Motive auf. Die US-Flagge an der Veranda, eine Kirche, Kinder spielen mit einem Hund.

Obama als Mann des Volkes

Der Slogan für den Frühstart heißt: «Es beginnt mit uns». Die Strategie ist klar: Obama, den Kritiker für nicht besonders bürgernah halten, gibt sich als Mann des Volkes. Damit richtet er sich eindeutig gegen die Basisbewegung der Republikaner. Die sogenannte Tea Party schickt sich an, mindestens zwei eigene Kandidaten ins Präsidentenrennen der Republikaner zu schicken.

Deren Fähigkeit, das Volk mit populistischen Slogans zu erreichen, dürfte Obamas größte Gefahr sein. Muss er doch im auch Wahlkampf präsidiale Würde beweisen und seine Politik erklären statt wie vor vier Jahren den Wandel (Change) zu propagieren. Kein Wunder, dass Obama eine Katherine aus Colorado in seinem Film sagen lässt, dass er keine Show mache wie andere Politiker. Damit können eigentlich nur Sarah Palin oder Newt Gingrich von den Republikanern gemeint sein.

Ob Obamas Frühstart seine Chancen wirklich steigen lässt, muss sich aber erst noch zeigen. Seine derzeitigen Umfragewerte lassen zweifeln - auch sie sinken in Richtung auf Obamas symbolische Zahl 44. Nur noch 46,5 Prozent der Wähler sind mit seiner Politik zufrieden, ermittelte das Onlineportal Real Clear Politics als Durchschnitt aus aktuellen Umfragen. Anfang des Jahres lag der Wert noch bei mehr als 50 Prozent. Der Militäreinsatz in Libyen und die gewaltigen Schulden der öffentlichen Haushalte drücken dem Volk aus Gemüt.

It`s the economy, stupid

Zum Vergleich: Als sein Vorgänger George W. Bush 2004 seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit erklärte, lag die Zustimmung bei 71 Prozent. Doch Bill Clinton mit 44 Prozent und Ronald Reagan mit nur 41 standen zu vergleichbaren Zeitpunkten noch schlechter da - und schafften es trotzdem erneut ins Weiße Haus.

Entscheidend ist nach einhelliger Expertenmeinung, wie sich bis zur Wahl am 6. November 2012 die Wirtschaftslage entwickelt. Die USA scheinen zwar die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg allmählich überwunden zu haben. Doch die Arbeitslosenquote ist bislang von 9,8 auf 8,8 Prozent gefallen – keine spektakuläre Bilanz. In der Geschichte wurde noch nie ein Präsident wiedergewählt, in dessen Amtszeit mehr als 7,5 Prozent der Bürger ohne Job waren.
«Wir wussten immer, dass der nachhaltige Wandel niemals schnell oder einfach kommen würde. Das tut er nie», schreibt Obama in der E-Mail an seine Unterstützer. Wer echten Change will, der muss vier Jahre mehr Zeit gewähren, soll das wohl heißen.

cvd/bas/news.de/dpa

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