Ai Weiwei China lässt berühmten Künstler verschwinden

 Ai Weiwei (Foto)
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat mit Sorge auf die Festsetzung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei in Peking reagiert. Bild: dapd

Er gilt als einer der schärfsten Kritiker der chinesischen Regierung: Der Künstler Ai Weiwei wurde am Sonntag in Peking von der Grenzpolizei verhaftet. Seitdem ist er verschwunden. Deutsche Politiker fordern die sofortige Freilassung.

Der berühmte chinesische Gegenwartskünstler Ai Weiwei bleibt verschwunden. Einen Tag nach seiner Festnahme auf dem Pekinger Flughafen gab es kein Lebenszeichen von ihm. Sein Mobiltelefon blieb abgeschaltet, Chinas Staatsmedien berichteten nicht über den Fall. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter riefen Freunde des regimekritischen Künstlers zu seiner Freilassung auf.

Auch in Deutschland wuchs die Sorge um Ai Weiwei: Unter anderem Bundesaußenminister Guido Westerwelle und die Akademie der Künste in Berlin forderten Chinas Regierung auf, den Künstler freizulassen. Amnesty International sprach von Dreistigkeit der Behörden.

Ai Weiwei war am Sonntag von der Grenzpolizei festgenommen worden. Die Polizisten hätten ihm erklärt, er habe «andere Sachen» zu erledigen und könne seinen Flug nicht antreten, sagte eine Mitarbeiterin des Künstlers. Ai Weiwei wollte am Sonntag nach Hongkong fliegen. Am 29. April wollte er außerdem eine Ausstellung in Berlin eröffnen.

Der 53-Jährige hatte kürzlich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt, er wolle ein neues Studio in Berlin eröffnen, auch weil er in Peking immer stärker am Arbeiten gehindert werde. Der Künstler hat Deutschland bereits häufiger besucht.

Mehr als 200 Aktivisten unter Arrest

Die chinesische Polizei hatte sein Studio in Peking durchsucht und acht Mitarbeiter auf eine örtliche Polizeistation gebracht. Sie wurden am Sonntag zu später Stunde wieder freigelassen. Das Studio wurde von der Polizei abgesperrt, rund 30 Computer wurden beschlagnahmt, sagten Mitarbeiter.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation China Human Rights Defenders in Hongkong stehen mehr als 200 Aktivisten unter «einer Art Hausarrest», seit Mitte Februar in China zu «Jasmin»-Kundgebungen aufgerufen wurde. Damit hatten sie auf die «Jasmin-Revolution» in diesem Jahr in Tunesien angespielt.

Scharfe Kritik an der Festnahme äußerte Amnesty International in London. Es sei beängstigend darüber nachzudenken, wie die Behörden mit weniger bekannten Dissidenten umgingen, «wenn sie so dreist sind, sich diesen weltberühmten Künstler bei hellem Tageslicht auf dem Flughafen Peking zu schnappen», erklärte Amnestys Asien-Pazifik-Direktor Sam Zafiri. Es gebe offenkundig keinen Grund für die Festnahme - außer den, dass Chinas Behörden die Botschaft übermitteln wollten, dass die Zeit für offenen Widerspruch im Lande zu Ende sei.

Ai Weiwei genießt wegen seiner Kunstwerke und Installationen international hohes Ansehen. Als künstlerischer Berater war er auch an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking beteiligt.

Westerwelle appelliert an chinesische Regierung

Bundesaußenminister Westerwelle erklärte, er habe «mit großer Sorge» von der Festnahme erfahren. «Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder frei kommt», erklärte Westerwelle, der erst vor wenigen Tagen Peking besucht hatte. Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte seine Freilassung.

Auch die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin wandten sich in «großer Sorge» um Ai an den chinesischen Botschafter in Deutschland, Wu Hongbo. Von dem Künstler fehle jede Spur, beklagten die Politiker. In einem Brief an den Diplomaten verlangten sie Aufklärung über den «derzeitigen Verbleib von Ai Weiwei und die Gründe für seine Verhaftung». Eine grundlose Festnahme und Beschneidung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung sei strikt abzulehnen.

Auch aus dem Berliner Abgeordnetenhaus kam scharfe Kritik. Der kulturpolitische Sprecher und Vize-Vorsitzende der CDU-Fraktion, Michael Braun, kündigte an, der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses werde eine Protestnote an die chinesische Botschaft schicken. «Kunst ist frei. Auch die chinesische Regierung muss lernen, damit umzugehen», mahnte Braun. Er forderte den Berliner Senat auf, seine Verbindungen zu nutzen, um sich für eine Freilassung des Künstlers einzusetzen und ihm bei der Übersiedlung nach Berlin zu helfen.

Sollte Ai Weiwei nicht sofort freigelassen werden, werde die in Peking gerade eröffnete deutsche Ausstellung «Kultur der Aufklärung» eine Farce, erklärte Klaus Staeck. Die Akademie der Künste in Berlin freue sich, dass der Künstler Berlin als weiteren Arbeitsort gewählt habe. Staeck verwies auf ein Zitat Friedrich Schillers: «Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.»

kra/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heiner Gebhard
  • Kommentar 3
  • 07.04.2011 15:25

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Wie weit ist dieser Polizeistaat von den Begriffen der Aufklärung entfernt. Die Angst der herrschenden Funtionärsclique tritt immer deutlicher hervor. Ein gewaltiger Aufstand, den die meisten Founktionäre ja zu Recht befürchten, wird sie hoffentlich bald hinwegfegen. Ich hoffe sehr auf die Kraft und den Mut des chinesischen Volkes. Es lebe der Widerstand der unterdrückten Geister, Es lebe der Geist der Aufklärung!

Kommentar melden
  • Brasilaner
  • Kommentar 2
  • 07.04.2011 15:02

Über den Kommentar 1 sollte man schon nachdenken,man muss auch die Frage stellen ob die Masse des Volkes Chinas unzufrieden mit der Entwicklung ihres Lebens ist. Die chinesische Führung geht längst Wege die nichts mit Kommunismus zu tun haben man sucht nach anderen Lösungen und ein übergrosser Teil partizipiert davon. Das der Staat keine Situation zulässt die in diesem Millionenreich zum Chaos führt dürfte wohl verständlich sein über die Methoden kann man unterschiedlicher Meinung sein. Was die BRD betrifft so werden auch Dissidenten hinter Gitter gebracht - Anklagepunkt Volksverhetzung - ????

Kommentar melden
  • Immerzu
  • Kommentar 1
  • 05.04.2011 06:51

Westerwelle, Künast, Trittin etc. sind in «großer Sorge» um das verschwinden von Weiwei. Haben die keine anderen Probleme in Deutschland dass sie sich immer in andere Länder einmischen müssen. Er hat gewusst wie es um ihn steht und ist trotzdem provokatorisch nach China geflogen. Ein Staat mit mehr als Milliarde Menschen muss "Denkern" wie ihm schon Einhalt gebieten. Wie ist es denn bei uns mit Menschen anderer Meinungen... wie z.B. Möllemann oder Sarazzin. Es ist nicht auszudenken, wenn solche "Freiheitskämpfer" wie wir sie in Nordafrika zur Zeit sehen ein Land wie China ins Kaos führen.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig