Proteste in Syrien
«Gott, Syrien, Freiheit und sonst nichts»

Syriens PrĂ€sident Assad hat den Demonstranten gedroht. Doch die Opposition und die nach Revolution dĂŒrstende Jugend lassen sich nicht einschĂŒchtern. Wieder gingen Tausende auf die Straße, um fĂŒr Demokratie zu demonstrieren.

AnhÀnger des syrischen Machthabers Assad demonstrieren in Beirut. Bild: dpa

Die Protestwelle in Syrien ebbt trotz der jĂŒngsten DrohgebĂ€rden von PrĂ€sident Baschar al-Assad nicht ab. Am Freitag gingen nach dem Gebet in der Moschee wieder Tausende auf die Straße, um bĂŒrgerliche Freiheiten und die Achtung der Menschenrechte einzufordern. Die Demonstrationen in der Hauptstadt Damaskus, in Deir al-Sor, Homs, Kamischli, Amuda, Latakia und Daraa wurden von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Zwölf Tote waren nach Angaben von BĂŒrgerrechtlern zu beklagen.

Nach Angaben von Oppositionellen lies die Polizei die Demonstranten in einigen StĂ€dten gewĂ€hren. In einigen Ortschaften sei es jedoch zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit den SicherheitskrĂ€ften und mit regierungsnahen SchlĂ€gertrupps gekommen, hieß es. Gewalt wurde unter anderem aus einem Dorf in der NĂ€he der Stadt Homs gemeldet. Dort sollen Regimegegner in einer Moschee den Prediger von der Kanzel geholt haben, weil dieser in seiner Predigt PrĂ€sident Baschar al-Assad gelobt hatte. Aus Daraa berichteten Augenzeugen, die Polizei habe Demonstranten mit TrĂ€nengas auseinandergetrieben.

FOTOS: Ägypten Der Aufstand der UnterdrĂŒckten

Die Demonstranten riefen «Gott, Syrien, Freiheit und sonst nichts» und «Mit unserer Seele und unserem Blut opfern wir uns fĂŒr die, oh Daraa». In der Stadt Daraa hatte es in den vergangenen Wochen bei Ausschreitungen die meisten Todesopfer gegeben.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete unterdessen, PrĂ€sident Baschar al-Assad habe angeordnet, dass ein von ihm beauftragtes Komitee bis zum 25. April einen Vorschlag fĂŒr die Aufhebung des Ausnahmezustandes machen solle. Bis zum 15. April solle eine Gruppe von Juristen eine Lösung fĂŒr «das Problem der Einwohnerstatistik der Provinz Hasaka im Jahr 1962» vorschlagen. Damals war rund 120.000 syrische Kurden die StaatsbĂŒrgerschaft entzogen worden, mit der BegrĂŒndung sie seien aus der TĂŒrkei illegal nach Syrien eingewandert. Diese Kurden und ihre Nachkommen sind seither staatenlos.

Assad hatte am Mittwoch eine Rede vor dem Parlament gehalten, die von der Opposition mit Entsetzen aufgenommen worden war, weil er weder die Verantwortung fĂŒr die Gewalt gegen Demonstranten ĂŒbernahm noch demokratische Reformen ankĂŒndigte.

Der GeneralsekretĂ€r der oppositionellen Muslimbruderschaft, Riad al-Schafka, sagte am Freitag in Istanbul auf die Frage, weshalb die Protestwelle in Daraa begonnen habe: «In der Stadt Daraa schrieben einige SchĂŒler im Alter zwischen 10 und 14 Jahren den Slogan der arabischen RevolutionĂ€re in anderen LĂ€ndern auf HĂ€userwĂ€nde: <Das Volk will den Sturz des Regimes>. Daraufhin wurden diese Kinder festgenommen und schlimm gefoltert.» Als dann einige Bewohner der Stadt auf die Straße gingen, um ihre Freilassung zu fordern, sei auf sie geschossen worden. Menschenrechtsgruppen schĂ€tzen, dass seit Beginn der Proteste vor zweieinhalb Wochen mehr als 100 Menschen getötet worden.

Die Muslimbruderschaft gilt als die am besten organisierte Kraft der syrischen Opposition. Sie ist in Syrien verboten. Ihre FĂŒhrung lebt im Exil. Al-Schafka rechnet mit einer Eskalation der Lage in Syrien in den kommenden Tagen. Er sagte, die Mitglieder seiner Organisation seien an dem «Volksaufstand» in Syrien nicht direkt beteiligt, «aber unsere AnhĂ€nger sind Teil dieses Aufstandes».

Journalisten durften am Freitag nicht ĂŒber die Proteste berichten. Die syrischen Behörden verwiesen Sirin Payzin, eine Journalistin des tĂŒrkischen TV-Senders CNN TĂŒrk, des Landes. Das berichtete der Sender am Freitag. Anderen auslĂ€ndischen Journalisten wurde gesagt, sie dĂŒrften Damaskus nicht verlassen.

knr/news.de/dpa

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