Liveticker zur Wahl Ausschreitungen am Stuttgarter Hauptbahnhof

Die Katastrophe für die CDU ist perfekt: In Baden-Württemberg verliert sie die Macht - wahrscheinlich an die Grünen. Und auch in Rheinland-Pfalz reicht es für die Union nicht. Kracht es jetzt in der schwarz-gelben Koalition? News.de berichtet aus Stuttgart und Berlin.

Ausschreitungen am Stuttgarter Hauptbahnhof (Foto)
Proteste: Gegner des Bahnprojekts «Stuttgart 21» reissen  am Nordflügel des Hauptbahnhofs einen Bauzaun nieder. Bild: ddp

Schwarz-gelbes Chaos: Was bedeuten die Wahlausgänge für die Berliner Koalition? Fest steht: Es wird Diskussionen geben. Aber mit Antworten halten sich die Beteiligten noch zurück. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagt nur, dass sich die Frage einer Kabinettsumbildung «jetzt nicht stellt». Und sein Amtskollege von der FDP, Christian Lindner, ist sich sicher, dass die Liberalen die Wahl «unter der Führung von Guido Westerwelle» analysieren werden. Doch hinter verschlossenen Türen wird es lauter werden. Morgen tagen in Berlin die Parteigremien. Dann beginnt die politische Aufräumarbeit wirklich.

22.45 Uhr – Nervöse Ruhe beim Nordflügel: Die Polizei ist weg – und auch die Demonstranten verlaufen sich zusehends. Am Stuttgarter Hauptbahnhof herrscht gespannte Ruhe. Noch sind hier und da Trillerpfeifen zu hören, einige hundert Menschen stehen noch auf dem Gelände herum. Wird die Polizei die Baustelle in der Nacht räumen lassen? Im Moment gibt es nur Gerüchte.

22 Uhr – Polizeieinsatz am Bahnhof: Nachdem auf der Videowand am Königsplatz verwackelte Bilder von Polizisten und Demonstranten am Bahnhof zu sehen waren, sind tausende Menschen zum Bahnhof gerannt. Stuttgart-21-Gegner haben einen Bauzaun niedergerissen, die Menschen stehen auf der Baustelle zwischen Baumaschinen herum. Um den Platz sammelt sich die Polizei, Blaulichter flackern. Etwa eine halbe Stunde ist die Stimmung äußerst angespannt. Dann rückt die Polizei plötzlich ab. Noch ist unklar, wie es weitergeht.

20.30 Uhr - Offenes Rennen: Im Fernsehen streiten die Politiker, in den Wahllokalen zählen die Helfer die letzten Stimmen. Noch ist nicht alles entschieden. Auch die Stimmenverteilung zwischen Grünen und SPD ist noch nicht geklärt. Wer ist Koch? Wer ist Kellner? Für CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat gerade die SPD keinen Grund für großen Jubel. «Sie haben das schechteste Ergebnis in ihrer Geschichte. Das Verhältnis hat sich umgedreht.»

Landtagswahl: Freud und Leid

20 Uhr - Lockerheit kommt zurück: Armin Schuster, CDU-Mitglied des Bundestags aus Baden-Württemberg, sieht das Wahlergebnis seiner Partei nicht sehr kritisch. «Es ist längst nicht so dramatisch, wie es diskutiert wird», sagt er zu news.de. Der Blick auf den Partner, die FDP, mache ihm mehr Sorgen. Die Wahl sei sehr stark emotionalisiert gewesen und ohne Sachargumente. «Jedoch kommt die CDU über Sachargumente.» Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte seiner Meinung nach von innerparteilicher Kritik verschont werden. «Es ist niemand da, der annähernd ihr Niveau und ihre Leidenschaft bringt», sagt Schuster.

19.35 Uhr - Alle zeigen Reue: Bei den CDU-Wahlpartys herrscht Untergangsstimmung. Aber Noch-Kultusministerin Marion Schick gibt sich gefasst: «Das Wahlergebnis ist eine klare Äußerung des Wählers, die wir uns zu Herzen nehmen werden», sagt sie. Eine entscheidende Rolle habe ganz sicher das Thema Atomkraft gespielt. So sieht das auch Generalsekretär Hermann Gröhe. In Berlin sagt er: «In den kommenden Wochen werden wir zeigen, dass wir die Sorgen der Menschen sehr ernst nehmen.»

19.12 Uhr - Sündenbock gefunden: Stefan Mappus ist wieder auf Sendung. In der Elefantenrunde kündigt er an, morgen Abend über die «personelle Erneuerung» der Landes-CDU zu sprechen. Tritt er also zurück? Auf die konkrete Nachfrage will er sich noch nicht äußern. Aber er übernehme die volle Verantwortung. Dann tritt er vor den Landtag. Dort warten seine Anhänger. «Das ist ein bitterer Tag für mich, für die CDU und
für Baden-Württemberg», sagt er.

19.00 Uhr - Düpierter Verlierer: Stefan Mappus (CDU) tritt vor die Kameras. Er ist Ministerpräsident auf Abruf und tief getroffen. Seine kurze Amtszeit ist Geschichte. Das sieht offenbar auch das ZDF so. Kaum hat Mappus ein paar Worte zur Erklärung abgegeben, da schneidet ihm der Sender das Wort ab und blendet ihn wieder aus. Andere Politiker sind jetzt wohl interessanter.

Landtagswahlen: Jede Stimme zählt

18.55 Uhr - der Wahlsieger tritt auf: Unter tosendem Applaus betritt Winfried Kretschmann die Bühne im Stuttgarter Kunstverein. «Wir haben die historische Wende in diesem Land erreicht», sagt der Spitzenkandidat, «jetzt werden wir einen Politikwechsel einleiten.» Das Land solle umgestaltet werden in eine grüne Richtung. Die Anhänger sind begeistert, skandieren «jetzt geht’s los», und «oben bleiben, oben bleiben» - den Slogan der Stuttgart-21-Gegner.

18.44 Uhr - CDU in Gegenoffensive: Peter Altmeier ist der erste aus der Führungsmannschaft, der sich im Konrad-Adenauer-Haus zeigt. Der Parlamentarische Geschäftsführer bemüht sich um Schadensbegrenzung. «Wir sind in Baden-Württemberg klar stärkste Kraft», sagt er. Dass es zum Regieren nicht reicht, sei leider nicht zu ändern. Warum? «Wegen unvorhersehbarer Ereignisse», meint Altmeier.

18.30 Uhr - Euphorische Stimmung: Die Luft im Saal des Kunstvereins könnte man in Scheiben schneiden. Die ersten fliehen auf die Terrasse. Unter einem Sonnenschirm stehen einige Mitglieder der Grünen Jugend mit breitem Grinsen im Gesicht. Sie sind die vergangenen drei Wochen mit dem Bus durch Baden-Württemberg getourt. Jetzt haben sie das Gefühl, dass sich die Anstrengung gelohnt hat. «Voll gut», meint einer. Ein anderer hofft nur noch, dass die FDP aus dem Landtag fliegt.

18.25 Uhr - Niederlage eingestanden: Der rheinland-pfälzische FDP-Spitzenkandidat Herbert Mertin hat die Wahlniederlage seiner Partei als «bittere Tatsache» bezeichnet. Die FDP habe sich in den Umfragen auf rund sieben Prozent «hochgearbeitet», sagte Mertin in Mainz. Doch dann sei es unvorhersehbar zu der japanischen Atomkatastrophe gekommen. Diese habe fortan den Wahlkampf bestimmt. Nach den ersten Prognosen fliegt die FDP aus dem Mainzer Landtag.

18.20 Uhr - Rote Häme: Für Andrea Nahles ist die Wahl in Baden-Württemberg ein «Erdbeben». Angesichts der Japan-Katastrophe kommt die Wortwahl der SPD-Generalsekretärin ein wenig komisch an. Aber bei den Sozialdemokraten regiert die Freude. Sie wollen mit den Grünen die nächste Landesregierung stellen. Wer dabei Koch und Kellner ist, muss der Abend noch zeigen. Für Nahles ist noch nichts entschieden. Beide Parteien liegen nur ein Prozent auseinander.

18.02 Uhr - Ökos im Höhenrausch: Der Jubel will kein Ende nehmen. Die Grünen fahren in beiden Ländern sensationelle Ergebnisse ein. Nicht nur in Baden-Würrtemberg ist die Freude grenzenlos. Auch die Prognose aus Rheinland-Pfalz lässt die Öko-Partei viele Freudentränen vergießen. Auch dort werden die Grünen künftig wohl mitregieren. Es
sind die beiden besten Wahlergebnisse in der Geschichte der Grünen.

18.00 Uhr - Großes Schweigen: In Baden-Württemberg ist die Union mit 38,5 Prozent die stärkste Kraft, doch für Stefan Mappus reicht es nicht. Den Verlust der Macht kommentieren die Parteifreunde im Konrad-Adenauer-Haus mit großem Schweigen. Kein Applaus, kein Murren, nur Enttäuschung. Einzig das Ergebnis von Julia Klöckner bedenken sie mit Beifall.

17.52 Uhr - Grün ist Kult: Nur noch wenige Minuten bis zur ersten Prognose - und bei den Grünen geht nichts mehr. Vor der Wahlparty der Grünen im Stuttgarter Kunstverein stehen lange Schlangen. Herein darf niemand mehr, der nicht angemeldet ist. Die Organisatoren haben mit diesem Andrang nicht gerechnet. Aber die letzten Umfragen lassen Spitzenkandidat Winfried Kretschmann plötzlich wieder als wahrscheinlichen Sieger dastehen.

17.38 Uhr - Party der Bahnhofsgegner: Auf dem Stuttgarter Schlossplatz haben die Stuttgart-21-Gegner zur großen «Mappschieds-Party» geladen. Noch verlieren sich nur etwa 200 Leute auf dem weitläufigen Platz. Auf der Bühne ist Soundcheck, daneben flimmert eine große Videoleinwand. Um kurz nach 18 Uhr werden hier die ersten Prognosen zu sehen sein – und die Aktivisten in Hochstimmung oder Depressionen stürzen.

17.20 Uhr - Spannung pur: In der Berliner Parteizentrale der Union trudeln die Parteimitglieder ein. Auf eine große Feier stellt sich hier kaum einer ein. Vor dem Haus stapeln sich Sicherheitsgitter. Es sind die Überreste der gestrigen Massendemonstration der Anti-Atomkraft-Bewegung. Laut ZDF ist für 41 Prozent der Wähler die Haltung zur Atomkraft das wichtigste Kriterium. Ein böses Zeichen?

16.55 Uhr - Die Gerüchteküche brodelt: Noch sind die Wahllokale über zwei Stunden geöffnet. Doch in Berlin wird bereits heftig spekuliert. Insbesondere in der FDP hängt der Haussegen schief. Bei einer Niederlage im Stammland könnte Guido Westerwelle über eine Kabinettsumbildung nachdenken. Das Szenario: Rainer Brüderle, der mit Indiskretionen in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt hatte, könnte seinen Posten als Wirtschaftsminister verlieren. Sein Nachfolger: Gesundheitsminister Philipp Rösler.

14.00 Uhr - Viele Demokratiefans: Angesichts der jüngsten Atomdebatte zeichnet sich eine rege Wahlbeteiligung ab. Wahlbeobachter melden volle Wahllokale. In beiden Ländern liegt die Beteiligung deutlich über dem Schnitt der Landtagswahlen von 2006. Vor allem die CDU im Ländle hofft auf ein Mobilisierungswunder in den eigenen Reihen. Immerhin hat die Union in Baden-Württemberg 70.000 Mitglieder - so viele haben die Grünen nicht einmal bundesweit.

8.00 Uhr - Kleine Bundeswahl beginnt: Die Wahllokale haben geöffnet. In beiden Ländern zeigen sich die Spitzenkandidaten sämtlicher Parteien optimistisch. Selbst der schwer angeschlagene Stefan Mappus (CDU) ist siegesgewiss. Zur Stimmabgabe erscheint der amtierende Ministerpräsident in Pforzheim (Baden-Württemberg) zusammen mit seiner Frau. Beide kommen zu Fuß.

Elf Millionen Menschen in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz sind heute zur Wahl aufgerufen. Sie entscheiden dabei nicht nur über eine neue Landesregierung. Vom Ergebnis werden auch Auswirkung auf die Berliner Bundespolitik erwartet. Seit der Atomkatastrophe in Japan vor zwei Wochen liegen Grüne und SPD in Baden-Württemberg in den Umfragen klar vor Schwarz-Gelb. Die Linke könnte erstmals in den Stuttgarter Landtag einziehen, die FDP könnte in ihrem Stammland an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

In Rheinland-Pfalz gilt die Rückkehr der Grünen in den Landtag als sicher, aus dem sie 2006 geflogen waren. Weniger Chancen werden den seit 20 Jahren oppositionellen Christdemokraten eingeräumt, ihre Spitzenkandidatin Klöckner zur ersten Ministerpräsidentin des Landes zu machen.

jek/bjm/news.de/dap

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • ART
  • Kommentar 6
  • 27.03.2011 22:48

Nun werden die Befürworter DES BIS NUN, ALLES BISHERIGE geistig zu verklappen versuchen!Sie haben alles richtig gemacht aber das"Bürgendumm"hat es nicht verstanden.Oder man hat es nicht "dummgenuch"verkauft!

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  • Stefan Lipinski
  • Kommentar 5
  • 27.03.2011 20:45

Das ist die Kertwende in der Atompolitik,die Koalition in Berlin ist absolut unglaubwürdig.Die hätten doch niemals die Atomkraftwerke ganz abgeschaltet.Nach der wahl ach die sind ja alle sicher,dann geheh sie auch wieder ans Netz.Doch jetzt ist mit diesem Ergebnis der Ausstieg besiegelt.Unsd eine Frau Merken und ein Herr Westerwelle sollten sich Gedanken um Ihre Rolle in der Regierung machen,sie sind nicht mehr tragbar,oder besser noch sie sind nicht mehr ertragbar.Weg mit den beiden!!!

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  • radio freie welt
  • Kommentar 4
  • 27.03.2011 20:13

als vertreter und redakteur bei einem freien radio bin mal auf- das landesmediengesetz- und die plaene von herrn langheinrich-auf dab- gespannt- auf jeden fall,wirds hammer debatten geben

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