Kampf um Libyen Gaddafi mit dem Rücken zur Wand

Kampfjet (Foto)
Ein libysches Kampfflugzeug stürzt über Bengasi ab. Bild: dpa

Der libysche Despot scheint entscheidend geschwächt: Die Briten haben die libysche Luftwaffe für besiegt erklärt. Auch auf dem Boden sollen die Regierungstruppen den Rückzug aus einer entscheidenden Stadt im Osten angetreten haben.

Die Welle des Zorns

Die Luftwaffe von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ist nach Darstellung der britischen Air Force kampfunfähig. «Die libysche Luftwaffe ist keine kämpfende Kraft mehr», sagte Greg Bagwell, der Kommandeur der britischen Luftstreitkräfte, in der BBC. Die Flugzeuge der Alliierten könnten inzwischen nahezu ungestört im Luftraum über Libyen operieren und die Flugverbotszone überwachen.

Die Piloten der britischen Kampfflugzeuge konzentrierten nun sich zunehmend auf die Geschehnisse am Boden. «Wir haben ein Auge auf die unschuldigen Menschen in Libyen und stellen sicher, dass sie nicht angegriffen werden», sagte Bagwell. «Wir halten die libyschen Bodentruppen unter ständiger Beobachtung und wir greifen sie an, wann immer sie Zivilisten bedrohen oder sich besiedelten Zentren nähern.»

Libyen
Der Kampf gegen Gaddafi

Wie der amerikanische Konteradmiral Gerard Hueber mitteilte, konzentriere sich die internationale Koalition bei ihrem Militäreinsatz in Libyen jetzt auf die Streitkräfte außerhalb von Adschdabija und Misurata. Gaddafis Truppen hätten ihre Attacken auf die zivile Bevölkerung in den beiden Städten verstärkt, um Rebellen auszuschalten. «Als ein Ergebnis setzen wir Gaddafis Kräfte unter Druck, die diese Zivilisten angreifen», erklärte Hueber. 

Die Koalition konzentriere ihre Attacken unter anderem auf motorisierte Einheiten Gaddafis, Boden-Luft-Raketenstellungen und darauf, Kommunikationslinien zu kappen. Gaddafis Luftwaffe sei nicht mehr einsatzfähig. Nach Bagwells Angaben haben die Alliierten in den vergangenen Tagen 300 Einsätze über Libyen geflogen und 162 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert.

Libyen
US-Kampfjet abgestürzt
Video: mat/news.de/dapd

Sind Gaddafis Truppen auf dem Rückzug?

Die Luftangriffe der Koalition auf Ziele im Westen Libyens haben zudem möglicherweise die libysche Regierungstruppen gezwungen, sich aus der Stadt Misrata zurückzuziehen. Augenzeugen in der Stadt berichteten, Bomben hätten die Luftfahrtakademie, ein Gelände neben dem Krankenhaus sowie etliche Panzer getroffen. Andere Panzer seien auf dem Rückzug und würden vor den alliierten Bombenangriffen fliehen. Eine offizielle Bestätigung gab es von Seiten der Koalition zunächst nicht.

Der Rückzug aus Misrata wäre nach Einschätzung von Korrespondenten eine Wende in der seit Samstag andauernden Militäroperation der Alliierten in Libyen. Bislang haben deren Luftangriffe die Gaddafi-treuen Truppen nicht davon abgehalten, die Rebellen unter Feuer zu nehmen.

Im Osten des Landes setzten Regierungstruppen ihren Kampf mit Aufständischen um Adschabiya fort. Über der 140.000-Einwohner-Stadt, die als Tor zum Osten Libyens eine große strategische Bedeutung besitzt, sollen Rauchwolken zu sehen sein. Offenbar sind weder die regulären Truppen noch die Aufständischen in der Lage, eine Entscheidung herbeizuführen. Seit Tagen bereits belagern Regierungstruppen Adschabija, in deren Außenbezirke sich mehrere hundert Rebellen eingegraben haben und Widerstand leisten.

Die Nato macht ernst

Die Nato begann mit der Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen. Wie der kanadische Brigadegeneral Pierre St. Amand in Brüssel mitteilte, ist die Operation «Unified Protector» angelaufen. Zunächst sechs Kriegsschiffe patrouillierten vor der libyschen Küste, weitere 16 Schiffe seien dem Bündnis von den Mitgliedsstaaten angeboten worden. Die Türkei, das einzige muslimische Nato-Mitglied, sei «integraler Bestandteil der Seeblockade», sagte St. Amand.

Chronologie
Arabien im Umbruch

Deutschland zog seine Streitkräfte aus der Mittelmeerregion zurück. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mitteilte, betrifft dies sowohl die Seeeinheiten als auch die deutschen Soldaten an Bord von Awacs-Aufklärungsflugzeugen.

Hintergrund der Entscheidung ist die Ankündigung Deutschlands, nicht an Militäraktionen gegen Libyen teilzunehmen. Stattdessen wird der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ausgeweitet. Bis zu 300 deutsche Soldaten sollen künftig an Bord von AWACS-Überwachungsflugzeugen am Hindukusch eingesetzt werden, beschloss das Bundeskabinett in Berlin.

Unterdessen zeichnet sich nach Einschätzung von Diplomaten ein Kompromiss über eine Einbindung der Naton in die Militäroperation zum Schutz von Zivilisten in Libyen und die Durchsetzung eines Flugverbots ab. Demnach könnte ein politisches Komitee von Außenministern aus dem Westen und arabischen Staaten die Militäroperation auf Grundlage der Nato-Strukturen führen. Einige Nato-Mitglieder hätten dazu bereits ihr Einverständnis gegeben, hieß es. In der kommenden Woche solle es dazu in London ein Spitzentreffen geben.

kra/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Militäreinsatz in Libyen
SOLLTE DEUTSCHLAND MITMACHEN?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige