Claudia Roth exklusiv «Wir müssen die Menschen von der CDU erlösen»

Claudia Roth (Foto)
Grünen-Chefin Claudia Roth ist in Feierlaune. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Magdeburg
Wechsel im Ländle: In Baden-Württemberg könnte erstmals seit 58 Jahren die CDU die Macht verlieren. Die Grünen stehen für eine Regierung bereit. News.de hat mit Parteichefin Claudia Roth über Gefahren, Machtoptionen und Angst gesprochen.

Es sieht nicht gespielt aus. Claudia Roth schreit ihre Freude heraus. Eine Faust streckt sie dabei in die Höhe. Die Grünen-Chefin steht am Sonntag auf der kleinen Bühne im Restaurant «L-BE» in Magdeburg. Sie feiert mit den Sachsen-Anhaltern den Wiedereinzug der Grünen in den Landtag. Nach 13 Jahren. Roth ist euphorisch und gibt das auch zu. Sie hatte den richtigen Riecher, war als einzige Spitzenpolitikerin nach Magdeburg geeilt - und wurde mit einer Party belohnt.

Es war die erste Wahl nach der Japankrise. Wie hoch schätzen Sie den Anteil des Grünen-Erfolgs aufgrund der aktuellen Atomdebatte?

Claudia Roth: Ein solcher Gau ist für mich keine Krise mehr, sondern eine Katastrophe von noch ungeklärtem Ausmaß. Es verbietet sich, aus dem Leid der Japaner Nutzen ziehen zu wollen. Der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat uns unterstellt, wir würden diese Tragödie für unseren Wahlkampf missbrauchen. Dann kann ich nur sagen: Wenn das so wäre, dann würden wir seit 31 Jahren permanent Wahlkampf machen, also seit Gründung der Partei. Ich glaube aber, dass viele Menschen jetzt noch genauer fragen, wie eine zukunftsverantwortliche Energiepolitik aussehen könnte.

Baden-Württemberg
Die Ministerpräsidenten im Ländle

Die Grünen hatten, was die Atomsicherheit betrifft, recht. Empfinden Sie ein Stück Genugtuung?

Roth: Definitiv nicht. Manchmal ist es nicht zu ertragen, wenn man recht behalten hat.

Die SPD steht im Ausstiegsszenario neben den Grünen. Warum konnten die
Sozialdemokraten davon nicht bei der Landtagswahl profitieren?

Roth: Die SPD steht in Sichtweite, aber sie ist immer noch eine Partei, die Fortschritt und Wachstum anders beschreibt als wir. Sie setzt auf Kohlekraft, wir nicht. Wir wollen bis 2030 den kompletten Umstieg auf eine Stromversorgung aus erneuerbaren Energien schaffen. Außerdem ist der Kampf gegen die Atomkraft einer der zentralen Punkte für die Gründung unserer Partei gewesen.

Die Erwartungen waren etwas anders, doch die CDU wurde kaum abgestraft. Glauben Sie, die eigenen Sorgen der Menschen stehen über denen der Weltpolitik?

Roth: Es ist schwierig, das einzuschätzen. Aber es ist ein gutes Zeichen, denn es heißt eben nicht, dass jedes Ereignis sich unmittelbar auf ein Wahlverhalten auswirkt, dass wir, wie immer behauptet, in einer Stimmungsdemokratie leben. Wetterwendisch zeigt sich dagegen einmal mehr Frau Merkel, die noch vor einem halben Jahr die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke gerühmt hat und jetzt eine unglaubwürdige Drehung um 180 Grad vollzieht.

Ihre Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, Claudia Dalbert, hat ein rot-rot-grünes Bündnis ins Spiel gebracht. Andere sehen die Grünen hier nicht als regierungsfähig an. Wie sehen Sie das?

Roth: Die neun Abgeordneten, die jetzt ins Parlament einziehen, werden den Landtag verändern, und sie werden die Landespolitik ergrünen lassen. Uns geht es um die Inhalte.

Aber die Grünen würden für Rot-Rot-Grün bereitstehen?

Roth: Darum geht es nicht. CDU und SPD haben sich für gemeinsame Sondierungsgespräche entschieden. Am Ende liegt der Ball bei der SPD.

Am kommenden Wochenende wird neben Rheinland-Pfalz auch in Baden-Württemberg gewählt. Wie groß ist das Signal aus Sachsen-Anhalt?

Roth: Sehr groß, das Wahlergebnis gibt uns Rückenwind. Wir gehen mit großen Hoffnungen in die Wahlen am Sonntag und freuen uns auf den ersten grünen Ministerpräsidenten.

Rot-Grün liegt zurzeit in Baden-Württemberg vorn. Ist das Ihr Wunschergebnis?

Roth: Umgekehrt: Grün-Rot liegt vorn, und natürlich ist das mein Wunschergebnis.

Schließen Sie auch wie Ihr Parteifreund Jürgen Trittin Schwarz-Grün aus?

Roth: Weder Jürgen Trittin noch die Baden-Württemberger oder ich betreiben eine Ausschließeritis. Wir sagen nicht: mit denen nie und mit denen nur. Klar ist: Wir sind kein Anhängsel, sondern eigenständig. Und natürlich spielen die Gegebenheiten in den Ländern die ausschlaggebende Rolle. In Baden-Württemberg beispielsweise sage ich klar: Nach 57 Jahren ist die Zeit reif, die Menschen von der CDU und Stefan Mappus zu erlösen.

Haben Sie keine Angst davor, den Stuttgarter Bahnhof fertig bauen zu müssen?

Roth: Dafür müssten sich die Menschen in Baden-Württemberg in einem Volksentscheid klar aussprechen, das sehe ich aber nicht. Wir versprechen im Fall einer Regierungsbeteiligung, dass die Bürger über Stuttgart 21 entscheiden können. Wir werden von unserer Seite alles dafür tun, dass S 21 nicht gebaut wird.

 

Claudia Roth wurde 1955 in Ulm geboren. Seit 1987 ist sie Mitglied der Grünen. 2001 wurde sie erstmals Bundesvorsitzende. Im Dezember 2002 legte sie ihr Amt nieder und zog in den Bundestag ein. Wegen der Trennung von Amt und Mandat ist bei den Grünen keine Doppelfunktion möglich. 2004 wechselte sie wieder in den Bundesvorsitz, den sie sich zurzeit mit Cem Özdemir teilt.

jek/reu/news.de

Leserkommentare (54) Jetzt Artikel kommentieren
  • Retro Jetzt
  • Kommentar 54
  • 27.03.2011 18:11
Antwort auf Kommentar 51

Das der (Super-)GaU in Japan "Schicksal" wäre, halte ich für 'nen schlechten Witz. Vielmehr ist es Profitgier und Schlamperei, die diese Katastrophe auszeichnen. - Allerdings ist Frau Roth in der Partei 'Bündnis 90/Die Grünen' ebenso ein Witz und mehr als überflüssig. Es wäre wünschenswert, ginge sie auf Rente, denn alt genug ist sie mit 56 bestimmt. (Hätte Rio Reiser auch gesagt =)) )Claudia Roth und Cem Özdemir: Manfred Deix hätte seine wahre Freude, wenn er beide in einem Doppel-Portrait verewigen würde. Er müßte in seinen Abbildungen nur in den Foto-Realismus wechseln ...

Kommentar melden
  • Mailyn Pelagio
  • Kommentar 53
  • 26.03.2011 22:46

Özdemir, Roth, Ströbele. Leistungsausweis gleich Null. Erlösung von denen dringenst erforderlich.

Kommentar melden
  • 08hacki
  • Kommentar 52
  • 26.03.2011 18:50

Und wer erlöst uns vor Ihnen, Frau Roth? Was haben sie bislang für unser Land getan, außer dass Sie sich für den Atom-Ausstieg engagierten? Sie und Ihresgleichen sind nicht der zeitgemäße Typus Politiker/in mit dem Bürger sich identifizieren. Sie sind zwar über versorgt aber auch überflüssig. Bye Claudia!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Katastrophe in Japan
SOLL DEUTSCHLAND AUS DER ATOMKRAFT AUSSTEIGEN?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige