Aus für Kernenergie Die Renaissance der Kohle?

Energieökonomin warnt vor neuen Kohlekraftwerken (Foto)
Die DIW-Energieökonomin Kemfert warnt vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit den Ländern darauf verständigt, die sieben vor 1980 gebauten Kernkraftwerke vorübergehend abzuschalten. Doch das ist rechtlich umstritten. Auch die Alternativen zur Atomenergie sind rar.

Angesichts der Atom-Katastrophe in Japan wirft Deutschland das Ruder in der Energiepolitik herum: Die sieben ältesten KernkraftwerkeBetroffen sind demnach die Atommeiler Biblis A und B, Neckarwestheim 1, Brunsbüttel, Isar I sowie Unterweser und Philippsburg 1. werden vorläufig abgeschaltet, und der Pannen-Reaktor Krümmel bleibt dauerhaft stillgelegt, wie Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag bekanntgab. In den nächsten drei Monaten bis Mitte Juni sollen dann alle 17 deutsche Reaktoren einen gründlichen Sicherheitscheck durchlaufen.

Die vorübergehende Abschaltung deutscher Atomkraftwerke ist rechtlich noch nicht in trockenen Tüchern. So hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert Bedenken geäußert, ebenso der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Siegfried Kauder (beide CDU). Die Fraktion billigte den Entschließungsantrag zu den Regierungsplänen aber einstimmig. Die Opposition argumentiert, dass das von Schwarz-Gelb durchgedrückte Gesetz über die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke gilt und eine Aussetzung ebenfalls eines Gesetzes bedürfe.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) plädiert nun dafür, die Laufzeitverlängerung für ältere Kraftwerke rückgängig zu machen. «Wenn's nach mir ginge, müssten wir schneller als beschlossen aus der Kernenergie aussteigen», sagte Röttgen dem Magazin Stern. «Für die älteren Werke gäbe es keine Laufzeitverlängerung. Über die neuen muss man reden», fügte er hinzu. Röttgen rechnet mit einer weiteren Nutzung der Atomkraft von einem bis eineinhalb Jahrzehnten. Damit nähert er sich den ursprünglichen Ausstiegsplänen von Rot-Grün an, in denen ursprünglich vorgesehen war, das letzte Kraftwerk um das Jahr 2022 abzuschalten.

Nur noch neun Atomkraftwerke am Netz

Bis zum Juni werden nur noch neun Atomkraftwerke Strom liefern. Nach der Ankündigung sind am Dienstag an der Leipziger Strombörse die Preise angezogen. Für Stromlieferungen bis Juni um 9 Euro auf 61 Euro, für Lieferungen im Jahr 2012 um 3 Euro auf 58 Euro pro Megawattstunde.

Da sich viele Stromversorger zu festen Preisen langfristig mit Strom eingedeckt haben, dürfte sich das auf Privatkunden vorerst nicht großartig auswirken. Die auf Energie spezialisierte Beratungsgesellschaft Prognos schätzt die Mehrkosten für Endkosten laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf 0,3 bis 0,4 Cent die Kilowattstunde. Der Bund der Energieverbraucher erwartet demnach höhere Gaspreise, falls mehr Gas für die Stromproduktion genutzt werde.

Zu Engpässen in der Stromversorgung wird es nach der Abschaltung der alten Meiler offenbar nicht kommen. Kurzfristig könne man die alten Kernreaktoren vom Netz nehmen, dies entspreche dem Überschuss an Strom, den Deutschland im Moment habe, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin auf Anfrage von news.de

Dies ändere sich jedoch im kommenden Jahrzehnt, da dann viele alte Kohlekraftwerke vom Netz gehen würden, betont die Expertin. «Die frühe Abschaltung der Reaktoren müsste durch einen teilweise Zubau von Kohlekraftwerken kompensiert werden. Somit würden die CO2-Emissionen steigen. und somit auch die CO2-Preise. Das würde die Strompreise tendenziell steigen lassen.»

Für die Betreiber würden Zusatzgewinne wegfallen, die durch den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke entstehen, so Kemfert weiter. Zudem müssten sie in Alternativen investieren, und dies würden in erster Linie Kohlekraftwerke sein.

Die bessere Alternative: Gaskraftwerke

Eine bessere Brückentechnologie ins Zeitalter der erneuerbaren Energien sei Gas, sagte Kemfert in einem früheren Gespräch mit news.de: «Gaskraftwerke sind gut hoch- und runterfahrbar. Sie können gut diese Volatilitäten ausgleichen. Das einzige Problem in Deutschland ist, dass Gas zu teuer und damit unattraktiv ist.»

Das Problem ist aber der fehlende Wettbewerb in Deutschland. DIW-Expertin Claudia Kemfert betont, dass der Markt in Deutschland zu verkrustet und Gas in Deutschland im europäischen Vergleich zu teuer sei. «Der Grund ist, dass es noch immer große überregionale Verteilerunternehmen gibt, die lokale und regionale Anbieter mit Gas beliefern, und darin hohe Bezugskosten angeben.»

Was trotzdem für Gas spricht: Auf der ganzen Welt werden gegenwärtig neue Gasquellen erschlossen. Zudem sind neben der neuen Nordstream-Pipeline durch die Ostsee weitere Pipelines in Richtung Europa in Planung. Und das macht sich auch in den Preisen auf dem Weltmarkt bemerkbar: «Tatsache ist, da wir eine entspanntere Entwicklung auf dem Gasmarkt haben, entwickelt sich der Gaspreis moderater als der Ölpreis - auch in Zukunft», sagte Hubertus Bardt, Rohstoffexperte am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln zu news.de.

Woher kommt der Strom in Deutschland?

Bei der Stromerzeugung in Deutschland spielen Braunkohle (24 Prozent), Steinkohle (18 Prozent) sowie die Kernenergie (23 Prozent) die wichtigste Rolle. Der Erdgasanteil liegt gegenwärtig bei knapp 13 Prozent. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist, vor allem dank des Ausbaus der Windkraft, auf rund 16 Prozent gestiegen.

knr/ivb/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Arsch
  • Kommentar 6
  • 16.03.2011 08:51
Antwort auf Kommentar 3

Nur Sprüche klopfen reicht leider nicht mehr aus um das "Ticket"für ein Bleiberecht in Deutschland zu bekommen. Es gibt keine"Glühbirnen",aber es gibt Glühlampen in Birnenform! Diese werden widerum in sog. Leuchten geschraubt! Sie sind keine......"Leuchte" und nicht mal ein Glühwurm. Sie sind aber ein alberner "Stomer".

Kommentar melden
  • ART
  • Kommentar 5
  • 16.03.2011 08:37
Antwort auf Kommentar 3

Links-Grüne Zukunftsideen!Warum erfinden denn nun die cdu und fdp die sog."erneuerbaren Energien"?Ein Lagerfeuer ist besser als das "Feuer"in den Atomanlagen!Wer sich als Esel vor den Karren der"unterirdischen Bahnhöfe"spannen läßt,na warum eigentlich nicht"unterirdische Flughäfen"?Ist denn Schweinefleisch im christlichen Sinne etwas"Anständiges"oder ein Huhn auf einem Gitter einer Postkartengröße?Wie krank oder verzweifelt ist eigentlich jemand der mit Kaffee sein Weltbild zwischen Kommunismus und Islamismus sucht? Lieber ne Kerze als so "VERSTRAHLT"zu sein.

Kommentar melden
  • Green
  • Kommentar 4
  • 15.03.2011 21:06

Der Wiedereinstieg in die Atomernergie im vorigem Jahr war der größte Unsinn.Denn der von rot-grün beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie sah die schrittweise Abschaltung von AKW´s vor.Wenn man will,dass regenerative Energien ausgebaut werden,muss man auch für eine gewisse Versorgungslücke sorgen. Wer baut schon Kraftwerke wenn es kein Bedarf an Strom gibt. Zumal die Abschaltung der AKW´s feststand und damit das ganze planbar war.Jetzt wird wieder das Ruder in die alte Richtung rumgeworfen. Reaktionäre Politik. Wobei zugegeben,ich schon ruhiger schlafen kann, wenn diese Zeitboben aus sind.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
partnerangebot
Neueste Dossiers
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige