Julia Klöckner «Meinen Dackel präsentiere ich nicht»

Julia Klöckner (CDU) (Foto)
Will mit 38 Jahren Ministerpräsidentin werden: Julia Klöckner (CDU). Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
Julia Klöckner (CDU) will haben, was Helmut Kohl schon hatte: das Ministerpräsidentenamt von Rheinland-Pfalz. Dafür hat sie in Berlin einen Regierungsposten aufgegeben. News.de sprach mit ihr über Bürgernähe, die Jugendliebe und ihre Grenzen.

Ihr Gegner erscheint übermächtig: Kurt Beck. Seit 16 Jahren regiert er Rheinland-Pfalz als Ministerpräsident - so lange wie kein anderer. Doch nun ist Julia Klöckner (CDU) angetreten, ihm bei der Landtagswahl am 27. März den Posten streitig zu machen. Die 38-Jährige hat dafür ihr Amt als Staatssekretärin im Bundesagrarministerium niedergelegt. Viele Beobachter glauben, dass die ehemalige Weinkönigin das größte Risiko ihrer Karriere eingeht. Denn die CDU im Südwesten ist seit Jahren von Finanzaffären gebeutelt - eine Tatsache, die auch auf die Umfragewerte drückt. Aktuell liegt Klöckner sechs Prozent hinter Beck. Den Fragebogen von news.de hat sie trotzdem beantwortet:

Superwahljahr
Sieben Länder, sieben Entscheidungen

Frau Klöckner, die Zeit zitierte kürzlich einen CDU-Abgeordneten: «Klöckners Aufstieg ist nur vor dem Hintergrund der Trostlosigkeit der rheinland-pfälzischen CDU erklärbar.» Hat er recht oder spricht aus dem Mann der Neid?

Klöckner: Hat der Mann auch einen Namen - oder ist er eine Erfindung?

Es wurde kein Name genannt. Aber das Zitat steht in Ausgabe 6, Seite 11.

Klöckner: Wie auch immer: Ich bin innerhalb von einem halben Jahr zweimal mit mehr als 99 Prozent der Stimmen gewählt worden - als Spitzenkandidatin und auf Platz 1der Liste. Die Säle bei meinen Wahlkampfauftritten sind überfüllt und die Kreisverbände reißen uns das Material aus den Händen. Plakate werden jetzt nachgedruckt. Ich lade alle Journalisten ein, mich im Wahlkampf zu begleiten und sich selbst ein Bild zu machen.

Untreue, Betrug - zu einem Großteil war bislang der Wahlkampf von einer Schlammschlacht geprägt. Ärgern Sie sich über die Hinterlassenschaft Ihrer männlichen Vorgänger?

Klöckner: Noch ist Herr Beck nicht mein Vorgänger, daran arbeite ich gerade. Aber ich ärgere mich in der Tat schon jetzt über ihn. Gescheiterte Prestigeprojekte mit merkwürdigen Partnern und Millionenverlusten zulasten der Steuerzahler, Rechtsbruch durch den Justizminister - und keinerlei Eingeständnis von Versagen oder gar eigener Schuld. Ich gebe zu: Das ärgert mich schon. Und ich weiß, dass es vielen Bürgern genauso geht.

Die Finanzaffären der CDU nehmen die Wähler aber auch zur Kenntnis, genauso wie die Tatsache, dass Wahlkämpfe immer mehr zu einer persönlichen Auseinandersetzung werden. Wie persönlich werden Sie im Wahlkampf?

Klöckner: Natürlich muss man persönlich werden. Die Leute wollen ja wissen, mit wem sie es zu tun haben. Aber das heißt nicht, dass man sein Haus für Journalisten öffnet - und die Verwandtschaft, den Kleiderschrank und den Dackel vor der Kamera präsentiert. Homestories gibt es bei mir nicht, Interviews mit Verwandten und Freunden auch nicht. Das ist nicht unpersönlich, sondern sehr vernünftig.

Versuchen wir es mit einer etwas persönlicheren Frage: Bundesministerin Kristina Schröder hat als Jugendliche für Helmut Kohl geschwärmt. Sie auch?

Klöckner: Als Jugendliche habe ich für die Tischtennisspielerin Olga Nemes geschwärmt. Sie kam aus Rumänien, spielte für Deutschland und war zu ihrer Zeit die Beste. Ich wollte Profi werden, habe hart trainiert. Es hat dann aber immerhin für eine Liga gereicht, die nicht zu den schwächsten zählte. Aber: Sie hatten nach Helmut Kohl gefragt. Ich schätze ihn sehr und habe erst neulich mit ihm und seiner Frau über die Zukunft von Rheinland-Pfalz diskutiert.

Der Sohn von Helmut Kohl klagt heute in seinem Buch darüber, dass sein Vater nie da war. Gibt es für Sie eine Grenze, an der Sie sagen würden: Schluss mit der Politik, die Familie geht vor?

Klöckner: Bis an die Grenze gehe ich jeden Tag! Politik ist halt harte Arbeit - von früh morgens bis spät abends! Wer etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung und nie einer Regierung angehört oder einen Wahlkampf geführt. Das ist so, das weiß man - und man muss irgendwann eine Entscheidung treffen. Es wird niemand gezwungen, in die Politik zu gehen.

Als Ministerpräsident hat Helmut Kohl lange Rheinland-Pfalz regiert, genauso wie Kurt Beck, den viele nur noch «König Kurt» nennen. Ist seine Herrschaft für Sie ein Vorbild oder sollte Macht nach amerikanischem Vorbild nicht besser zeitlich limitiert werden?

Klöckner: Dass 16 Jahre Kurt Beck Rheinland-Pfalz nicht gut tun, sieht man an den Wirtschaftsdaten im Ländervergleich, beim Rekord-Unterrichtsausfall oder bei den Skandalen beim Schlosshotel und beim Nürburgring.

Bislang gibt es mit Christine Lieberknecht nur eine CDU-Ministerpräsidentin. Sie übernahm den Sessel von Dieter Althaus. Sie wären möglicherweise die erste vom Volk gewählte Ministerpräsidentin der Union. Warum hat man es als Frau in ihrer Partei so schwer, an die Macht zu kommen?

Klöckner: Das Volk wählt Parlamente und die wählen Ministerpräsidentinnen. Ich wäre die zweite amtierende Ministerpräsidentin der Union. Das wären dann doppelt so viele wie bei der SPD.

Kürzlich stand die Republik Kopf, weil eine Ministerin in der Amtszeit schwanger geworden ist. Sind Sie von der ewigen Frau-Mann-Diskussion genervt?

Klöckner: Nein.

Sie sind bereits mit Ende 20 in den Bundestag eingezogen und gelten mittlerweile als Berufspolitikerin. Gibt es für Sie noch eine Alternative zur Politik?

Klöckner: Sicher. Ich habe Politikwissenschaften und Theologie studiert und war viele Jahre als Journalistin tätig. Nicht ohne Erfolg, wie manche sagen. In den Beruf könnte ich wieder zurück. Aber ich will jetzt nicht mit der Politik aufhören, sondern für die Zukunft meiner Heimat kämpfen - mit besten Ideen.

Sie haben mit der Spitzenkandidatur das Amt als Staatssekretärin niedergelegt. Haben Sie im Falle der Wahlniederlage noch einen Rückfahrschein nach Berlin in der Tasche oder würden Sie auch als Oppositionsführerin in Mainz bleiben?

Klöckner: Die Rheinland-Pfälzer können mit mir rechnen. Ich werde in Mainz auf jeden Fall tätig sein. Ich bin auch beim Broteschmieren dabei - und nicht nur, wenn die Schnittchen gereicht werden.

Ute Vogt, einst SPD-Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg, hat vor einigen Jahren einmal einen ähnlichen Weg wie Sie gewählt. Denken Sie in einsamen Stunden manchmal darüber nach, ob Ihre Karriere in der Provinz enden könnte?

Klöckner: Ute Vogt hat einen anderen Weg als ich gewählt. Sie hat gegen Erwin Teufel kandidiert und hat ihr Bundestagsmandat behalten. Danach ist sie sogar noch Parlamentarische Staatssekretärin im Innenministerium geworden. Meiner Meinung nach kann man als Spitzenkandidatin nur kämpfen, wenn man kein Rückfahrtticket in der Tasche hat.


Julia Klöckner wurde 1972 in Bad Kreuznach geboren. Sie ist Theologin, Journalistin und Politologin. Seit 2002 sitzt sie für die CDU im Deutschen Bundestag. Bis zu ihrer Spitzenkandidatur arbeitete sie zudem als Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarministerium. Außerdem wurde sie 1995 zur Deutschen Weinkönigin gewählt.

cvd/news.de

Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heinz Rieger
  • Kommentar 11
  • 26.03.2011 17:26

Franz Deutsch muss noch feucht hinter den Ohren sein, wenn man so ein Dummes Gewäsch da her redet.Der Herr Kurt Beck hat noch nirgens etwas getaugt.(Siehe Parteivorsitz - Ministerpräsident) Das einzige was er kann ist bei Karnevallsitzungensich zu Präsentieren.

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  • Klaus Boehn
  • Kommentar 10
  • 26.03.2011 17:12

Gespielte Kompetenz,schön gelächelte Besserwisserei,gemischt mit einer Prise Arroganz,die sich nur aus ihrem guten Aussehen ableiten lässt....Julia Klöckner sollte doch einen zweiten Versuch zur Weinkönigin starten oder zumindest die Voraussetzungen schaffen,dass eine solche Wahl ermöglicht wird.In der Politik sollte sie dann doch König Kurt das Zepter weiter schwingen lassen,der mit seiner bodenständigen Art genau der Richtige für Rheinland-Pfalz war und ist.

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  • Heinz Nordsaarland
  • Kommentar 9
  • 26.03.2011 14:24

Julia Klöckner : «Meinen Dackel präsentiere ich nicht». Ich bin schon verwunndert. Einige Kommentare gehen schon unter die Gürtellinie. Die sie verfasst haben werden es wissen. Keiner muß Julia Klöckner wählen. Aber beleidígen sollte man sie nicht. Meine Meinung ist wahrscheinlich objektiv, weil ich nicht zum Walvolk gehöre. Ich bin Saarländer und parteilos. Ich wünsche Ihnen einen schönen (Wahl-)Sonntag. Heinz Sch Kreis St. Wendel

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