Affäre Guttenberg «Ich schäme mich nicht nur heimlich»

Schavan gegen Guttenberg (Foto)
Schavan rügt ihren Kollegen Guttenberg. Bild: dapd

Die Guttenberg-Gegner kommen aus der Deckung: Rund 20.000 Promovierte haben Kanzlerin Angela Merkel eine Verhöhnung aller Wissenschaftler vorgeworfen. Selbst in der CDU wächst der Unmut - und Ministerin Schavan schämt sich.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat großes Verständnis für den Unmut geäußert, den die Plagiats-Affäre um Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) unter Wissenschaftlern ausgelöst hat. Sie sagte der Süddeutschen Zeitung, dass sie den Entzug des Doktortitels durch die Universität Bayreuth für richtig und den ganzen Vorgang nicht für eine Lappalie halte. «Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Und der Schutz geistigen Eigentums ist ein hohes Gut», sagte die Ministerin.

Schavan räumte ein, dass sie sich als Wissenschaftlerin, die vor 30 Jahren selbst promoviert habe, «nicht nur heimlich schäme» für das, was da passiert sei. Zugleich aber betonte sie, dass für Guttenberg das Gleiche wie für jeden Menschen gelte und er deshalb eine zweite Chance verdient habe. «Wir wissen, dass das nicht der erste Fall ist, in dem jemand gute politische Arbeit leistet und zugleich in einem anderen Bereich seines Lebens Schuld auf sich genommen hat», betonte die CDU-Politikerin.

Witze über Guttenberg
Hohn, Spott und Gesang
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Scharfe Kritik übte sie an der «Maßlosigkeit», die aus ihrer Sicht die politische Debatte geprägt habe. Der Opposition sei es vor allem darum gegangen, «den Kopf des Ministers als Trophäe aus der Debatte zu tragen». Andere wiederum hätten den Eindruck erweckt, man müsse das alles nicht so ernst nehmen. Beides sei unangemessen gewesen, betonte Schavan.

Brief an die Kanzlerin

«Durch die Behandlung der Causa Guttenberg als Kavaliersdelikt leiden der Wissenschaftsstandort Deutschland und die Glaubwürdigkeit Deutschlands als Land der Ideen», heißt es in dem offenen Brief, wie das Hamburger Abendblatt berichtet.

Merkels Behandlung der Plagiatsaffäre lege nahe, «dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um einen Kavaliersdelikt handele». Der offene Brief soll am Sonntagabend im Berliner Kanzleramt abgegeben werden.

Nach der Kritik aus Opposition und Wissenschaft erwägt nun auch der liberale Koalitionspartner offen einen möglichen Rücktritt von Verteidigungsminister Guttenberg. Der forschungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Martin Neumann, gibt dem angeschlagenen Minister noch «eine, maximal zwei Wochen Zeit», um die Plagiats- und Täuschungsvorwürfe auszuräumen. Schaffe er dies nicht, müsse er zurücktreten, sagte Neumann der Financial Times Deutschland (Montagausgabe). «Wenn er die Umstände seiner Promotion weiter so im Unklaren lässt, halte ich ihn als Minister und obersten Dienstherren von zwei Bundeswehruniversitäten nicht mehr für tragbar.»

Nach Neumanns Ansicht habe Guttenberg «noch gar nicht verstanden, wie sehr er uns schadet: der Wissenschaft sowieso, aber auch dem Anspruch dieser Koalition, Wissenschaft und Forschung zu stärken». Als erster Vertreter der schwarz-gelben Koalition äußerte Neumann auch offen «große Zweifel an Guttenbergs Erklärung, er habe lediglich den Überblick über seine Quellen verloren». Zuvor hatte bereits Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) Zweifel am politischen Überleben Guttenbergs geäußert.

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bjm/cvd/ivb/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (53) Jetzt Artikel kommentieren
  • Nesquick
  • Kommentar 53
  • 22.01.2013 23:51

Wenn die Schavan KEINE LÜGNERIN wäre, wäre sie nicht bei der CDU und keine Politikerin!

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  • Friedensfürst
  • Kommentar 52
  • 09.03.2011 21:18

Wann entziehen Sie endlich der Universität Bayreuth die Lizenz zur Titelvergabe, Frau Schavan? Sie sollten sich nicht nur schämen sondern endlich handeln. Die Guttenbergaffäre ist nicht nur eine politische, sondern auch ein wissenschaftliches und ein juristisches Desaster. Nicht der Student Theodor ist der Hauptschuldige sondern die Universität Bayreuth. Mich dünkt, das Theo kein Einzelfall ist. Ich möchte genauso wenig falsche Richter haben, die da RECHT sprechen, wie falsche Ärzte am OP-Tisch. Frau Schavan, wachen Sie endlich aus Ihrem Tiefschlaf auf.

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  • gehtnicht
  • Kommentar 51
  • 02.03.2011 16:23
Antwort auf Kommentar 50

ridsch:Warum KT zu GUTTENBERG SEINEN DOKTORTITEL BEKOMMEN HAT,GIBT ES ÜBER 743.000 GRÜNDE BEI DER UNI BAYREUTH! JETZT HAT FRAU MERKEL IHREN WUNSCHMANN IM VERTEIDIGUNGSMINISTERIUM UND SEEHOFER SEINEN TREUEN FREUND-FRIEDRICH IM INNENMINISTERIUM! MIT SOLCHEN LEUTEN GEWINNT MAN DIE NOCH SECHS ANSTEHENDEN LANDTAGSWAHLEN,MIT GUTTENBERG WÄRE DAS INS AUGE GEGANGEN! ALSO WARUM DEM EX.DR.GUTTENBERG NACHTRAUERN?

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