Aufstand in Libyen Kampfjets beschießen die Demonstranten

In der Hauptstadt Tripolis eskaliert die Gewalt. Das Militär hat einen Demonstrationszug mit Kampfjets angegriffen. Staatschef Gaddafi zeigt sich im Staatsfernsehen. Verfolgen Sie das Geschehen im news.de-Ticker.

Eskalation in Libyen  (Foto)
Die Demonstranten lassen sich nicht vom hart durchgreifenden Regime einschüchtern. Teile der Armee sollen sich mit den Äufständischen verbündet haben. Bild: dpa

07.34 Uhr: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will heute in New York über die Lage in Libyen beraten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich angesichts der Berichte über Luftangriffe in Libyen empört  und rief zu einem sofortigen Ende der Gewalt auf. Zuvor hatte Ban mit dem libyschen Staatschef Muammar al Gaddafi gesprochen und diesen aufgefordert, das Blutvergießen zu stoppen, die Menschenrechte zu achten und die Zivilbevölkerung zu schützen.

07.08 Uhr: Erstmals seit Beginn der Unruhen in seinem Land hat sich der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi zu Wort gemeldet. Im Staatsfernsehen sagte er in der Nacht zum Dienstag: «Ich bin in Tripolis und nicht in Venezuela.» Er trat damit den Spekulationen entgegen, wonach er Libyen bereits verlassen haben soll.

06.35 Uhr: Nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira hat am späten Montagabend das Militär einen riesigen Demonstrationszug in Tripolis mit Flugzeugen angegriffen. Auch scharfe Munition werde eingesetzt, meldete der Sender unter Berufung auf Informanten. Al Dschasira sprach unter Berufung auf Augenzeugen von mindestens 61 Toten.  Ein Sohn Gaddafis wies die Berichte über Luftangriffe auf Tripolis und Bengasi zurück.

20.54 Uhr: Ein Transportflugzeug des österreichischen Bundesheeres mit etwa 60 EU-Bürgern sitzt offenbar am Flughafen in Tripolis fest. «Der gesamte Luftraum ist derzeit gesperrt», sagte ein Sprechers des Verteidigungsministeriums in Wien. Die Maschine hätte um 18.30 Uhr von Tripolis aus in Richtung Valetta auf Malta starten sollen. Zunächst hatte sich der Abflug verzögert, da die Passagiere, vorwiegend Geschäftsleute, Probleme hatten, rechtzeitig zum Flughafen zu kommen, meldete die Nachrichtenagentur APA.

20.40 Uhr: Venezuelas Regierung hat Berichte dementiert, wonach Gaddafi auf dem Weg in das südamerikanische Land sei. Der venezolanische Kommunikationsminister Andrés Izarra wies im TV-Sender Telesur entsprechende Angaben des britischen Außenministers William Hague zurück. Hague hatte in Brüssel gesagt, ihm lägen Informationen vor, nach denen sich Gaddafi auf dem Weg nach Venezuela befinden soll. Der libysche Machthaber hat sich seit der Eskalation der Gewalt in seinem Land nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet, was zu Spekulationen über seinen Aufenthaltsort geführt hat.Venezuelas Staatschef Hugo Chávez und Gaddafi sind befreundet.

19.56 Uhr: Vertreter Libyens bei den Vereinten Nationen fordern den Rücktritt Gaddafis. Der stellvertretende UN-Botschafter Ibrahim Dabbaschi erklärte, «das libysche Volk werde sich Gaddafis entledigen», sollte er sein Amt nicht niederlegen. Außerdem drängte Dabbaschi die internationale Gemeinschaft, eine Flugsperre über Libyen zu verhängen, um zu verhindern, dass Gaddafi und seine Sicherheitskräfte aus dem Ausland mit Söldnern, Waffen und Vorräten versorgt werden können.

18.57 Uhr: Die USA haben ihre Reisewarnung für Libyen verschärft. Familienmitglieder von Botschaftsbeschäftigten und nicht unbedingt notwendige Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung seien angewiesen worden, unverzüglich auszureisen, teilte das US-Außenministerium mit. Von Besuchen des Landes wurde abgeraten.

18.32 Uhr: Einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira zufolge haben die libyschen Behörden alle Festnetz- und Funktelefonverbindungen im Land unterbrochen.

18.28 Uhr: Die Vereinten Nationen haben Gaddafi zu schnellen Reformen gedrängt. Generalsekretär Ban Ki Moon habe heute mit Gaddafi telefoniert und «ausführlich diskutiert», sagte ein UN-Sprecher in New York. Dabei habe der Südkoreaner von Gaddafi gefordert, dass die Gewalt gegen Demonstranten sofort aufhören müsse. Grundlegende Freiheiten und Bürgerrechte wie das Recht auf Information und auf Versammlung müssten respektiert werden.

18.03 Uhr: Zwei libysche Kampfflugzeuge sind Medienberichten zufolge auf Malta gelandet. Die Militärflugzeuge erreichten demnach am Nachmittag die Inselrepublik. Vermutlich handele es sich bei den Piloten um Deserteure, berichteten maltesische Medien weiter. Eine offizielle Bestätigung hierfür gab es zunächst nicht. Kurz vor der Landung der Kampfjets hatten bereits zwei zivile Helikopter aus Tripolis mit sieben Menschen an Bord den kleinsten EU-Staat erreicht. Angesichts der schweren Unruhen in Libyen bereite Malta sich vor, als logistische Basis für ausreisende EU-Bürger zu fungieren, hieß es.

18.00 Uhr: Deutsche Staatsbürger sind nach Angaben von Außenamts-Staatsminister Werner Hoyer mit einer Lufthansa-Maschine vom libyschen Flughafen Tripolis ausgeflogen worden. Das Auswärtige Amt sei voll damit beschäftigt, die Menschen in Sicherheit zu bringen, sagte Hoyer in Brüssel am Rande des EU-Außenministertreffens. «Wir sind voller Sorge für die deutschen Staatsbürger», sagte Hoyer.

17:40 Uhr:  Nach Hinweisen Großbritanniens will der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi das Land verlassen. Der britische Außenminister William Hague sagte in Brüssel, es gebe Informationen, wonach Gaddafi auf dem Weg nach Venezuela sein könnte. Konkretere Angaben machte er nicht. Die EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton sagte, sie habe keine Hinweise darauf, wo sich Gaddafi aufhalte. Venezuela dementierte die Meldung dann allerdings.

16:45 Uhr: Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat die Behörden in Libyen aufgerufen, keine weitere Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden und den Zugang zu Internet und Mobilfunknetz wieder freizugeben. Die EU sei extrem besorgt über die Geschehnisse in Libyen und den Tod zahlreicher Demonstranten, erklärte sie.

16:24 Uhr: Die politischen Unruhen in der arabischen Welt sorgen auch an den Börsen der Region verstärkt für Turbulenzen. Rund um den Persischen Golf schlossen die meisten Aktienhandelsplätze erneut mit Abgaben und weiteten damit die deutlichen Verluste der Vortage aus.

16:23 Uhr:
Die Unruhen in Libyen stellen nach Einschätzung der EU-Kommission kein Problem für die Ölversorgung Europas dar. «Falls die Öllieferungen von Libyen in die EU unterbrochen würden, hätte dies nur kurzfristige, aber keine andauernden oder bedeutenden Auswirkungen auf die Versorgungsbilanz», sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Brüssel.

16:17 Uhr: Libyen versinkt in Chaos und Gewalt. In der Hauptstadt Tripolis und weiteren Städten sind die Proteste gegen den seit 42 Jahren herrschenden Staatschef Muammar al-Gaddafi eskaliert. Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Regimegegnern sollen mehr als 60 Menschen getötet worden sein. Das Parlamentsgebäude brannte nieder. Die zweitgrößte Stadt Bengasi, die Wiege der Proteste, im Osten Libyens fiel an die Gaddafi-Gegner. Teile der Armee liefen angeblich über. Nach Schätzungen sollen bislang an den fünf Protesttagen insgesamt 400 Menschen ums Leben gekommen sein. Der Revolutionsführer mied weiter die Öffentlichkeit.

16:15 Uhr:
Nach dem Tod von Hunderten Regimegegnern distanzieren sich immer mehr libysche Funktionäre von Staatschef Muammar al-Gaddafi und seinem Regime. Libysche Oppositionelle und arabische Medien meldeten am Montag, Justizminister Mustafa Abdul Dschalil habe seinen Rücktritt erklärt.

Auch der Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga in Kairo, Abdulmoneim al-Honi, gab inzwischen seinen Rücktritt bekannt. Die Arabische Liga hatte am Sonntagabend erklärt, der Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten in Libyen sei inakzeptabel.

15:59 Uhr: Wegen der Unruhen in Libyen hat die Bundesregierung deutsche Staatsbürger aufgefordert, das nordafrikanische Land zu verlassen. Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die staatliche Gewalt gegen Demonstranten und verlangte Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Libyen. «Wir stehen an der Seite derer, die für Freiheit als demokratisches Recht demonstrieren», sagte der FDP-Chef. 

knr/che/cvd/news.de/dpa/dapd

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