Olaf Scholz «Ich will wiedergewählt werden»

Olaf Scholz (SPD) (Foto)
Wollen die SPD wieder vorzeigbar machen: Parteichef Sigmar Gabriel (links) und sein Vize Olaf Scholz. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
Erst Arbeitsminister, dann Bürgermeister? Olaf Scholz (SPD) steht bei der Landtagswahl in Hamburg vor seinem nächsten Karriereschritt. Ein Kurzausflug soll es nicht werden. Über seine Ambitionen, seine Partei und schlaflose Nächte spricht er mit news.de.

Die Umfragen stehen gut. Und sie lassen die Sozialdemokraten nach der verlorenen Bundestagswahl wieder von alter Stärke träumen. Zumindest in Hamburg, wo heute eine neue Bürgschaft gewählt wird, rangierten die Genossen zuletzt vor der CDU. Geht es nach Olaf Scholz, dann soll es auch so bleiben. Wie alle Spitzenkandidaten wirbt der ehemalige Bundesarbeitsminister bis zur letzten Minute um Zustimmung. Dafür verteilte sein Sprecher mitunter in den letzten Tagen Drei-Minuten-Termine. Zeit, den news.de-Fragebogen zu beantworten, fand Scholz trotzdem:

Gerhard Schröder hat als Jungpolitiker am Zaun des Kanzleramts gerüttelt und gerufen: «Ich will hier rein!» Sie wollen Bürgermeister in Hamburg werden. War das eine spontane Idee oder haben Sie auch eine schöne Legende aus Jugendtagen zu erzählen?

Bürgerschaftswahl Hamburg
Was kommt nach Schwarz-Grün?
Wahlplakat in der Hamburger Innenstadt (Foto) Zur Fotostrecke

Olaf Scholz: Es war lange absehbar, dass die schwarz-grüne Koalition zu Ende geht. Die CDU hatte kein Personal mehr. Fünf Senatorenrücktritte in fünf Monaten waren für dieses Bündnis ein großes Problem. Die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg wollen nun den Wechsel und die SPD ist bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Erst als Ole von Beust das Handtuch geschmissen hat, ist die Koalition geplatzt und hat sich für die SPD die Chance auf Neuwahlen eröffnet. Haben Sie Ihm eigentlich schon persönlich gedankt?

Scholz: Die Hamburger SPD ist kein Ole-von-Beust-Fanclub. Aber die CDU ist nach dem Bruch der Koalition nicht gut mit ihm umgegangen.

Ole von Beust galt vielen Wählern jahrelang als fröhlicher, weltoffener und liberaler Bürgermeister. Welches Image und welchen Regierungsstil kann man von Ihnen erwarten, falls der Wahlsieg klappt?

Scholz: Die Stadt braucht eine pragmatische und seriöse Regierung. Dafür steht die SPD. Wir wollen, dass Klarheit, Vernunft und Verantwortung wieder Grundlagen der Senatspolitik werden.

Die Hamburg-SPD soll zum Auftakt des Superwahljahres den ersten Sieg einfahren und dadurch die Partei in anderen Ländern beflügeln. Spüren Sie den Druck auf Ihren Schultern und haben in ruhigen Stunden manchmal Angst vor dem Versagen?

Scholz: Ein gutes Wahlergebnis für die SPD in Hamburg kann natürlich auch eine große Ermutigung für die kommenden Landtagswahlen sein. Mir gefallen Wahlkämpfe, weil man die Gelegenheit hat, mit vielen zu sprechen. Der aktuelle Wahlkampf ist dabei etwas Besonderes. Es sind unglaublich viele Bürger zu unseren Veranstaltungen gekommen.

Viele Beobachter spekulieren über ein rotes Comeback. Ist es klug, die Hamburg-Wahl mit bundespolitischer Bedeutung aufzuladen?

Scholz: Wir konzentrieren uns auf Hamburg. Es geht um eine Bürgerschaftswahl und deshalb stehen in diesem Wahlkampf auch Hamburger Themen klar im Vordergrund.

Basierend auf den guten Umfragewerten gilt der SPD-Wahlsieg als sicher. Fürchten Sie, dass Ihre Partei auf den letzten Metern ein Mobilisierungsproblem bekommen könnte? Immerhin könnte die Wähler das Gefühl beschleichen, dass Ihre Stimmen nicht mehr wichtig sind.

Scholz: Wir machen Wahlkampf bis zur letzten Minute. Wir wollen, dass aus den guten Werten bei den Umfragen auch gute Wahlergebnisse werden. Es geht um jede Stimme, übrigens auch von denen, die in der Vergangenheit FDP oder CDU gewählt haben. Ihnen sagen wir: diesmal SPD.

Laut Umfragen dürfen sie sich über ein Ergebnis jenseits der 40 Prozent freuen, vielleicht reicht es sogar zur absoluten Mehrheit. Verdanken Sie diesen Höhenflug nicht vor allem der Schwäche der CDU?

Scholz: Die SPD hatte schon vor dem Bruch des schwarz-grünen Bündnisses zu alter Stärke zurückgefunden. Das belegen nicht nur die Umfragen der letzten zwölf Monate, wo wir immer vorn lagen. Man hat die Wechselstimmung in der Stadt schon seit längerem gespürt. Nach fast zehn Jahren sind die Hamburgerinnen und Hamburger mit der CDU durch. Allerdings wäre der Zuspruch, den die SPD momentan erfährt, nicht so groß, wenn man uns nicht auch zutrauen würde, die Stadt wieder gut zu regieren. Es ist also nicht nur die Schwäche der anderen, die uns gut da stehen lässt.

Seit der verpatzten Bundestagswahl hat sich die SPD bislang sehr schwer getan, in den Umfragen zuzulegen. Steht zu befürchten, dass mögliche Landtagswahlsiege über die eigentliche Situation der Partei hinwegtäuschen und den Erneuerungsprozess im Bund behindern?

Scholz: Ich habe nach der letzten Bundestagswahl gesagt, dass man Vertrauen nur in einem Langstreckenlauf zurückgewinnen kann. Deshalb rate ich meiner Partei zu großer Gelassenheit und Ernsthaftigkeit.

Was hat sich aus Ihrer Sicht in der SPD seit der verpatzten Bundestagswahl geändert?

Scholz: Wir sind gut aufgestellt. Die wenigsten hätten der SPD zugetraut, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit einen Neuaufbau so überzeugend zu gestalten. Sicherlich hat uns dabei geholfen, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung das Land nicht regiert. Wir wissen aber auch: das Vertrauen zurückzugewinnen, das wir verloren haben, wird ein längerer Prozess.

Nehmen wir an, Sie werden zum Bürgermeister gewählt. Wären Ihre bundespolitischen Ambitionen damit tot? Oder kommen Sie nach ein, zwei Legislaturperioden zurück nach Berlin?

Scholz: Ich will Hamburger Bürgermeister werden, und ich will so gut regieren, dass ich in dieses Amt wiedergewählt werde.


Fakten, Hintergründe, Analyse: Verfolgen Sie live ab 17 Uhr die Wahl-Berichterstattung aus Hamburg und Berlin auf news.de!

Olaf Scholz (SPD) wurde 1958 in Osnabrück geboren. Seit früher Kindheit lebt er aber in Hamburg-Altona. In der Großen Koalition war er von November 2007 bis Oktober 2009 Bundesarbeitsminister. Seit November 2009 ist er auch stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Er ist verheiratet.

cvd/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • melanie
  • Kommentar 3
  • 21.02.2011 13:42

Es scheint doch was wahres dran zu sein. Wenn eine Mehrheit behauptet die politische Vernunft, nimmt mit der Meereshöhe ab. Ich glaube doch langsam dran, wenn auch nicht gern

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  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 20.02.2011 16:10

Die Guten gehen, der Schrott bleibt. So viel zum Zustand der Bundes-SPD.

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  • oliver
  • Kommentar 1
  • 20.02.2011 11:10

Liebe Nichtwähler und Großkreuziger, nicht Wählen bringt nur die Etablierten nach vorne. Wahltag ist Zahltag www.ich.waehle.keine.von.den.5.de und tuen sie mir doch einen kleinen gefallen. 1) Schicken sie alle Muselmänner nach Muselmanien. 2) Der verlorene Indogermanische Stamm in der Türkai benötigt ein Kurdistan. 3) Bei erfolg nehmen die Alevitianer ihren Fluch auch bitte wieder mit nach Alevitianien.

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