Wahl in Hamburg Live: Zwischen großer Party und großer Trauer

In Hamburg ist der Startschuss gefallen: Das Superwahljahr hat begonnen. Nach allem Vorgeplänkel kommen nun die Fakten auf den Tisch. In welche Richtung geht das politische Deutschland? News.de berichtet live aus Hamburg und Berlin.

Bürgerschaftswahl in Hamburg: Wahlparty SPD (Foto)
SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz feiert in Hamburg. Bild: dapd

20 Uhr: Der Riss geht quer durch die Hansestadt: Die Sozialdemokraten feiern und können ihr Glück kaum fassen. Die Christdemokraten sind enttäuscht, nur noch wenige stehen da und diskutieren das Ergebnis. Morgen geht die politische Aufarbeitung der Wahl los. Die Parteigremien tagen in Berlin. Analysen und Personalentscheidungen stehen an.

19.45 Uhr: Die Siegerparty der Berliner SPD findet ohne Prominenz statt. Nach einem kurzen Bad in der Menge verschwinden die Vorstandsmitglieder wieder hinter verschlossenen Türen. Um 20.30 Uhr gehen die Verhandlungen zu Hartz-IV weiter. Dann treffen Sieger und Verlierer wieder aufeinander. Ob es sich in so einer Stimmungslage gut verhandeln lässt? Für Thomas Oppermann kein Problem. «Wir sind Profis und in der Lage, im Kopf umzuschalten», sagt der Parlamentarische Geschäftsführer. Bei Manuela Schwesig kann man sich das kaum vorstellen. Die Vize-Parteichefin sieht müde aus. Die Augen sind rot. Doch der Parteiboss zerstreut alle Zweifel. «Der Erwin», sagt Gabriel und meint damit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten, «hat uns sein bestes Stück geschickt.» Schwesig lächelt gequält.

Bürgerschaftswahl: Triumph für die SPD

19.30 Uhr: Die erste Hochrechnung ist da, aber einigen Christdemokraten ist heute in Hamburg nicht zum Feiern zu Mute. Sie nehmen sich die Mäntel und gehen. Andere Essen noch etwas und debattieren über die Gründe des Wahldesasters. «Ich habe Ratlosigkeit am Wahlzettel erlebt», sagt eine CDU-Frau und meint den großen Zettel mit so vielen Namen, wie nie zuvor. Das neue Wahlrecht machte ihn möglich. Doch der kann für den CDU-Sturz nicht verantwortlich sein, schließlich mussten alle Wähler mit ihm klar kommen.

19 Uhr: Die Genossen haben ein Problem weniger. Schwarz-Grün ist tot. «Für die Grünen ist Hamburg eine wichtige Lernbotschaft», sagt der Parlamentarische Geschäftsführer, Thomas Oppermann, zu news.de. Seit zwei Jahren arbeitet die Ökopartei daran, dass Koch-Kellner-Verhältnis umzudrehen. Auch deshalb haben sie in Hamburg einer schwarz-grünen Ehe zugestimmt. Doch der Flirt hat ihnen nichts gebracht - außer mageren 11 Prozent. Verglichen mit dem Bundestrend sei das kein gutes Ergebnis, ätzen sie im Berliner Willy-Brandt-Haus. Ob die Ökopartei jetzt in den Schoß der Sozialdemokraten zurückkehren wird? Für Oppermann ist die Sache klar: «Sie werden schon begreifen, dass man aus Bündnissen mit der Union nicht unbeschadet rauskommt.»

18.40 Uhr: Hamburg ist im Scholz-Fieber. Der zukünftige Bürgermeister tritt vor die Genossen auf der Wahlparty in der Fabrik. «Der nächste Bürgermeister wird ein Sozialdemokrat sein», sagt er noch zurückhaltend. Schreie und Jubel. Es ist sein Tag, er weiß das und grinst. «Es gibt den Wunsch nach seriöser Politik», sagt Scholz im Augenblick eines großen Wahlerfolges. Man werde die Erwartungen erfüllen und das machen, was man vorher versprochen habe.

18.35 Uhr: Gabriel, Schwesig, Steinmeier: In Berlin tritt der Vorstand auf die Bühne. Das Ergebnis ist historisch. «Nicht nur für uns, auch für die anderen», ruft Parteichef Gabriel seinen Freunden zu - und erntet große Lacher. Zu weit will er sich aber nicht vordrängeln an diesem Abend. «Der Erfolg hat einen Namen: Olaf Scholz», sagt er. Doch der ist nicht da. Die Genossen begnügen sich deshalb mit «Sigi, Sigi»-Rufen.

Bürgerschaftswahl Hamburg: Was kommt nach Schwarz-Grün?

18.30 Uhr: Die Hamburger CDU möchte sich vor dem Zerfall retten. Auch Landesvorsitzender Frank Schira will zu seiner Verantwortung stehen. «In welcher Form, das entscheidet ihr», ruft er den Christdemokraten entgegen und bekommt mehr Applaus als Ahlhaus. Man dürfe allerdings nicht so weiter machen, wie bisher.

18.14 Uhr: In Hamburg wird umgeplant: Ahlhaus tritt vor seine Mitglieder. Das war erst später geplant. «Ich will nichts beschönigen, es ist eine herbe Niederlage», sagt er und bekommt braven Applaus von den 500 CDUlern. Der bisherige Bürgermeister spricht von einer «Stunde der Schmerzen und der Ratlosigkeit». Er analysiert bereits: zu wenig Zeit, Schwarz-Grün. Das seien die Gründe der Niederlage. Ahlhaus kündigt an, sich der Verantwortung zu stellen und sein Mandat anzunehmen.

18.10 Uhr: Jubel, Trubel, Heiterkeit: Im Willy-Brandt-Haus in Berlin schaut man nur in strahlende Gesichter. Kaum ist die Prognose über den Bildschirm geflackert, brüllen die Genossen ihre Freude heraus. Sie hatten ja gehofft, doch jetzt verschlägt es ihnen die Sprache. «Der Wahnsinn», jubelt einer. «Genial. Sensationell», ein anderer. «Wir tanzen jetzt auf den Tischen.» Mehr bringen sie vorerst nicht heraus. Ein Genossen schweigt und genießt. Er schwenkt pausenlos eine St.-Pauli-Fahne.

18.05 Uhr: Sie stehen einfach nur da. Schock. Starre. Entsetzen. Die Kinnladen der CDU-Mitglieder in Hamburg kippen nach unten, als die erste Prognose über den Bildschirm flimmert. «Das ist übertrieben», sagt einer. «Das kann ja wohl nicht angehen», ein anderer. Spitzenkandidat Christoph Ahlhaus ist zum Trösten noch nicht da. Er sitzt mit seiner Frau im Rathaus. Sein letzter Tag als Bürgermeister. Die Sozialdemokraten jubeln bei ihrer Party. Olaf Scholz genießt seinen Erfolg am heimischen Fernseher.

17:50 Uhr: Nur noch zehn Minuten bis zur ersten Prognose. Das Ende der Wahl soll gleichzeitig die zehnjährige Abstinenz der Roten im Hamburger Rathaus beenden. Doch in Berlin ist die Abstimmung an der Elbe längst nicht das einzige Thema. Parallel tagt der Hartz-IV-Ausschuss. Und die Guttenberg-Affäre um die gefälschte Doktorarbeit ist auch noch nicht ausgestanden. Die Parteispitzen haben viel zu bereden an diesem Abend.

17.40 Uhr: «Wir gehen stark in die Opposition», sagt eine CDU-Frau in Hamburg. Hier hat man sich scheinbar mit der Niederlage abgefunden, obwohl ein Fünkchen Hoffnung noch vorhanden ist. 27 Prozent seien wohl drin. Die letzte Umfrage sah die Christdemokraten bei 25 Prozent. Es werden eben kleinere Brötchen gebacken, das zeigt auch der Blick auf die Speisefolge: Frikadellen und Currywurst «Klassisch». Noch 20 Minuten bis zur ersten Prognose.

17.30 Uhr: Entspannung pur im Willy Brandt-Haus in Berlin. An weißen Tischen machen es sich die Genossen mit Weißweinschorle und Brezel gemütlich. Die Prognosen lassen Feierstimmung vermuten. Träumen sie hier von der absoluten Mehrheit? «Eine Alleinregierung wäre schön, aber es ist eigentlich nicht nötig», sagt ein Mitglied. Er hat nur ein Ziel vor Augen: Die FDP soll draußen bleiben. «Der Haufen ist ja nicht mehr zu ertragen.»

17.15 Uhr: An der SPD-Zentrale in Hamburg weht ein riesiges Plakat im Wind. «Olaf Scholz - Erster Bürgermeister für Hamburg» steht da drauf. So, als wäre die Wahl bereits gelaufen. Der türkische Taxifahrer davor hat schon gewählt, er hält mehr von der CDU. «Die haben ganz gut gearbeitet in den letzten Jahren», sagt er und fährt weiter. Die Sozialdemokraten selbst wollen sich ab 17.30 Uhr in der Fabrik feiern, die Zentrale an der Kurt-Schumacher-Allee bleibt verwaist.

17 Uhr: Die CDU lädt zur Wahlparty in Hamburg. Die Christdemokraten haben sich das elegante Hotel Grand Elysée ausgesucht. Ob es etwas zu feiern gibt, wird sich in einer Stunde herausstellen. Spitzenkandidat und Noch-Bürgermeister Christoph Ahlhaus wird nach der Veröffentlichung der ersten Prognose zu einem Statement erwartet. Alle Umfragen zeigen ihn als klaren Wahlverlierer.

17 Uhr: In der Hauptstadt wird zwar tief gestapelt: «Es ist ja nur eine Kommunalwahl», zitiert die Main-Post aus Berliner Politkreisen. Aber für alle Parteien steht in Hamburg viel auf dem Spiel. Die CDU könnte einen Regierungschef verlieren, die SPD will endlich das Siegergen wieder entdecken, die Grünen ihre Umfragewerte bestätigen, die FDP ihren Abwärtstrend aufhalten und die Linke sich im Westen weiter verankern. In Berlin beginnt das große Zittern.

In Hamburg scheint am Morgen des Wahltages die Sonne. Für wen sie am Abend noch scheint, ist nach den letzten Umfragen schon fast abzusehen. Die CDU steht vor dem größten Wahldebakel in der Hansestadt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die SPD kann die einstige Macht wieder erlangen. Olaf Scholz spricht im news.de-Interview klar von Sieg und macht sich bereits Gedanken über die Legislatur hinaus.

cvd/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • linksgrüne Union
  • Kommentar 2
  • 20.02.2011 19:12

Wenn ich linke Politik will, wähle ich SPD/SED, wenn ich Multi-Kulti will, wähle ich die deutschfeindl. Grünen. ABER von der Union erwarte ich konservative Politik. Die sozialistische Einheits-Verdummungs-Schule IST NICHT KONSERVATIV. Die SPD wird auch scheitern, denn sie kann ihre Wahlversprechen nicht halten. Bereits jetzt macht Hamburg jedes Jahr einen Berg Schulden. Wie wollen sie die Abschaffung der Semester-/Kita-Gebühren bezahlen? Ausländer heimschicken, dann ist genug Geld da.

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  • oliver
  • Kommentar 1
  • 20.02.2011 18:01

Ich hoffe doch, dass viele Nichtwähler mal das Spiel:"Ich wähle keine von den 5 gespielt haben." Das Wahlsystem ist vollkommen verblendend und uninteresdsant, da man Programmatisch nichts beeinflussen kann. Die Politik sollte das SChweizer Modell angehen und das Ausschaffungsgesetz starten.

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