Wahl in Hamburg Heyenn kämpft für sechs Prozent

Alles könnte so gut aussehen für die Hamburger Linke und ihre Spitzenkandidatin Dora Heyenn. Wenn da nur nicht das «K-Wort» der Linken-Chefin Gesine Lötzsch gewesen wäre. Das hat Stimmen gekostet. Heyenn glaubt dennoch an den Einzug der Linken in die Bürgerschaft.

Wahlkampf in Hamburg (Foto)
Wahlkampf in Hamburg: Die Linken-Spitzenkandidatin Dora Heyenn Bild: dapd

Dora Heyenn konnte sich lange in Sicherheit wähnen. Seit Jahren fuhr ihre Partei - Die Linke - zwischen sechs und acht Prozent in Hamburger Umfragen ein. Doch seit Bundeschefin Gesine Lötzsch eine Diskussion um das K-Wort entfachte, muss Heyenn um den Verbleib in der Bürgerschaft bangen. «Die Kommunismus-Debatte hat uns Zuspruch in den Umfragen gekostet, das muss man ganz deutlich sagen», gesteht Heyenn. Zuvor sei die Partei konstant gewesen, nun dümpele sie bei fünf bis sechs Prozent herum. Doch Heyenn ist eine leidenschaftliche Politikerin mit festen Überzeugungen: «Je stärker die Linke, desto sozialer die Stadt.»

Heyenn wurde  am 16. Mai 1949 auf der Ostseeinsel Fehmarn geboren. Inspiriert vom «pragmatischen und kompromisslosen» Jochen Steffen, dem einstigen Landesvorsitzenden in Schleswig-Holstein, trat sie 1971 in die SPD ein - «voller Enthusiasmus», wie sie rückblickend beschreibt. Fast 30 Jahre engagierte sich Heyenn in der schleswig-holsteinischen SPD und gehörte auch dem Landtag in Kiel an.

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Austritt aus der SPD nach Unzufriedenheit mit Schröder-Politik

1999 verließ die Mutter dreier Kinder jedoch die Partei. Unzufrieden war sie mit der Politik des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD). Die Sozialdemokratie habe «zu oft ihre Grundsätze verraten». In den folgenden Jahren kehrte die Biologie- und Chemielehrerin der Politik den Rücken. So ganz ohne Engagement wollte Heyenn getreu der 1968er-Generation, aus der sie kommt, dann doch nicht sein: Auf Dauer könnte sie nicht damit leben, nur zu Hause zu sitzen, sich über die Zustände zu beklagen und nichts zu unternehmen. Also beteiligte sich die dreifache Mutter 2005 an der Gründung der WASG, die 2007 mit der PDS zur Partei Die Linke verschmolz.

«Ich hätte mir nie träumen lassen, mal als Spitzenkandidatin der Hamburger Linken zu fungieren», erklärt die Fraktionschefin, die nach wie vor an einer Schule unterrichtet. Sie wird nicht müde zu betonen, welche Themen sie belasten, mit welchem «geballten Elend» sie konfrontiert wird, wenn sie Hausbesuche macht. «Hamburg ist in nahezu jedem Stadtteil zutiefst zwischen Armut und Reichtum gespalten», kritisiert Heyenn, die für betroffene Kinder etwas bewegen will, kostenlose Kita-Plätze und das Ende von Hartz IV anstrebt.

 Kommunismus-Debatte nur ein Zwischentief

Dass sie bei ihrem Kampf gegen Ungerechtigkeit derzeit noch die Auswirkungen der Kommunismus-Debatte um Lötzsch spürt, bewertet Heyenn nur als Zwischentief: «Es gibt Anzeichen auf Bundesebene, dass es wieder aufwärts geht. Inhaltlich hat dieses Thema für die Hamburger Linke nie eine Rolle gespielt und jetzt im Wahlkampf schon gar nicht.» Die Diskussion um den Lötzsch-Artikel in der linken Zeitung Junge Welt hatte sie vor Wochen schon als «Hysterie» bezeichnet.

Hinzu kommt, dass die Linke mit Lafontaine und Gregor Gysi «die beiden Politiker mit der besten Rhetorik» hierzulande in ihren Reihe habe - ideal für einen Wahlkampf. So ist Heyenn optimistisch, dass ihrer Partei mit einem ähnlichen Ergebnis wie bei der Bürgerschaftswahl 2008 (6,4 Prozent) erneut der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelingt. Schließlich hat sie ein Lebensmotto: «Jetzt erst recht!»

knr/mat/news.de/dapd

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • churchill
  • Kommentar 4
  • 20.02.2011 21:04
Antwort auf Kommentar 3

Die Linke steht für selbstzerstörung und nichts anderes wird passieren, wenn diese Feudalherren den Bürgern alles weggenommen haben. Mit so einer Partei bekommen wir den Staatsbankrot wie in Griechenland nach nur wenigen Jahren, haben eine Bombenstimmung in allen Multikultigroßstädten und können uns freuen über verblendete, ideologische Bevormundung. Anschließend bekommen unsere Kinder in der Schule erklärt wie toll die Ideologie der Einheitspartei docj ist und wie schlecht es den Menschen in Ländern geht ohne dieser Einstellung. NEIN DANKE!!! Meine Religionsgemeinschaft wähle ich selbst.

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  • Osterburg
  • Kommentar 3
  • 19.02.2011 22:35
Antwort auf Kommentar 1

Auch manch hier zu lesende einfältige Polemik ändert nichts daran:die Linke steht wie keine Partei sonst für das Soziale in der Innenpolitik und die demokratiegefährdende Machtansprüche - von wem auch immer.Deshalb die Linke-was sonst.

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  • oliver
  • Kommentar 2
  • 19.02.2011 16:53

Wie ich es von meiner Schulzeit kenne:"Lehrer sind die letzten Vögel!" Wer die Linke wählt ist selber schuld, hoffentlich bleiben die Hamburger von so einer Partei verschont. Wenn ich einer Religionsgemeinschaft beitreten will, dann suche ich sie mir lieber selber aus, als Linkspartei zu wählen. Ausseer Ideologie und Feudalismus mit Blendwerken ist nichts drin in dieser Partei.

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