Wahl in Hamburg Die späte Rache des «Scholzomaten»

Olaf Scholz (SPD) (Foto)
Gestern Arbeitsminister, morgen Bürgermeister? Olaf Scholz (SPD) könnte in Hamburg die absolute Mehrheit gewinnen. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Hamburg
SPD-Allzweckwaffe, Strippenzieher und bald Stadtoberhaupt? Olaf Scholz steht in Hamburg kurz vor der Machtübernahme. Zufall ist das nicht. Dahinter stecken Talent und harte Arbeit eines Mannes, der aus dem Hohn und Spott früherer Jahre gelernt hat.

Ist Olaf Scholz eher ein Wadenbeißer oder eine Witzfigur? Es gab einmal eine Zeit, da war für die CDU die Antwort ganz klar. Da sorgte der Generalsekretär der SPD ständig für Erheiterung beim politischen Gegner. Man steckte ihm ein Streitthema zu – und aus ihm sprudelte statt eines kernigen Spruchs eine belanglose Floskel heraus. Und weil das mit einer hundertprozentigen Zuverlässigkeit funktionierte, verpasste man dem Sozialdemokraten schnell den passenden Spitznamen: «Scholzomat».

Doch diese Zeiten sind vorbei. Längst ist der Union das Lachen vergangen. Denn der «Scholzomat» ist kurz davor, es der CDU heimzuzahlen. Am Sonntag wird in Hamburg eine neue Bürgerschaft gewählt. Und Scholz, 52, verheiratet, hat beste Chancen, der schwarzen Stadtregierung die Macht zu entreißen. «Ich will nicht Bürgermeister werden, weil bislang alles schlecht war, sondern weil man es besser machen kann», sendet Scholz dieser Tage eine freundliche Spitze in Richtung des alten Gegners – wohl wissend, dass ihm die Umfragen einen erdrutschartigen Sieg verheißen. So liegt die SPD bei rund 46 Prozent, was für die absolute Mehrheit reichen könnte, wenn die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.

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Scholz wirkt zufrieden. Man kann es ihm auch nicht verdenken. Schließlich ist es zu einem Großteil ihm zu verdanken, dass die SPD nach zehn Jahren in der Opposition zu einem neuen Höhenflug ansetzt. Die Wahlniederlage im Jahr 2001 und das Ende der 40-jährigen Vorherrschaft an der Elbe setzte der Partei lange zu. Statt sich an CDU-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) abzuarbeiten, konzentrierten sich die Genossen jahrelang auf Grabenkämpfe untereinander. Erst als Scholz im November 2009 zum zweiten Mal den Parteivorsitz übernimmt, kehrt Ruhe in die zerstrittene Partei ein. «Wer bei mir Führung bestellt, muss wissen, dass er sie dann auch bekommt», ließ er in der taz verlauten.

Die Rolle des Rechtspopulisten füllt Scholz nur mühsam aus

Vom verspotteten Generalsekretär zum gefeierten Bürgermeisterkandidaten – für Olaf Scholz war es ein langer Weg. In Berlin kannte man ihn zwar schon länger als politisches Organisationstalent. So wird er von Leuten, die ihm nahestehen, als zielstrebig und fleißig beschrieben. Doch es bedurfte einiger politischer Ämter und Niederlagen, bis Scholz begriff, wie er seine Talente besser zur Geltung bringen kann.

Zum ersten Mal machte er 2001 öffentlich von sich reden. Es ist der damalige Bürgermeister Ortwin Runde (SPD), der Scholz aus dem Bundestag holt und ihn im heraufziehenden Wahlkampf zum Innensenator ernennt. Scholz, ein Kaufmannssohn aus Hamburg-Altona, soll dem Rechtspopulisten Ronald Schill Paroli bieten. Der junge Abgeordnete nimmt die Rolle dankend an, posiert mit Polizei-Schlagstock für die Kameras und befürwortet, dass die Drogenfahnder der Stadt Straßendealern gegen ihren Willen Brechmittel verabreichen dürfen – nur um zu überprüfen, ob sie die heiße Ware vor der Festnahme möglicherweise verschluckt haben.

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Doch die Hardliner-Rolle kommt beim Wähler nicht an. Die Wahl geht haushoch verloren – und Scholz zieht es zurück nach Berlin. Statt an der Elbe kämpft er sich an der Spree die Karriereleiter hoch.Erst Generalsekretär, dann Parlamentarischer Geschäftsführer, schließlich Bundesarbeitsminister – mit jedem neuen Job gewinnt Scholz an Statur.

Vor allem seine Ministerzeit in der Großen Koalition ist von Erfolg gekrönt. Mitten in der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten führt er die Kurzarbeit ein. Sie sorgt dafür, dass erst ein Großteil der Stammbelegschaft trotz Auftragsflaute in den Betrieben gehalten werden kann und schließlich die Produktion mit Ende der Krise wieder schneller hochgefahren wird als in allen anderen Ländern. Und für Scholz bleibt am Ende eine wichtige Erkenntnis: nämlich, dass es in der Politik nicht nur Polarisierer, sondern auch Machertypen braucht.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Scholz kein Wahlkampf-Clown mehr sein will

Heute verzichtet er deshalb auf die Rolle als Wahlkampf-Clown. Seiner Hamburg-SPD hat er 2011 einen unaufgeregten Sachwahlkampf verordnet. So etwas entspricht viel eher seinem Naturell. Seit Wochen tingelt er mit seiner Bürgerreihe «Scholz im Gespräch» durch die Vororte der Hansestadt – und das mit wachsendem Erfolg. Während Amtsinhaber Christoph Ahlhaus (CDU) um seine Bekanntheit kämpfen muss, ist Scholz ein gefragter Mann. Sein Sprecher verteilt mittlerweile schon Drei-Minuten-Termine, um allen Anfragen gerecht zu werden. Derweil bemüht sich der Kandidat, seine Freude über den großen Vorsprung nicht zu deutlich heraushängen zu lassen. Überheblichkeit ist durchaus ein Attribut, das ihm in früheren Jahren angeheftet worden ist.

Doch Scholz hat gelernt, sich zurückzunehmen. Diese Fähigkeit trug er erst kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung in einem Hamburger Edelhotel zur Schau. Keine Fanfare und kein Vorredner hatte ihn angekündigt. Statt eines Triumphmarsches durch die Reihen, wie bei manch anderem durchaus üblich, hatte sich der Kandidat einfach durch die Seitentür geschlichen und stand plötzlich vorne im Saal. Die Fotografen, die genauso überrascht waren wie die 150 geladenen Gäste, drückten hektisch auf die Auslöser. Unbeeindruckt erklomm Scholz die Bühne, wartete kurz und bat dann freundlich die Pressemeute, sich doch hinzusetzen. «Wenn die Herrschaften ihre Arbeit beenden würden, dann könnte ich mit meiner beginnen», sagte er grinsend. Die Pointe saß. Amüsiert zogen die Fotografen ab.

Dröge Sachlichkeit: Die CDU kommt gegen Scholz nicht an

Die Bühne hätte fortan ausschließlich Scholz gehört. Schließlich ist er der Kandidat. Doch auf eine Ein-Mann-Show hat es Scholz nicht mehr abgesehen. Nach einer kurzen Begrüßung überließ er seinen Parteifreunden Frank Horch und Gerhard Schröder das Mikrofon. In der anschließenden Diskussionsrunde spielte der Kandidat dann den Moderator, der die Debatte mit gezielten und klugen Fragen vorantreibt.

In der CDU kommt man mit der neuen Sachlichkeit von Scholz nur schwer zurecht. Alle Versuche, am Bild des Shootingstars der Hamburger Politikszene zu kratzen, gingen bislang schief und treiben den Unionswahlkämpfern mittlerweile die Zornesröte ins Gesicht. Nachdem Scholz sein Regierungskonzept vorgestellt hatte, warf Senator Dietrich Wersich dem SPD-Mann öffentlich «Verarsche» vor – und schoss damit weit übers Ziel hinaus. Denn die versuchte Polarisierung wurde schnell zum Bumerang. «Unsere guten Umfragewerte beflügeln anscheinend auch die Umfrageverlierer», konterte Scholz kühl. «Anders kann ich mir die abnehmende Contenance nicht erklären.»

Es ist kein markiger Spruch. Es ist aber auch keine Floskel. Es ist ein Satz von Olaf Scholz.

che/reu/news.de

Leserkommentare (12) Jetzt Artikel kommentieren
  • marty
  • Kommentar 12
  • 21.02.2011 13:49

@Oberhacki: Oberlehrer!

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  • marty
  • Kommentar 11
  • 21.02.2011 13:46
Antwort auf Kommentar 5

@Ragnaroeckchen Zugrunderichten? Das hat die CDU mit ihrem Wahnsinnsprojekt Gigantooper schon erledigt. Mal sehen ob der Olaf Scholz das wieder geradebiegen kann.

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  • von Gelee
  • Kommentar 10
  • 19.02.2011 21:30
Antwort auf Kommentar 9

Armer Willi! Die faule "Sau"großgeschieben,habe ich bewußt weggelassen,umso einen THOR wie dich schreiben zu lassen.Ist ja auch gelungen. Bitte nun um die Aufarbeitung im Detail meines Textes.Bin und das Forum hat den Spaß,gespannt! Du Arsch!ALSO Dein Latein,mein Komma,Großschreibung und Kleinschreibung. Nu mach aber auch,wollen doch deinen Geist in uns wirken lassen,du Interpunktiosorthograpist. Auch nach der neuen "Schönschrift"? Mach alle schlau.Grüße an den Herrn zu Ab-Kupfer!Hat wohl schon alles versilbert und will sich seinen Arsch nun noch vergoldenen lassen?!

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