Demos in Dresden «Wir sind dort, wo die Nazis sind»

Dresden Nazifrei (Foto)
Nazifrei - Dresden stellt sich quer: Unter diesem Motto sollen auch in diesem Jahr die Nazis aus Dresden vertrieben werden. Bild: dresden-nazifrei.com

Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle
Das «Bündnis Dresden Nazifrei» will sich den Rechten am 13. und 19. Februar entgegenstellen. News.de sprach mit Sprecherin Judith Förster über Formen des Protests und Konflikte mit der Stadt.

Das Ordnungsamt Dresden hat den von Ihrem Bündnis geplanten Mahngang «Täterspuren» auf die andere Seite der Elbe verlegt. Was sagen Sie dazu?

Förster: Die Verlegung auf die Neustädter Seite von Dresden kommt für uns einem Verbot gleich, denn damit wird der inhaltliche Zweck nicht erreicht. Wir klagen jetzt dagegen, weil diese Art des Umgangs ein mangelndes Demokratieverständnis der Stadt Dresden zeigt. Das werden wir so nicht akzeptieren. Es ist ein Skandal, dass uns die Versammlungsfreiheit abgesprochen wird. Für uns ist eindeutig, dass das Ordnungsamt sich inhaltlich nicht mit dieser Situation auseinandergesetzt hat.

Auf Ihrer Webseite kündigen Sie an, dass der Rundgang trotzdem stattfinden wird. Fürchten Sie keine Sanktionen, wenn Sie sich dem Verbot widersetzen?

Förster: Wir wollen mit dem Gedenkgang unser Recht einfordern, auf die Gedenkkultur der Stadt einzuwirken und mobilisieren weiterhin für diesen Rundgang in die Altstadt. Es kann maximal zu einem Platzverweis kommen. Es ist keine Demonstration, es ist keine Störaktion. Es ist wirklich nur ein Gedenkrundgang auf den Spuren der Täter. Es ist keine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat.

Welche Aktionen hat das Bündnis neben dem Mahngang noch geplant?

Förster: Am 13. Februar wollen wir um 14 Uhr eine Kundgebung am Hauptbahnhof durchführen. Allerdings wurde auch diese Veranstaltung - wie alle unsere Veranstaltungen - in die Neustadt verlegt. Wir werden aber weiterhin dazu mobilisieren, zum Hauptbahnhof zu gehen, um unser Recht auf Protest in Hör- und Sichtweite der Nazis durchzusetzen - das ist ja eigentlich vom Bundesverfassungsgericht auch gegeben.

Dieses Jahr wird es einen zweiten Aufmarsch geben. Womit rechnen Sie am 19. Februar?

Förster: Am 19. findet der Großaufmarsch der Nazis statt. Dort werden wir ab den Morgenstunden Massenblockaden organisieren. Wir werden uns den Nazis entgegenstellen - wir werden dort sein, wo die Nazis sind. Die genauen Pläne geben wir auf unserer Website noch bekannt. Im letzten Jahr wurde die Route der Nazis erst einen Tag vorher bekannt. Wir sind aber auf verschiedene Szenarien vorbereitet und können darauf reagieren. Und wir rufen gezielt zu hellen und bunten Aktionen auf. Jeder, der noch eine Vuvuzela zu Hause hat, kann die gerne mitbringen.

Was erhoffen Sie sich von den Aktionen Ihres Bündnisses?

Förster: Wir wollen den 13. Februar inhaltlich lösen und den vermeintlichen Trauermarsch der Nazis stören. Wir wollen auf die Täter aufmerksam machen, darauf, dass es nicht nur Opfer gab. Der Opfermythos, an den die Nazis anknüpfen, soll nicht mehr zum Tragen kommen. Am 19. wollen wir ganz klar den Großaufmarsch verhindern, wie wir es im letzten Jahr ja auch erfolgreich getan haben.

Werden Sie in diesem Jahr wieder Erfolg haben?

Förster: Wir glauben, dass sich die Aktion vom letzten Jahr wiederholen lässt. Wir haben zur Zeit eine sehr gute Mobilisierung. Mehr als 250 Busse sind angemeldet, die am 19. nach Dresden kommen. Wir rechnen mit einem Naziaufgebot von etwa 4000 bis 5000 Nazis. Wenn wir genauso viele werden wie im letzten Jahr, dann wird es definitiv wieder ein Erfolg werden. Die Situation in diesem Jahr ist allerdings mit der Schwierigkeit verbunden, dass es zwei Termine gibt. Deshalb haben wir uns auch dazu entschieden, zum ersten nur regional zu mobilisieren und zu dem anderen dann auch deutschland- und europaweit aufzurufen. In diesem Jahr kommen unter anderem auch Busse aus Schweden und der Schweiz.

Wie ist der Zuspruch derzeit auf die Kampagne und das Bündnis Dresden Nazifrei?

Förster: Wir rechnen mit 14.000 Gegendemonstranten, etwas mehr als im vergangenen Jahr. Durch den Erfolg beim letzten Mal hat sich unser Bündnis noch verbreitert - vom Antifa-Spektrum über Parteien bis hin zu lokalen Gruppen und Organisationen. Wir haben auch aus der Kultur und Politik großen Zuspruch bekommen. Bekannte Unterstützer sind beispielsweise Bands wie die Beatsteaks, Tocotronic, Die Toten Hosen, Bela B., Fettes Brot oder der Moderator Markus Kavka.

Judith Förster ist Pressesprecherin der Initiative «Bündnis Dresden Nazifrei». 2010 ist es ihm erstmals gelungen, Europas größten Naziaufmarsch am 13. Februar durch Massenblockaden zu verhindern. Unter dem Motto «Nazifrei - Dresden stellt sich quer» rufen Förster und ihre Mitstreiter auch in diesem Jahr zu friedlichen Protesten auf, um die Nazis zurückzudrängen. Sie nutzen dieses Datum alljährlich, um einen «Trauermarsch» durch die Stadt zu führen.

kra/news.de

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • schorsch
  • Kommentar 8
  • 20.02.2011 10:51

Nationalsozialisten (Nazi) und Sozialisten (SPD) sind doch Bruderparteien, oder täusche ich mich? Einer der größten war doch Willi Brand ( im Volksmund Wisky-Willi genannt)Im Innland log er uns vor Sozialdemokrat zu sein, kaum einen Meter nach der Grenze war Vorsitzender der Sozialistischen Internationale. Oder sehe ich das falsch? Was haben diese Leute aus Deutschland gemacht. Mit Europa geht es weiter. Wer sind denn die Länder die Pleite sind. Alle mit Sozialistischen Regierungen. Aber was solls. Solange der Kapitalismus den Sozialismus finanziert, klappts doch. Aber was kommt dann. Die Vora

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  • george
  • Kommentar 7
  • 20.02.2011 10:36

Ihr habt wohl vergessen, dass Braune und Rote, beide aus dem Sozialistischen Lager kommen. Gehts hier um Macht oder Bruderkampf? Rechts kommt immer noch von Recht. Links ist gleichbedeutend mit Link und Hinterhältig. Trotzdem wähle ich wohl fälschlicherweise SPD

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  • ART
  • Kommentar 6
  • 13.02.2011 21:31
Antwort auf Kommentar 4

Hallo debakel,"EIFERER",das neue Leitwort des rechten Gesindels,abzulenken,billig! Streng doch mal die braune Birne an,vielleicht:"Österreich bringt zum Gedenken an den schwulen braunen Bruder im Geiste, Jörg Haider,einen "trüben braunen Birnenbrand"ins politische Einerlei!Also ihr "braunen Eiferer",was machen,sonst bleibt ihr einfach "GEIFERER"! Zu dünn.

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