Wahl in Hamburg Hajduk will mitregieren

Anja Hajduk auf Barkassenfahrt durch Hamburger Hafen (Foto)
Will mitregieren: Anja Hajduk, die Spitzenkandidatin der Grünen für die Hamburger Bürgerschaftswahl. Bild: dapd

Von Jana Werner
Anja Hajduk kommt aus dem Ruhrpott, ist Opernliebhaberin und führt die Grün-Alternative Liste (GAL) als Spitzenkandidatin in die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft. Nach dem Ende von Schwarz-Grün im November 2010 setzt sie jetzt auf ein rot-grünes Bündnis.

Anja Hajduk wusste genau, welches Risiko ihre Partei mit dem Ausstieg aus der schwarz-grünen Koalition in Hamburg Ende November einging. Denn nicht wenige Mitglieder der Grün-Alternativen Liste (GAL), wie sich die Grünen in der Hansestadt nennen, zeigten sich enttäuscht über den freiwilligen Abschied aus der Regierung. Doch Hajduk handelte aus tiefster Überzeugung und schwor ihre Partei auf einen Neuanfang ein. «Auch mit dem Abstand, den ich mittlerweile habe, zweifele ich nicht daran, dass das Ende von Schwarz-Grün richtig war», sagte die Politikerin.

Als Spitzenkandidatin will sie die Hamburger bis zur Bürgerschaftswahl am Sonntag davon überzeugen, dass die Grünen auch künftig in die Regierung gehören. Allerdings bereiten den Grünen sinkende Umfragewerte sowie der wirtschaftsnahe Kurs des Wunschpartners SPD und dessen Spitzenkandidaten Olaf Scholz Sorgen.

Bürgerschaftswahl Hamburg
Was kommt nach Schwarz-Grün?

Politische Wegbegleiter bezeichnen Hajduk als hartnäckig und konsequent. Landesvize Anjes Tjarks nennt die 47-Jährige die «stärkste Frau, die wir haben». In der Tat ist sie zielstrebig die Karriereleiter nach oben geklettert und macht privat beim Wandern in den Alpen auch vor Viertausendern nicht halt.

Im Ruhrpott geboren und aufgewachsen

Am 8. Juni 1963 in Duisburg geboren, wollte Hajduk zunächst Kinderärztin oder Architektin werden. Doch dann entschied sich die schon in der Schule Diskussionsfreudige und von der großen Friedensbewegung Politisierte nach dem Abitur für ein Diplom-Studium der Psychologie und arbeitete bis 1997 im interkulturellen Jugendaustausch.

Bereits zwei Jahre zuvor war sie bei den Grünen eingetreten. «Ich habe immer schon die grüne Partei gewählt. Die Vorstellung, dass Politik dann gut ist, wenn sie in die weite Zukunft blickt, hat mich fasziniert», erklärt sie. Das habe sie bei allen anderen Parteien vermisst. Nach dem Ende von Rot-Grün in Hamburg 2001 war Hajduk von 2002 bis 2008 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2004 bis 2008 haushaltspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Ihr Privatleben schirmt Hajduk, die seit 26 Jahren in Hamburg wohnt, von der Öffentlichkeit ab. Zwar ist ihre Liebe zu der ehemaligen Hamburger Schulsenatorin Ute Pape (SPD) kein Geheimnis, doch zählt das Paar nicht zu den üblichen Galagästen.

Eine Niederlage in der Sache

Mit Beginn der bundesweit ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene wurde Hajduk im Mai 2008 unter dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) Umweltsenatorin. Dabei musste sie bis zum Bruch des Bündnisses etwa den Bau des Steinkohlekraftwerks Moorburg zulassen. Noch im Wahlkampf waren die Grünen gegen das Projekt angetreten. «Es war eine Niederlage in der Sache, die rechtlich begründet war», bilanziert die 47-Jährige, die Moorburg in seinen Klimaauswirkungen immer noch für verheerend hält. Ebenso verkraften musste Hajduk das Aus der sechsjährigen Primarschule sowie die nun gestoppte Stadtbahn.

Für das Ende von Schwarz-Grün hat sich die «Ungeduldige» vehement eingesetzt, weil dem ehrgeizigen Bündnis nach dem Rücktritt des Großstadt-Liberalen Beust die Stabilität verloren gegangen war. Eine Neuauflage schließt sie kategorisch aus. Stattdessen hofft sie auf eine rot-grüne Koalition, auch wenn die SPD derzeit weiter von den Grünen entfernt scheint als die CDU. Scholz wecke viele Erwartungen, die den Haushalt und die finanziellen Möglichkeiten dieser Stadt stark belasteten. Eine zukunftsgerechte Stadt sei aber nur mit den Grünen möglich, sagt Hajduk.

Bis zur Wahl muss sie zudem die sinkenden Umfragewerte aufhalten, nachdem die Grünen jüngst von 19 auf 14 Prozent abrutschten. Doch Hajduk ist klug genug, um zu wissen, dass das Hoch nach dem Koalitionsbruch nur eine Momentaufnahme war. Für eine Bestätigung des Wahlergebnisses von 2008 (9,6 Prozent) will sie kämpfen.

knr/che/news.de/dadp

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • oliver
  • Kommentar 1
  • 17.02.2011 12:08

News de scheint eine von den Grünen finanzierte Seite zu sein. Andauernd wird man von dieser Partei belästigt. Von anderen Parteien hört man so gut wie nie was, oder nur Schlechtigkeiten. Können die Medien nicht mal eine andere Lieblingspartei haben? Ich wähle Gal sowieso nicht, da steht 94% gequirlte scheiße drin, ist beim Wahlomat auch bei mir ganz unten aufgetaucht. Hajduk wo kommt dieser Name eigentlich her.

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