Südsudan Ein neuer Staat wird geboren

Südsudan (Foto)
Die Südsudanesen haben ihre Unabhängigkeit gewählt. Bild: ap

In gut fünf Monaten soll Juba die Hauptstadt des neuen Landes sein. Der Süden des Sudan, das jüngste Kind der Staatenfamilie, braucht einen Namen, eine Nationalhymne und eine eigene Währung. Und das ist längst nicht alles.

Die künftige Hauptstadt besteht aus Lehmhütten, die meisten Straßen sind staubige Pisten, auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sind in Containern untergebracht. Zudem stehen noch heikle Verhandlungen mit dem Norden über Staatsbürgerschaften, Rechte an den reichen Ölvorkommen des Südens und über den endgültigen Grenzverlauf an.

Beinahe 99 Prozent der Bevölkerung haben für die Loslösung vom Norden gestimmt, am 9. Juli will sich der Südsudan für unabhängig erklären. Noch macht Juba keinen hauptstädtischen Eindruck. Bis vor einem Jahr gab es gerade ein paar Kilometer befestigte Straßen, das Stadtarchiv ist in einem Zelt untergebracht, von Hochhäusern oder diplomatischen Vertretungen keine Spur. Doch viele sehen großes Potenzial und können es kaum erwarten, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Traum vom Golfplatz

Der Unternehmer Soloman Chaplain Lui leitet den Bau von 160 Wohnungen und Hotelzimmern auf einer felsigen Anhöhe über der Stadt. Hier gibt es das größte Schwimmbecken des Landes, wenn auch mit trübem Wasser. Der 42-Jährige zeigt auf leere Felder, auf denen er eines Tages ein Einkaufszentrum bauen und einen Golfplatz anlegen will. «Viele Menschen strömen hierher», ist er überzeugt. «Ein neuer Staat wird geboren.»

Zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg zwischen der Zentralgewalt im muslimisch geprägten Norden und Rebellen aus dem vorwiegend christlich-animistischen Süden kosteten mindestens zwei Millionen Menschen das Leben, bevor 2005 ein Friedensschluss zustande kam. Gewalt und Armut haben ihre Spuren hinterlassen; der Südsudan mit seinen 8,7 Millionen Menschen zählt zu den am wenigsten entwickelten Gegenden der Welt. Schätzungsweise 85 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten, die meisten sind arbeitslos und leben von der Hand in den Mund. Ein 15-jähriges Mädchen hier hat laut UN größere Chancen, im Kindbett zu sterben, als einen Schulabschluss zu machen.

Grundnahrungsmittel teurer

Zu den Problemen kommt noch hinzu, das einige Waren des täglichen Bedarfs wie Zucker, Seife und Speiseöl in den letzten Wochen über 50 Prozent teurer geworden sind. Zucker koste jetzt doppelt so viel wie zu Weihnachten, klagt die Hausfrau Christine Aman beim Einkauf auf dem größten Markt von Juba. Die 26-Jährige, die Mann und vier Kinder zu ernähren hat, trägt Tüten voll Zwiebeln und Grünzeug, aber sie kauft weniger als früher. «Jetzt haben wir weniger zu essen», sagt sie.

Die Preissteigerungen liegen teils daran, dass die Zentralregierung in Khartoum neuerdings Zucker und Treibstoff nicht mehr subventioniert, teils aber auch daran, dass aus dem Norden weniger importiert wird und anlässlich des Unabhängigkeitsreferendums Hunderttausende in den Süden zurückgekehrt sind und die Nachfrage steigern.

Wie viele Einwohner Juba eigentlich hat, weiß niemand mit Gewissheit. Nach dem Friedensabkommen 2005 begannen Zuzügler in die Stadt zu strömen. Behelfsmäßige Siedlungen entstanden und breiteten sich aus. Sie haben weder Straßen noch Strom oder Kanalisation.

Die südsudanesische Wohnungsbauministerin Jemma Nunu Kumba räumt ein, das die Regierung hinterherhinkt. Sie hebt aber hervor, dass ausländische Investoren interessiert sind, an einem Bauboom teilzuhaben. «Das ist eine große Herausforderung für die Regierung», sagt sie. Den Notwendigkeiten stünden die verfügbaren Mittel gegenüber. «Aber man darf das natürlich nicht vernachlässigen. Daher werden wir bei der internationalen Gemeinschaft, bei unseren Entwicklungspartnern, anklopfen müssen und um Hilfe bitten.»

Schon vor Jahren haben ausländische Investoren ein Auge auf  Juba geworfen. 2007 steckte eine Gruppe von Geschäftsleuten aus England, Südafrika und Kenia umgerechnet über eine Million Euro in ein Wohnhaus und ließ es zu einem 16-Zimmer-Hotel umbauen. Im «Logali House» kostet die Nacht rund 200 Euro. Managerin Laurie Meiring findet, das sei eine mutige Investition gewesen damals, als die Kriegsgefahr noch nicht gebannt und die Unabhängigkeit noch weit war. «Ich denke, für Juba sind das fünf Sterne - auch wenn es an europäischen oder amerikanischen Maßstäben gemessen nur zwei oder drei wären.»

mat/che/news.de/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alexander Voronin
  • Kommentar 3
  • 10.07.2011 14:36

Möge der Südsudan gedeihen, während eine Drecksprovinz wie Kosovo nur durch Mord und Totschlag, Drogen- und Mädchenhandel überleben kann. Halt eine islamische Republik, deren Ministerpräsident (Ein Herr Tasci) Geld mit Organhandel gemacht haben soll. Von den einst elf Zeugen der Taten ist nur noch einer am Leben, die restlichen 10 sind tot! Ob der Elfte noch etwas aussagt ist wohl äußerst fraglich. Lang lebe der Sudan. Und das Kosovo möge wieder verschwinden, wohin es gehört! Kampf dem Islam an allen Fronten!

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  • Heinz
  • Kommentar 2
  • 10.02.2011 20:45

Ja, ja der alte Grundsatz Teile und herrsche trifft mal wieder voll zu.

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  • oliver
  • Kommentar 1
  • 09.02.2011 09:10

Frau Merkel da sieht man wieder wie toll es ist in Muselmanien zu leben. Ein Hoch auf die Südsudanesen, die sich von Muselmanien befreien konnten. Wann werden wir uns in Deutschland und in der EU vor ein Muselmanien schützen? Unsere regierung verkauft uns deutsche lieber an die Mullahs, als dass sie etwas gutes für unser Land tu. Bringt den independance day nach Saudi Arabien. Die Mullahs müssen entmachtet werden. Iman ist nicht zu Hause. Unsere kulturellen Bereicherer können doch nach Muselmanien gehen.

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