Proteste gegen Präsidenten Mindestens drei Tote in Ägypten

Nach Tunesien: Massenproteste in Ägypten (Foto)
Rund 3000 Demonstranten sind gegen die Politik der Partei von Präsident Husni Mubarak auf die Barrikaden gegangen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Bild: dpa

Von Maggie Michael
Blutige Proteste gegen die ägyptische Regierung: Nach Angaben des Innenministeriums wurden zwei Demonstranten und ein Polizist getötet. Es war die größte Demonstration seit Jahren.

Bei landesweiten Protesten gegen die ägyptische Regierung hat es am Dienstag mindestens drei Tote gegeben. Nach Angaben des Innenministeriums wurden zwei Demonstranten und ein Polizist getötet.

Zwei Regierungsgegner kamen bei einer Demonstration in der Stadt Suez ums Leben. Laut Polizei hatte einer der Demonstranten Atemprobleme und starb, nachdem er Tränengas eingeatmet hatte. Der andere sei von einem Stein getroffen worden. Der Polizist verlor den Angaben zufolge während der Protestkundgebung in der Hauptstadt Kairo sein Leben. Der Beamte sei von einem Stein am Kopf getroffen worden.

Allein an der Kundgebung in Kairo nahmen nach offiziellen Angaben mindestens 10.000 Menschen teil. Es war die größte Demonstration in Ägypten seit Jahren.

Tränengas und Wasserwerfer

Bei der Demonstration kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein, um die Menschen auseinander zu treiben. Einige Demonstranten warfen Steine, griffen einen Wasserwerfer an und forderten den Fahrer zum Verlassen des Lkw auf. Als die Menschen eine Absperrung durchbrechen wollten, griffen die Polizisten zu Schlagstöcken.

Bei den anfänglich noch friedlichen Protesten hatte die Polizei zunächst sehr zurückhaltend agiert. Dies war offenbar dem Umstand geschuldet, dass die Regierung eine ähnliche Massenrevolte wie in Tunesien zu vermeiden suchte.

Die Menschen riefen: «Lang lebe ein freies Tunesien» und «Nieder mit Mubarak». Zudem sei bei den ägyptischen Wahlen betrogen worden, sagten die Demonstranten, die außerdem gegen die bittere Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit und Misshandlungen durch die Polizei protestierten. Hunderte Menschen kamen auch in Alexandria und weiteren Städten zu Protesten zusammen.

Als die mit ägyptischen und tunesischen Flaggen ausgestatteten Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo zusammen kamen, änderten die Sicherheitskräfte ihre Taktik und die Situation eskalierte. Dabei beschlagnahmten die Polizisten auch die Kamera einer Journalistin und schlugen auf die Frau ein, sodass ihre Brille zerbrach. Andernorts schienen die Demonstranten die Oberhand zu gewinnen, als die Polizisten sich unter einem Steinhagel zurückzogen. Ein Demonstrant kletterte in einen Feuerwehrwagen und fuhr davon.

Innenminister kündigte «entschlossene Maßnahmen» an

Vor den ersten großen Kundgebungen waren Tausende Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Kairo stationiert worden. Nach dem tunesischen Vorbild hatten die Organisatoren der Demonstrationen am Dienstag in Kairo und Alexandria einen «Tag der Revolution gegen Folter, Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit» ausgerufen.

Aus ägyptischen Sicherheitskreisen hatte es zuvor geheißen, Unruhen würden nicht geduldet. Gegen das drohende Chaos würden «entschlossene Maßnahmen» ergriffen, kündigte Innenminister Habib el Adli an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatten sich vorab besorgt über die Sicherheit der Demonstranten geäußert und die Behörden zur Zurückhaltung aufgefordert.

Auf Facebook und Twitter hatten rund 90.000 Menschen im Internet ihre Teilnahme an den Demonstrationen zugesagt. Am späten Nachmittag schien der Zugang zu Twitter blockiert zu sein.

Etwa die Hälfte der 80 Millionen Ägypter lebt unter oder knapp über der von den UN festgelegten Armutsgrenze von zwei Dollar am Tag.

cvd/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • oliver
  • Kommentar 1
  • 26.01.2011 10:29

Es ist schwer seine Freiheit zu erlangen, aber der Sturz von Mubarak ist nur ein Schritt auf dem Weg. Die Mullahs, verrückten Imans und Muizims müssen noch entmachtet werden, sonst kommt der nächste Diktator und wird von der Barbarenreligion gestützt. Keine Macht dem Politischen Islam, nie wieder Religionsdiktatur in Europa. Indem die Ägypter und Tunesier sich selbst helfen, helfen sie auch unser Land vor dem Politislam zu schützen. Ich wünsche den Unterdrückten des Terrornetzwerks viel Erfolg. Möge die Koptische Kirche, die nie Staatskirche gewesen war und immer unterdrückt war, wirken!

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