Bildung Grünen-Chef fordert Kita-Pflicht

Kita-Pflicht (Foto)
Özdemir will alle Dreijährigen testen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Die Schulpflicht reicht nicht aus: Grünen-Chef Cem Özdemir will Kinder noch eher verbindlich in Betreuungseinrichtungen holen. Alle Kinder ab drei Jahren sollen in die Kita gezwungen werden. Das hat einen Grund.

Der erste Milchzahn wackelt. Ein sicheres Zeichen - die Schulpflicht ruft. In Deutschland gehen Kinder ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr zur Schule. Was sie bis dahin machen, ist dem Staat im Grunde egal. Ab dem dritten Lebensjahr besteht zwar ein Anspruch auf einen Kita-Platz. Doch den nehmen lange nicht alle Eltern an. Sie erziehen und betreuen ihr Kind zu Hause.

Das soll sich ändern. Jedenfalls wenn es nach dem Willen von Cem Özdemir geht. Der Grünen-Chef fordert eine generelle Kita-Pflicht. «Eine Pflicht müsste für alle Kinder gelten», sagt er im Gespräch mit news.de. Innerparteilich gibt es zu diesem Thema eine Diskussion. Es gehen zwar nicht alle Grünen so weit wie Özdemir, aber im Ziel herrscht Einigkeit: Der Stellenwert der frühkindlichen Erziehung soll gestärkt werden, und zwar unabhängig von Herkunft und sozialer Schicht.

Probleme der Migranten
Was bewegt die Zuwanderer?

«Wir brauchen eine Debatte darüber, ob eine Kita-Pflicht nicht im Interesse der Kinder wäre», sagt Özdemir. Außerdem sei er dafür, dass man bei vierjährigen Kindern einen Sprachtest macht. Je nach Ergebnis sollen sprachauffällige Kinder in der Kita speziell gefördert werden. Dem Grünen-Chef geht es dabei besonders um die Voraussetzungen für die Schule. «Die Kita-Pflicht könnte entscheidend dazu beitragen, dass Kinder im schulpflichtigen Alter auch tatsächlich schulreif sind. Wenn ein Teil der Jugendlichen heute nicht ausbildungsreif ist, dann war er vermutlich auch schon nicht schulreif.»

Kinder von Migranten und sozial schwachen Familien gehen oftmals nicht in den Kindergarten. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung besuchen in Westdeutschland 84 Prozent der Migrantenkinder zwischen drei und sechs Jahren eine Kita. Bei den deutschen Kindern sind es dagegen 93 Prozent. Für Ostdeutschland liegen keine Zahlen vor und im Westen gibt es große Unterschiede.

Zum Beispiel gehen laut Studie in Schleswig-Holstein 91 Prozent der deutschen Drei- bis Sechsjährigen in eine Kita, aber nur 60 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien. «Das ist ein Problem. Sie kommen ohne jede Vorkenntnisse in die Grundschule, sprechen deshalb schlecht Deutsch», sagt Özdemir. In der ersten Klasse mit der Sprache bei Null anzufangen, sei zu spät. Es müsse das Ziel sein, dass man mit allen Kindern auf gleichem Niveau loslegen könne. «Möglicherweise erreichen wir diese Kinder nur durch eine Kita-Pflicht.»

Ein Sprachtest soll allerdings mit allen Kindern gemacht werden, die ihr viertes Lebensjahr erreicht haben. Denn Özdemir sieht auch bei deutschstämmigen Kindern große Probleme. Es gebe massive Sprachdefizite. Deswegen ist er auch strikt gegen die diskutierte Herdprämie - also das Geld, was Eltern bekommen würden, wenn sie ihre Kinder nicht in eine Betreuungseinrichtung schicken. «Das Geld wäre sinnvoller im Ausbau der Kinderbetreuung aufgehoben», sagt er.

Ob es zu einer Kita-Pflicht kommt, ist ungewiss. Der Grünen-Chef weiß, dass er das nicht allein entscheiden kann. Jedoch möchte er die politische Diskussion darüber anstoßen und hat ein klares Ziel. «Ich lade ein, über Pro und Kontra zu diskutieren, schließlich werden bei einer möglichen Kita-Pflicht wegen des Elternrechts auch verfassungsrechtliche Bedenken angeführt», sagt Özdemir. Immerhin gibt es zumindest mit der SPD bereits Übereinstimmung. Der SPD-Politiker und Bürgermeister vom Berliner Bezirk Neukölln, Heinz Buschkowsky, forderte jüngst ebenfalls eine verbindliche Vorschulerziehung.

Ebenso auf der Seite der Grünen steht das Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger. Er bezeichnete die Ergebnisse seiner Studie als «Alarmsignal». Frühkindliche Bildungseinrichtungen würden die Grundlage für spätere Lernerfolge legen. Deshalb sollten gerade Kinder aus benachteiligten Verhältnissen und Zuwandererfamilien eine Kita besuchen. Barrieren, die diese Kinder aus den Kitas fernhielten, müssten verschwinden.

jek/ivb/news.de

Leserkommentare (26) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kessebiene24
  • Kommentar 26
  • 30.04.2012 23:28

Ich finde, dass er Recht hat.

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  • uwe schmidt
  • Kommentar 25
  • 07.02.2011 01:27

,,ich kann garnicht soviel kotzen wie ich hier lesen muß,, herr özdemir,, nicht das frühzeitige einer erziehung im menscheindasein ist das wichtigste, es ist die richtung in der die kinder erzogen werden sollen und für diese wahrheit braucht die menschheit sie ganz bestimmt nicht, sie und ihre ganze politische riege, ihr seit plaque auf den seelen der menschen,, euer dummsein und verdorbenheit wird das maß eurer strafe sein,, schöne grüße von mir,,

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  • kelevra
  • Kommentar 24
  • 14.01.2011 18:11

Die Linken wie der OberGrüne Cohn-Bendit waren schon immer für KiTa-Pflicht!Was ist eigentlich aus den KiTa-Kindern geworden die sich mit Cohn-Bendits Schwanz spielen durften?"Der große Basar,Daniel Cohn-Bendit,Verlag: Trikont (1975)ISBN 978-3920385822"Man wußte um die Misstände und nahm sie tatenlos hin um das fragwürdige Gerippe einer morschen Solidarität nicht zum Einsturz zu bringen?Hauptsache "fortschrittlich" diese Ewiggestrigen!Cohn-Bendit:"Kindersex ist Menschenrecht",Grün-Politiker Volker Beck meint Gleichstellung der Homosexualität ist Voraussetzung zur Legalisierung der Pädophilie!

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