Inhaftiert im Iran Promis fordern Reporter-Freilassung

Iran (Foto)
Der staatliche iranische Fernsehsender Press TV zeigte Anfang Dezember dieses Passfoto eines der beiden inhaftierten deutschen Reporter.   Bild: dpa

Guttenberg, Magath, Ackermann und viele mehr: 100 Prominente appellieren in Bild am Sonntag an den Iran, zwei inhaftierte Reporter des Blattes freizulassen. Die Frau, über die die Journalisten berichten wollten, will die beiden nun angeblich verklagen.

An der Solidaritätsaktion für die im Iran gefangen gehaltenen Reporter beteiligen sich nach Angaben der Bild am Sonntag mehrere Bundesminister, Vertreter aller Bundestagsparteien, der Deutsche Gewerkschaftsbund, prominente Wirtschaftsführer sowie Nobel- und Oscarpreisträger.

Die Reporter waren am 10. Oktober in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau sollte zunächst wegen Ehebruchs gesteinigt werden; nun könnte sie wegen Beihilfe zur Ermordung ihres Ehemannes zum Tode durch den Strang verurteilt werden.

Außenminister Guido Westerwelle sagte in Bild am Sonntag: «Die beiden (Reporter) müssen so schnell wie möglich freikommen und nach Deutschland zurückkehren. Dafür werde ich mich auch im neuen Jahr mit ganzer Kraft einsetzen.» Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor sagte: «Ich appelliere an den Iran, die beiden so schnell wie möglich freizulassen. Ein Staat, der wie der Iran ständig um Verständnis wirbt, sollte darauf achten, dies nicht auf anderen Gebieten zu verspielen.» Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen appellierten ebenfalls an die Regierung in Teheran, die beiden Deutschen zu ihren Familien zurückkehren zu lassen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte eine umgehende Freilassung: «Das ist nicht nur eine Frage der Pressefreiheit und der Menschenrechte, sondern auch ein Gebot der Humanität.» Für die Grünen erklärte Fraktionschef Jürgen Trittin: «Steinigungen, Folter und Unterdrückung gehören zum traurigen Alltag im Iran. Wer darüber berichten will, wird eingesperrt. Dazu dürfen wir nicht schweigen! Die beiden Reporter müssen sofort freigelassen werden.» Der Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Gregor Gysi, fordert ebenfalls eine sofortige Freilassung. Die Inhaftierung sei «indiskutabel». CSU-Chef Horst Seehofer appellierte an die Machthaber in Teheran: «Lassen Sie die beiden Journalisten nach Hause.»

«Willkür herrscht in Teheran, einer Stadt, die ich liebe»

Für die Wirtschaft schlossen sich der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der Telekom, Rene Obermann, BMW-Chef Norbert Reithofer, Bahn-Chef Rüdiger Grube und Metro-Chef Eckhard Cordes der Forderung nach Freilassung an. Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche erklärte: «Ein Land, das in der Welt respektiert werden will, sollte auch die Pressefreiheit respektieren.» DGB-Chef Michael Sommer forderte ebenfalls die sofortige Freilassung der beiden deutschen Journalisten: «Sie haben nichts anderes gemacht als ihrer Arbeit nachzugehen.»

Zu den prominenten Sportlern, die die Freilassung der Journalisten fordern, gehören unter anderem Nationalspieler Philipp Lahm, Handball-Bundestrainer Heiner Brand, Trainer Felix Magath, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, Rennfahrer Michael Schumacher, Franz Beckenbauer und Günther Netzer.

Künstler wie Udo Jürgens, Hannelore Elsner, Maria Furtwängler, Uschi Glas, Jan-Josef Liefers, Peter Maffay und Udo Lindenberg verwenden sich ebenfalls für die Freilassung der Reporter. Die deutsche Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller äußerte die Hoffnung, «dass der Iran die beiden Journalisten nicht als Faustpfand benutzen will für andere Interessen». Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff beklagt: «Willkür herrscht in Teheran, einer Stadt, die ich liebe.» Schriftsteller Martin Walser forderte die Bundesregierung auf, «sich mit allen Mitteln für die Freilassung der beiden deutschen Journalisten aus iranischer Haft einzusetzen».

Inszenierter Auftritt von Aschtiani?

Die zum Tode verurteilte Aschtiani will die beiden Journalisten indes laut Medienberichten verklagen. Die beiden Deutschen hätten sie beschämt, berichtete die BBC auf ihrer Internetseite. Demnach durfte Aschtiani das Gefängnis kurz verlassen, um mit ihrem Sohn und ihrer Tochter zu essen. Der Sohn, Sadschdschad Kadersadeh, war wegen des Interviews vorübergehend selbst in Haft gewesen.

Aschtiani warf ihnen nun laut BBC vor, Schande über sie und das Land gebracht zu haben. «Wie so sind sie hierher gekommen und haben sich als Journalisten ausgegeben?», habe die Verurteilte auf einer Pressekonferenz gesagt.

«Ich trete aus eigenem Willen vor die Kameras, um zu der Welt zu sprechen», zitiert Spiegel Online die 43-Jährige. Michael Backhaus, stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag, sagte der Nachrichtenagentur AFP demnach: «Wir finden es befremdlich, dass eine Frau, die in Iran zum Tode verurteilt worden ist, für einige Stunden das Gefängnis verlassen darf, um vor westlichen Medien anzukündigen, dass sie Journalisten, die über ihren Fall berichten wollten, anzeigen will.»

Ein Reporter des Südwestrundfunks berichtet auf tagesschau.de von einem inszenierter Auftritt und auf Hinweise für einen zielgerichteten Versuch der iranischen Justiz, «gezielt für den Standpunkt der Behörde Propaganda zu betreiben».

cvd/ruk/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • kaleb
  • Kommentar 1
  • 06.01.2011 11:14

Also ich vermisse die BILD-Journalisten nicht besonders, mit Ihren Pin-Up-Girls auf der letzten Seite und ihren blutrünstigen Schlagzeilen und ihrer Anmaßung, Stimme des Volkes zu sein. Klar, dass sie gerne sehen würden, was unter den Schleiern der iranischen Frauen ist. Dann sollen sie es ehrlich aber zugeben und nicht Menschenrechte vorschützen. Wieso ist eine Frau eigentlich gleich unschuldig, wenn Sie zum Tode verurteilt werden soll? Wenn der Vorwurf der iranischen Justiz wahr ist, dann ist das erstmal ein dicker Hund!

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