«Operation:Payback» Wikileaks-Anhänger attackieren Mastercard

Mastercard (Foto)
Am Dienstag stoppte Mastercard die Überweisung von Spenden an Wikileaks. Bild: dpa

Von Peter Zschunke
«Das Schlachtfeld ist Wikileaks. Ihr seid die Truppen»: Nach wiederholten Nadelstichen aus den USA rufen die Unterstützer des Enthüllungsportals zum Gegenschlag auf. Dabei greifen sie offenbar gezielt Webseiten an - wie die von Mastercard.

Martialische Töne im Internet: Statt des sanften Spotts, der gewöhnlich das Rauschen im Netz dominiert, fallen Begriffe wie im Krieg. «Nachricht Nr. 1 an die Truppen. Betreff: Den Feind im Info-War angreifen» - diese Twitter-Mitteilung wurde heute unzählige Male wiederholt, damit sie auch ja gehört wird.

Die Botschaft mit einem Link zu genauen Handlungsanweisungen bezieht sich auf den Internet-Aktivisten John Perry Barlow, der schon in der vergangenen Woche nach der Sperrung der zentralen Website von Wikileaks geschrieben hatte: «Der erste ernsthafte Info-War ist jetzt im Gange. Das Schlachtfeld ist Wikileaks. Ihr seid die Truppen.»

Zunächst ging es den Aktivisten darum, die Online-Präsenz von Wikileaks trotz der Sperrung durch einen US-Provider weiter aufrecht zu erhalten. Dieses Ziel ist erreicht: In wenigen Tagen wurden mehr als 1000 Adressen im globalen Netz eingerichtet, bei denen die vertraulichen Depeschen aus US-Botschaften abgerufen werden können. Ein großer Teil dieser Adressen sind sogenannte Subdomains (Unteradressen), die einen Link zu Wikileaks setzen. Viele haben die Daten aber auch auf dem eigenen Webserver «gespiegelt».

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«#Mastercard nicht mehr erreichbar! Die Schlacht läuft gut ;-)»

Nach der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange reicht das manchen Anhängern nicht mehr. Die Nachrichten vom Dienstag aus London haben die Emotionen weiter angeheizt. In der durch das Internet auf den Kopf gestellten Welt «ist Assanges Festnahme für seine Organisation ein Sieg, kein Verlust», schrieb Wikipedia-Experte Massimo Calabresi im US-Magazin Time.

Weil Wikileaks fürs dauerhafte Überleben Geld braucht, setzen beide Seiten in dem Konflikt an der finanziellen Basis des Projekts an. Am Dienstag stoppte das US-Kreditkartenunternehmen Mastercard die Überweisung von Spenden an Wikileaks. Am Mittwoch schlugen die Wikileaks-Unterstützer zurück: In einer als «Operation:Payback» bezeichneten Aktion legten Hacker aus dem Umkreis der «Anonymous»-Bewegung und des Internet-Forums 4Chan.org die Website von Mastercard lahm. Die «Anonymous»-Bewegung, 2008 bekannt geworden mit Protestaktionen gegen die Organisation Scientology, sprach von einer andauernden Kampagne gegen «freiheitsfeindliche Organisationen».

Die Aktion wurde von Aktivisten im Netz bejubelt - auch wenn auf ähnliche Weise ganz am Anfang des Konflikts die Webseiten von Wikileaks angegriffen worden waren. Ein Twitterer schrieb: «Der #Gegenschlag - #Mastercard nicht mehr erreichbar! Die Schlacht läuft gut ;-)».

Juristisches Vorgehen gegen PayPal

Bereits zuvor war die Schweizer Postfinance nach der Schließung eines von Assange eingerichteten Kontos attackiert worden. Das Institut begründete sein Vorgehen damit, dass Assange bei der Kontoeröffnung falsche Angaben zu seinem Wohnort gemacht habe.

Nicht mit Cyber-Attacken, sondern mit juristischen Mitteln hat die Wau-Holland-Stiftung, einer der wichtigsten Spendensammler für Wikileaks, auf die kurzfristige Sperrung ihres PayPal-Kontos reagiert. «Die von PayPal veröffentlichte Behauptung, die Wau-Holland-Stiftung unterstütze und fördere ‹illegale Aktivitäten›» sei eine Verleumdung, hieß es in einer Pressemitteilung.

PayPal-Manager Osama Bedier verwies nach Presseberichten auf einen Brief des US-Außenministeriums, wonach die Aktivitäten von Wikileaks in den USA als illegal eingestuft werden. Bei Mastercard heißt es lediglich, die Zahlungsdienstleistungen für Wikileaks blieben so lange eingestellt, bis die Situation geklärt sei. Letztlich können dies nur Gerichte leisten - aber bislang ist noch keinerlei Handhabe für eine Anklage in Sicht.

Mastercard-Website wieder im Netz, dafür Internetauftritt von Visa lahmgelegt

Mittlerweile ist die Website des amerikanischen Kreditkartenunternehmens Mastercard nach stundenlanger Störung wieder zugänglich. Dafür legte ein Hacker-Angriff wenig später den Internetauftritt des Mastercard-Konkurrenten Visa lahm.

tno/reu/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • the evolution of the lies
  • Kommentar 3
  • 12.12.2010 13:11

Sprüche, wie "Freiheit ist die Freiheit des anders Denkenden" sind genau so viel Wehrt, wie das Papier auf dem sie stehen. Diese gibt es nur bei den so genannten "Volksvertretern", indem sie sich der völkischen Legitimation bemächtigen, um sich ihre Machenschaften legalisieren zu lassen. Wie blöd müssen die Völker sein, derartigen Schwachsinn zu dulden?? So lange, wie Private ein Finanzsystem als "eigen" betrachten dürfen und in der Lage sind es nach Gutdünken zu manipulieren, werden sie ganze Staaten in Abhängigkeit dieses Systems zwingen. http://radioislam.org/historia/zion/sionism/13.htm

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  • Torsten
  • Kommentar 2
  • 08.12.2010 23:15

Alles Richtig, was WikiLeaks Anhänger da machen. Es kann ja nicht sein, dass PayPal so plötzlich das Konto speert & MasterCard die Spendenzahlungen einstellt. Was WikiLeaks gemacht hat, verstößt gegen kein Gesetzt. Die Bürger haben ein Recht darauf, zu erfahren, was im eigenen Land vorgeht.

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  • nirun182
  • Kommentar 1
  • 08.12.2010 19:57

Was hier angeprangert werden sollte sind die Vermeintlichen Mächtigen der Welt die mit Ihrer Korruption und Erpressungen gegenüber Unternehmen mit NICHT RECHTLICHEN mitteln versuchen einen unangenehmen Zeitgenossen FERTIGZUMACHEN!!!!!!!!!!!!!!!! Das schimpft sich RECHTSSTAAT? Die Politiker von Europa und der USA sind nichts anderes mehr als Machtgierige Heuchlerische Parasiten die das Volk für das Sie eigentlich da sein sollten ausbeuten und verarsch..! Wo ist - Menschenrecht, Meinungsfreiheit, Redefreiheit? Orwell lässt Grüßen

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