Andrea Nahles Zerbricht die Macht am Mutterglück?

Andrea Nahles (Foto)
Freut sich mit 40 Jahren auf ihr erstes Kind: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Bild: dpa

Von den news.de-Redakteuren Björn Menzel und Jens Kiffmeier, Berlin
In Kürze geht SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in Mutterschutz. Eigentlich ist sie konkurrenzlos glücklich, trotzdem fürchtet sie um ihren Posten. Kein Wunder - sie ist die erste Spitzenfrau, die eine Babyauszeit im Parteiamt wagt.

Zwölf Treppenstufen kann Andrea Nahles nicht mehr hoch steigen. Es ist Anfang November und die SPD-Generalsekretärin besucht einige soziale Einrichtungen in Hessen und Sachsen-Anhalt. Längere Strecken legt die Schwangere im Flugzeug zurück, den Rest wird sie im blauen BMW gefahren. Schon das ist beschwerlich. Nahles kommt nur mit Hilfe aus dem Wagen. Die Treppe am Gebäude muss sie links liegen lassen. «Fünf Stufen würde ich ja noch hoch gehen können», sagt sie. Aber zwölf? Stufen runter zu steigen, falle ihr noch schwerer.

Die 40-jährige Nahles merkt schon Monate vor der Geburt ihres ersten Kindes - es wird ein Mädchen - die Begleitumstände einer Schwangerschaft. Es geht alles viel langsamer, sie muss umsorgt werden. Zwei Dinge, die in der großen Politik nicht zu gebrauchen sind. Das Hauptstadtpflaster ist rau, die Gegner knallhart und die Zeit schnelllebig. Andrea Nahles weiß das. Genau darum steht sie jetzt auch da, wo sie steht: als Generalsekretärin an der Schaltzentrale der Macht in ihrer Partei. Die Frage ist, ob sie den Posten als junge Mutter auch im kommenden Jahr halten kann?

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Dass sie sich darüber bereits selbst Gedanken gemacht hat, beweist ein Interview. Nahles hat es im November ausgerechnet der Frauenzeitschrift Brigitte gegeben. Sie wolle nur einen «kleinen Ausfallschritt» Richtung Hausfrau machen, sagt sie da. Und weiter: «Ich habe in meiner politischen Laufbahn ja schon einige schwere Abstürze erlebt, und eine Sache habe ich gelernt: Planen von Karrieren ist zumindest in der Politik mit vielen, vielen Fragezeichen verbunden.» Sicherheit, weiter ihren politischen Weg gehen zu können, hört sich anders an. Und sie schiebt nach: «Mein Job ist einer, der Begehrlichkeiten weckt.» Bei der ersten Gelegenheit, in der es schwierig wird, könne sie nicht mit Solidarität rechnen.

Falsche Furcht: Die SPD hat keinen Königsmörder zu bieten

Es sind Gedanken, die sich jede berufstätige Schwangere in Deutschland machen muss. Doch das Interview der Politikerin sorgte durchaus für Furore. Denn viele fragten sich verwundert: Wer sollte überhaupt der Generalsekretärin gefährlich werden? Tatsächlich ist nach dem Abgang der alten SPD-Alphatiere aus den Regierungsjahren die Personaldecke in der Partei dünn. Erst kürzlich beschwerte sich Parteichef Sigmar Gabriel öffentlich darüber, dass er fast im Alleingang die Partei nach außen vertreten müsse.

Zwar gibt es in der Führungsriege noch ein paar bekannte Gesichter wie Klaus Wowereit, Manuela Schwesig, Hannelore Kraft oder Olaf Scholz. Doch die Vorstandsmitglieder drängen sich allesamt nicht für einen Wechsel auf den Posten des Generalsekretärs auf. Entweder sind sie in wichtigen landespolitischen Funktionen gebunden, oder sie stehen zumindest als Spitzenkandidat im kommenden Jahr im Wahlkampf. Insofern bliebe nur ein Überraschungskandidat aus der hinteren Reihe. Doch es ist unwahrscheinlich, dass gerade im Superwahljahr 2011 eine unbekannte Größe ohne bundesweite Ausstrahlungskraft den Königinnenmörder spielen darf.

Andrea Nahles wird gebraucht - trotz Kind. Bei sieben Landtagswahlen 2011 kann die SPD kaum auf ihre profilierte und Wahlkampf erprobte Generalsekretärin verzichten. Wann genau Nahles in den Mutterschutz geht, möchte die SPD noch nicht verraten. «Da können wir Anfang kommender Woche noch einmal drüber reden», sagt eine Sprecherin der Parteizentrale auf news.de-Anfrage. Jedoch kolportiert Nahles schon seit Wochen, dass Mitte Dezember Schluss ist. Interviewanfragen nimmt sie für die zweite Dezemberhälfte nicht mehr an. Doch lange will sie nicht abtauchen.

Einen Termin für das Ende der Babypause hat Nahles nämlich vorsorglich schon benannt. Die Wahl zur Hamburger Bürgschaft im Februar wird sie noch verpassen, aber spätestens zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt im März möchte sie wieder im Amt sein - also keine zwei Monate nach dem Geburtstermin.

Trotz Babypause: Will Nahles Kanzlerin werden?

Damit ist Andrea Nahles die erste Spitzenpolitikerin, die das Abenteuer Mutterschutz wagt. Frauen, die es in politische Spitzenfunktionen gebracht haben, blieben entweder wie Angela Merkel (CDU) kinderlos. Oder sie kümmerten sich wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erst um die Familie und später um den Job. Dass es auch anders gehen könnte - darüber redet man bis heute in Berliner Kreisen nicht besonders offenherzig. Bislang galt hier in den Führungszirkeln die Devise: ganz oder gar nicht.

Während überall in der Gesellschaft Mütter gegen die berufliche Ausgrenzung ankämpfen, halten sich Politikerinnen zur eigenen Rolle oftmals seltsam bedeckt. Kristina Schröder (CDU), die junge Familienministerin, blockt kategorisch alle Fragen zu möglichen Kinderwünschen ab. Mit dem Ministerjob sei das nicht vereinbar, ließ sie sich kürzlich in der Wochenzeitung Die Zeit zitieren. Und auch Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke verspürte vor wenigen Wochen wenig Lust auf eine breite Diskussion. Befragt zum Nahles-Interview und speziell zur Situation von Spitzenpolitikerinnen sagte sie in Berlin ausweichend nur einen Satz: «Mein Eindruck ist, dass es Frauen in Deutschland generell schwer haben, Beruf und Familie zu vereinbaren. Punkt.»

Doch Andrea Nahles will es versuchen - und die Vorreiterrolle übernehmen. Ihr Plan: Nach kurzer Auszeit sollen im Büro auch Wickeltisch und Krabbelbox aufgestellt werden. Inwieweit das schreiende Kind im Arm sie bei der Arbeit behindert und ihren Gegnern Auftrieb gibt, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die 40-Jährige ein Karriere-Aus nicht eingeplant hat. Im Gegenteil, denn sie gab kürzlich auch zu Protokoll: «Die ehemalige Generalsekretärin Angela Merkel hat irgendwann zugegriffen, als sich die Gelegenheit ergab.» Deutlicher kann eine Kampfansage nicht ausfallen. Die Treppen vor dem Kanzleramt sollten jedenfalls nur temporär ein Hindernis bleiben.

reu/news.de

Leserkommentare (10) Jetzt Artikel kommentieren
  • ART
  • Kommentar 10
  • 30.05.2011 14:33
Antwort auf Kommentar 9

Du taugst nicht mal zum"klim-bom-bam-bum",Esel!

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  • hpklimbim
  • Kommentar 9
  • 10.12.2010 09:12
Antwort auf Kommentar 8

Meinten Sie Mütter oder meinten Sie Getöseschnecken???

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  • ART
  • Kommentar 8
  • 09.12.2010 22:29
Antwort auf Kommentar 5

Ist es denn nicht schön,wenn es noch Mütter gibt? Frau Merkel hatte nicht das Glück und die Ministerin mit der besonderen Ausbildung der "Terrorbekämpfung"hat als Ministerin für Familie usw.zwar einen Mann,der als Staatssekretär in dieser Regierung mit"Hoffnung auf Zukunft"auch richtig gut "Kohle"macht,noch nichts fürs Volk getan hat,sprich Nachwuchs!Warme Worte!Sie können auch dies nicht!Guido schon überhaut nicht!Aber kein Totalausfall,denn Ernst Albrechts Tochter spuckte eins nach dem anderen aus,was bezahlbar war!Sieben Ammen und sieben Ponnys!

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