Tritt Sarah Palin 2012 gegen Barack Obama an? Die Zeichen mehren sich, dass das Tea-Party-Idol für die US-Präsidentschaft kandidieren will. Offenbar rechnet sie sich durchaus Chancen aus - auch in der eigenen Partei gibt es daran allerdings Zweifel.
Die Galionsfigur der Erzkonservativen in den USA, Sarah Palin, fasst immer konkreter eine Kandidatur gegen Präsident Barack Obama ins Auge und rechnet sich durchaus Chancen aus. Dem US-Fernsehsender ABC sagte die einstige republikanische Vizepräsidentschafts-Bewerberin auf die Frage, ob sie Obama 2012 schlagen könne: «Ich denke doch».
Zu einer möglichen Bewerbung um das Weiße Haus meinte die ehemalige Gouverneurin von Alaska, sie versuche herauszufinden, «ob es eine gute Sache für das Land, für die Debatte, für meine Familie» sein würde, wie ABC am Mittwoch vorab berichtete. Das Interview soll am 9. Dezember ausgestrahlt werden.
In einem Interview des New York Times Magazine, das in der nächsten Ausgabe erscheinen soll, wurde Palin sogar noch deutlicher. Auf die Frage, ob sie für 2012 eine Kandidatur in Erwägung ziehe, sagte sie: «Das tue ich.» Sie stecke gerade «in offenen, internen Beratungen und Diskussionen mit meiner Familie, weil meine Familie hier der wichtigste Betrachtungspunkt ist».
Berater Karl Rove zweifelt an Palin
Der Architekt der politischen Siege des früheren Präsidenten George W. Bush, Karl Rove, hatte sich vor wenigen Wochen mit erheblichen Zweifeln an der Wählbarkeit Palins zu Wort gemeldet. «Das amerikanische Volk hat hohe Standards und es verlangt ein gewisses Maß an Würde», sagte er in einem Interview der britischen Zeitung Daily Telegraph.
Schon Ende Oktober hatte Palin zu der Frage einer Kandidatur gesagt: «Wenn es keinen anderen gibt, der es tut, dann denke ich, dass wir es tun sollten», sagte sie in einem Fernsehinterview. Sollte es aber einen Bewerber geben, «der den Job kann», habe er ihre volle Unterstützung.
Der US-Experte Josef Braml hatte nach der Kongresswahl Anfang November im news.de-Interview gesagt, Obama könne sich wünschen, dass Palin sich bei den Präsidentschaftsvorwahlen durchsetzt. Denn dann würde die breite republikanische Wählerkoalition nicht zusammenhalten. «Da gibt es geeignetere Kandidaten», sagte Bramel über die Republikaner. «Zum Beispiel Mike Huckabee oder Tim Pawlenty. Beide genießen das Vertrauen der Christlich-Rechten, sind aber auch für Wirtschaftslibertäre wählbar. Dann würde es gefährlich für Obama.»
«Teil einer großangelegten Werbekampagne»
Palin macht gerade in den USA mit einer eigenen Reality-Fernsehshow von sich reden. In der Serie «Sarah Palins Alaska» stellt die 46-Jährige ihr Alltagsleben mit Ehemann Todd und ihren fünf Kindern dar - und präsentiert dabei zugleich ihren Heimatstaat. Kritiker in den US-Medien bezeichneten die Show am Tag nach der Ausstrahlung der ersten Folge am Sonntag als «harmloses Reisetagebuch» oder als «Teil einer großangelegten Werbekampagne» in Palins Streben nach einer eigenen Präsidentschaftskandidatur für das Wahljahr 2012.
Die politisch erstarkten Republikaner haben unterdessen klar gemacht, dass ihr Willen zur Zusammenarbeit mit Präsident Obama enge Grenzen hat. So ist die Ratifizierung des Start-Abrüstungsvertrages mit Russland offenbar in weite Ferne gerückt, weil Obama die notwendige Mehrheit im Senat zumindest in diesem Jahr wahrscheinlich nicht zusammenbekommen wird. Jon Kyl, einer der führenden Republikaner in der kleinen Kongresskammer, dessen Votum als richtungsweisend für die Opposition gilt, kündigte seinen Widerstand gegen das Abkommen an.
che/news.de/dpa