CDU-Bildungspolitik Merkel gegen «Kleinstaaterei»

Die Kanzlerin ist gegen «Kleinstaaterei» in der Bildungspolitik (Foto)
Die Kanzlerin ist gegen «Kleinstaaterei» in der Bildungspolitik. Die Union startet dazu eine länderübergreifende Initiative. Bild: ap

Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Karlsruhe
Bildungsrepublik Deutschland: Das alte Ziel der Bundeskanzlerin kommt neu auf den Tisch. Angela Merkel macht es zum Thema des kommenden Jahres und wagt einen riskanten Vorstoß. Hinter ihr steht eine Initiative der Unions-Fraktion.

Alle anders, alle gleich. Das gilt vor allem für das deutsche Bildungssystem und deren Protagonisten. Bildung steht unter Länderhoheit. Das ist gut für die Länder, denn sie haben damit noch ein Gebiet, auf dem sie selbst entscheiden können. Das ist schlecht für Schüler, die unter verschiedenen Bildungssystemen und -abschlüssen zu leiden haben. Von der von Angela Merkel (CDU) ausgerufenen Bildungsrepublik ist Deutschland meilenweit entfernt.

Jetzt macht die Kanzlerin einen neuen Vorstoß. Auf dem CDU-Parteitag bekräftigte sie nicht nur ihr Zehn-Prozent-Ziel. In Zukunft sollen zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Bildung fließen. Bis wann das Ziel erreicht sein soll, ließ sie allerdings dieses Mal offen. Merkel möchte in Zukunft auch die «Kleinstaaterei» überwinden und trifft damit einen empfindlichen Punkt. Die Länder wollen sich nicht auch noch die Bildungshoheit vom Brot nehmen lassen.

Doch Merkel hat ein Ziel: Sie möchte den Schülern in allen Bundesländern gleiche Abschlüsse bieten. Auch der Weg dorthin soll ihrer Meinung nach vereinheitlicht werden. Jedes Kind sei einzigartig. «Es gilt, Stärken zu stärken und aus Schwächen Stärken zu machen», sagte sie beim Karlsruher Parteitag. «Das geht garantiert nicht mit der Einheitsschule. Das geht nur mit Vielfalt statt Einheit.» Damit erteilt sie den SPD-Bestrebungen nach Einheitsschulen eine klare Absage und wirbt für das gegliederte Schulsystem.

Aus den Ländern könnte Widerstand kommen

Hinter der Kanzlerin steht die Unions-Fraktion im Bundestag. Am Rande des CDU-Parteitages stellt sie ihre neue Kampagne «Vielfalt fördert alle!» vor. Auch den Fraktionen geht es um den Erhalt des gegliederten Schulsystems mit Grund-, Realschule und Gymnasium. «Wir streben nicht eine Schule für alle, sondern die richtige Schule für jeden an», sagt der hessische Vorsitzende der Fraktionsvorsitzendenkonferenz, Christian Wagner (CDU). Die Union habe in den Ländern schon immer die gleichen Grundwerte in der Bildungspolitik vertreten.

Die Fraktion startet eine länderübergreifende Kampagne, wohl wissend, dass es zu Widerstand der Länder kommen könnte. Die Begründung: «Wenn wir Kindern unabhängig von ihrer Herkunft die besten Bildungschancen bieten wollen, müssen die politischen Entscheidungsträger an einem Strang ziehen», sagt Wagner. Vorbereitet wurde die Kampagne von der Arbeitsgemeinschaft Bildung unter Vorsitz des Bremer CDU-Vorsitzenden Thomas Röwekamp. «Unsere Schüler brauchen keine immer neuen Schulexperimente», sagt Röwekamp.

Laut Forsa haben sich 2009 mehr als 60 Prozent der Deutschen gegen die Einführung der Einheitsschule ausgesprochen. 89 Prozent wollten 2007 den Erhalt des Gymnasiums.

Bei ihrem Parteitag im kommenden Jahr in Leipzig will die Union umfassend das Thema Bildung diskutieren.

che/ivb/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Frank Schusterbach
  • Kommentar 3
  • 16.11.2010 19:27

wieder zuckerbrot fürs volk... bildung ist wichtig und das immer ich seh schon wenn dann wahlen sind kommt dann wieder zukunft zukunft zukunft.. ich versteh auch den sinn nicht ganz, soll es kein gym, real und hauptschulabschluss mehr geben? heist es dann einfach schulabschluss? sieht nach einheitsbrei aus die schüler die dann intelligenzmäßig hauptschule sind werden dann allerdings immernoch kein arzt o.ä. werden können

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  • Do Ebding
  • Kommentar 2
  • 16.11.2010 17:47

Eine schon lange fällige Maßnahme wäre ein bundesweit einheitliches Schulsystem. Allerdings mit Haupt-Realschule und Gymnasium. Wer behauptet, dass alle Schüler gleich intelligent seien, ist selbst wohl sehr ungebildet.

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  • Ullrich
  • Kommentar 1
  • 16.11.2010 17:30

Wenn man Bildung noch weiter auf die lange Bank schiebt und erst diskutiert, dann kommt sowieso nichts dabei heraus. Sachsen Anhalt braucht 5 Jahre um einen neuen Lehrplan im Jahre 2012 einzuführen. Damit fängt das Dilemma dann wieder von vorne an, weil der neue Lehrplan dann schon wieder veraltet ist. Nichts gegen Länderhoheiten, aber in der Bildung muss in einem Staat eine einheitliche Bildung vorliegen. Da braucht man doch keine jahrelangen Diskussionen.

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