CDU-Bildungspolitik Merkel gegen «Kleinstaaterei»

Bildungsrepublik Deutschland: Das alte Ziel der Bundeskanzlerin kommt neu auf den Tisch. Angela Merkel macht es zum Thema des kommenden Jahres und wagt einen riskanten Vorstoß. Hinter ihr steht eine Initiative der Unions-Fraktion.

Die Kanzlerin ist gegen «Kleinstaaterei» in der Bildungspolitik. Die Union startet dazu eine lĂ€nderĂŒbergreifende Initiative. Bild: ap

Alle anders, alle gleich. Das gilt vor allem fĂŒr das deutsche Bildungssystem und deren Protagonisten. Bildung steht unter LĂ€nderhoheit. Das ist gut fĂŒr die LĂ€nder, denn sie haben damit noch ein Gebiet, auf dem sie selbst entscheiden können. Das ist schlecht fĂŒr SchĂŒler, die unter verschiedenen Bildungssystemen und -abschlĂŒssen zu leiden haben. Von der von Angela Merkel (CDU) ausgerufenen Bildungsrepublik ist Deutschland meilenweit entfernt.

Jetzt macht die Kanzlerin einen neuen Vorstoß. Auf dem CDU-Parteitag bekrĂ€ftigte sie nicht nur ihr Zehn-Prozent-Ziel. In Zukunft sollen zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Bildung fließen. Bis wann das Ziel erreicht sein soll, ließ sie allerdings dieses Mal offen. Merkel möchte in Zukunft auch die «Kleinstaaterei» ĂŒberwinden und trifft damit einen empfindlichen Punkt. Die LĂ€nder wollen sich nicht auch noch die Bildungshoheit vom Brot nehmen lassen.

Doch Merkel hat ein Ziel: Sie möchte den SchĂŒlern in allen BundeslĂ€ndern gleiche AbschlĂŒsse bieten. Auch der Weg dorthin soll ihrer Meinung nach vereinheitlicht werden. Jedes Kind sei einzigartig. «Es gilt, StĂ€rken zu stĂ€rken und aus SchwĂ€chen StĂ€rken zu machen», sagte sie beim Karlsruher Parteitag. «Das geht garantiert nicht mit der Einheitsschule. Das geht nur mit Vielfalt statt Einheit.» Damit erteilt sie den SPD-Bestrebungen nach Einheitsschulen eine klare Absage und wirbt fĂŒr das gegliederte Schulsystem.

Aus den LÀndern könnte Widerstand kommen

Hinter der Kanzlerin steht die Unions-Fraktion im Bundestag. Am Rande des CDU-Parteitages stellt sie ihre neue Kampagne «Vielfalt fördert alle!» vor. Auch den Fraktionen geht es um den Erhalt des gegliederten Schulsystems mit Grund-, Realschule und Gymnasium. «Wir streben nicht eine Schule fĂŒr alle, sondern die richtige Schule fĂŒr jeden an», sagt der hessische Vorsitzende der Fraktionsvorsitzendenkonferenz, Christian Wagner (CDU). Die Union habe in den LĂ€ndern schon immer die gleichen Grundwerte in der Bildungspolitik vertreten.

Die Fraktion startet eine lĂ€nderĂŒbergreifende Kampagne, wohl wissend, dass es zu Widerstand der LĂ€nder kommen könnte. Die BegrĂŒndung: «Wenn wir Kindern unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft die besten Bildungschancen bieten wollen, mĂŒssen die politischen EntscheidungstrĂ€ger an einem Strang ziehen», sagt Wagner. Vorbereitet wurde die Kampagne von der Arbeitsgemeinschaft Bildung unter Vorsitz des Bremer CDU-Vorsitzenden Thomas Röwekamp. «Unsere SchĂŒler brauchen keine immer neuen Schulexperimente», sagt Röwekamp.

Laut Forsa haben sich 2009 mehr als 60 Prozent der Deutschen gegen die EinfĂŒhrung der Einheitsschule ausgesprochen. 89 Prozent wollten 2007 den Erhalt des Gymnasiums.

Bei ihrem Parteitag im kommenden Jahr in Leipzig will die Union umfassend das Thema Bildung diskutieren.

che/ivb/news.de

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3 Kommentare
  • Frank Schusterbach

    16.11.2010 19:27

    wieder zuckerbrot fĂŒrs volk... bildung ist wichtig und das immer ich seh schon wenn dann wahlen sind kommt dann wieder zukunft zukunft zukunft.. ich versteh auch den sinn nicht ganz, soll es kein gym, real und hauptschulabschluss mehr geben? heist es dann einfach schulabschluss? sieht nach einheitsbrei aus die schĂŒler die dann intelligenzmĂ€ĂŸig hauptschule sind werden dann allerdings immernoch kein arzt o.Ă€. werden können

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  • Do Ebding

    16.11.2010 17:47

    Eine schon lange fĂ€llige Maßnahme wĂ€re ein bundesweit einheitliches Schulsystem. Allerdings mit Haupt-Realschule und Gymnasium. Wer behauptet, dass alle SchĂŒler gleich intelligent seien, ist selbst wohl sehr ungebildet.

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  • Ullrich

    16.11.2010 17:30

    Wenn man Bildung noch weiter auf die lange Bank schiebt und erst diskutiert, dann kommt sowieso nichts dabei heraus. Sachsen Anhalt braucht 5 Jahre um einen neuen Lehrplan im Jahre 2012 einzufĂŒhren. Damit fĂ€ngt das Dilemma dann wieder von vorne an, weil der neue Lehrplan dann schon wieder veraltet ist. Nichts gegen LĂ€nderhoheiten, aber in der Bildung muss in einem Staat eine einheitliche Bildung vorliegen. Da braucht man doch keine jahrelangen Diskussionen.

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