Renate Künast Keine halbherzige Kandidatur, bitte!

Ja, ich will! Mit diesem Satz hat Renate Künast ihre Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Berlin angekündigt. Es bleibt nur zu hoffen, dass es kein kurzfristiger Ausflug in die Landespolitik wird. Dafür steht für ihre Partei zu viel auf dem Spiel.

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news.de-Redakteur Jens Kiffmeier. Bild: news.de

Endlich. Sie hat Ja gesagt. Renate Künast (Grüne) hat sich am Freitagabend vor 600 Gästen zur Spitzenkandidatin für die Berliner Bürgermeisterwahl im Herbst 2011 ausgerufen - und damit bestätigt, was alle Hauptstädter seit Monaten wussten. Wenn es stimmt, was man dieser Tage so hört, dann wollte die Fraktionsvorsitzende der Ökopartei ihre Entscheidung bereits vor Wochen in die Welt hinausrufen.

Doch auf Anraten der Parteistrategen zögerte sie es noch hinaus. Für die Show. Es bleibt nur zu hoffen, dass ihre Kandidatur keine reine One-Woman-Show wird und es sich bei dem ganzen Theater nicht um einen kurzfristigen Ausflug einer Bundespolitikerin in die Niederungen der Berliner Landespolitik handelt.

Renate Künast muss sich voll und ganz dieser Aufgabe verschreiben. In diesem Punkt hat ihr Gegner Klaus Wowereit (SPD) nicht ganz unrecht. Es müsse eine Kandidatur «ohne Wenn und Aber» sein, sagte der Regierende Bürgermeister und meinte damit, dass sich die Frontfrau der Ökopartei auch im Falle einer Wahlniederlage nicht aus der Landespolitik und der Verantwortung stehlen dürfe.

Für Wowereit war das ein erster Wahlkampf-Angriff, mit dem er unter der Wählerschaft die ersten Zweifel an den ernsthaften Absichten der Kandidatin Künast säen wollte. Doch die Grünen sind gut beraten, dieses Argument nicht leichtfertig zur Seite zu schieben. Denn auch aus Sicht der Grünen ist ein dauerhafter Verbleib von Künast überlebenswichtig.

Für die Partei steht dieser Tage viel auf dem Spiel. So könnte man die Grünen derzeit mit einem jungen Baum vergleichen, der wächst und wächst. Doch bei aller Euphorie über das ungezügelte Wachstum in den Umfragewerten - eine knorrige, dicke Eiche mit einem weit ausgeschlagenen Wurzelwerk ist die Partei längst noch nicht. Richtig ist, dass die Menschen offensichtlich nach einer grünen Alternative lechzen und die Grünen zurzeit Zulauf aus allen Richtungen bekommen - von Überzeugungstätern, Wechselwählern oder sogar enttäuschten Konservativen. Diesen Zustrom gilt es zu erhalten.

Grüne Erfolgswelle: Alles nur ein Traum?

Das Aufstellen eigener Bürgermeister- und Ministerpräsidentenkandidaten ist deswegen für eine erstarkte Partei wie die Grünen, die sich neuerdings auf Augenhöhe mit den beiden Volksparteien bewegen wollen, ein absolutes Muss. Doch das allein reicht nicht, um dauerhaft die hohen Umfragewerte in zählbare Wahlergebnisse umzumünzen. Zurzeit schwimmen die Grünen auf einer diffusen Erfolgswelle, die genauso schnell verebben kann, wie sie sich aufgebaut hat.

Seit Jahren in die Opposition verbannt, konnten sie fordern, was sie wollten. Das gilt für den Bund genauso, wie für die Stadt Berlin. Doch irgendwann muss die Partei Farbe bekennen und vielleicht alle Forderungen - autofreie Stadt, ökologisches Wachstum, keine Schulden - umsetzen. Bislang war das noch für jede Regierungspartei der Zeitpunkt, an dem sie wieder Wähler verloren hat.

Was hat das jetzt mit der Künast-Kandidatur zu tun? Viel. Denn sollte sie es mit dem Wechsel in die Landespolitik nicht ernst meinen und sich im Falle der Wahlniederlage für die Oppositionsrolle zu schade sein, dann würde das den Grünen in der Hauptstadt ein massives Glaubwürdigkeitsproblem bescheren. Man kann nicht ein halbes Jahr den Bürgern weiß machen, dass man ihre Probleme verstanden hat und dafür kämpfen will - und sich dann zurückziehen.

Das wäre auch nicht im Interesse der Bundespartei. Denn längst ist das Berliner Bürgermeisterprojekt ein historisches Projekt für die Grünen geworden. Ein Scheitern von Künast würde unweigerlich das Aufstreben der gesamten Partei unterhöhlen. Insofern wäre die neue Berliner Spitzenkandidatin gut beraten, jegliche Zweifel von Anfang an im Keim zu ersticken. Künast muss Farbe bekennen. Das ist sie ihrer gesamten Partei schuldig.

mac/news.de

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Leserkommentare (12) Jetzt Artikel kommentieren
  • Eusebius
  • Kommentar 12
  • 24.11.2010 18:04
Antwort auf Kommentar 1

Wunderbar treffend formuliert ! Künast setzt wie auch andere fragwürdige Grüne Politiker auf das Vergessen der Wähler. Abgesehen von dem realitätsabgehobenen Irrsinn, ganze Straßenzüge autofrei machen zu wollen (wie werden dann noch Läden beliefert, wie sollen selbst Rettungsdienste dann noch in diese Straßen gelangen ?) sind die im Kern eindeutig deutschlandfeindlichen Auslassungen von PolitikerInnen ihrer Couleur im Gedächtnis zu behalten, mit denen sich auch der Verfassungsschutz endlich einmal beschäftigen sollte.

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  • fdpAD
  • Kommentar 11
  • 08.11.2010 14:23
Antwort auf Kommentar 6

Etwa Dirk Ne bel, der sein Amt vor der Wahl als überflüssig bezeichnete und nun die Steuergelder rausschmeißt? Oder der Bambus,sich im politischen Wind Wiegender aus Niedersachsen,das käufliche"Roß",Rösler? Oder das Brüderle,Adam Ries,minus+minzus = plus? Oder der dekadente Guido, Hotelmatratzen-Vorsitzender?

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  • NRW
  • Kommentar 10
  • 08.11.2010 14:13
Antwort auf Kommentar 4

Das Röckchen hat mit seinen Halbwahrheiten ein bischen Recht.In Berlin kann sich die Frau Künast ihre "weiße Weste"nur versauen! Auch Wowereit hat es nicht geschafft,den Karren aus dem Mist zu ziehen,den die"alten cdu-Fährensleute"Eberhard Diepgen,ehemaliger Bürgermeister und Klaus Rüdiger Landowsky, sog."graue Maus"und Schulden-Bänker hinterlassen haben.Viele Schulden und einen politischen Karren im Mist!

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