Polizisten in Gorleben Der unbeliebteste Einsatz

Nahe an den Castoren (Foto)
Die Polizisten müssen beim Einsatz sehr nahe an die Castorbehälter heran - da bleibt ein mulmiges Gefühl. Bild: dpa

Sie müssen die Fahrt des Castorbehälters durchsetzten - dabei denken viele Polizisten wie die Gegner des Atomtransports. Doch das ist nicht alles, was den Einsatzkräften zu schaffen macht. Lange und harte Schichten kommen dazu - und die Angst vor Strahlen.

Die Polizei geht alles andere als unbeschwert in den Einsatz zum Transport von hoch radioaktivem Atommüll ins Zwischenlager Gorleben. «Die Einsatzkräfte haben immer ein beklemmendes Gefühl dabei. Man weiß ja überhaupt nicht, wie die Strahlen wirken», sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Niedersachsen, Bernhard Witthaut. Die Beamten sollten sich nicht allzu lange dicht an den Castor-Behältern aufhalten.

Rund 16.500 Einsatzkräfte der Landes- und Bundespolizei sollen den Castor-Transport sichern. Wenn Polizisten einen Abstand von fünfeinhalb Metern zu den Atommüll-Behältern unterschreiten, wird nach Angaben der Gesellschaft für Nuklear-Service die Aufenthaltszeit in diesem Bereich genau gemessen.

Der Einsatz im Wendland sei für die Polizisten körperlich sehr anstrengend, sagte Witthaut. Die Beamten müssten teils lange Schichten hinnehmen. Beim vergangenen Transport im Jahr 2008 seien einige Polizei-Einheiten nonstop sogar bis zu 38 Stunden im Einsatz gewesen. «Die Belastung ist sehr, sehr hoch, auch weil etliche Kollegen mit den Demonstranten einer Meinung sind», sagte  Witthaut.

Der GdP-Landesvorsitzender rief die Demonstranten im Wendland auf, friedlich zu bleiben. Die Marschrichtung der Polizei sei es auch, deeskalierend vorzugehen. Allerdings müssten die Einsatzkräfte ihren Auftrag erfüllen, den Atommüll-Transport sicher ins Zwischenlager zu bringen.

Eine «ätzende» Aufgabe

Die Polizei hat sich auf die unterschiedliche Protestaktionen der Atomkraftgegner vorbereitet und will Störer notfalls mit Wasserwerfern auf Distanz halten. Anti-Atom-Initiativen lehnen einen Einsatz dieser Spezialfahrzeuge ab. Wasserwerfer seien Waffen und gehörten nicht in den Landkreis, sagte ein Sprecher der Bäuerlichen Notgemeinschaft, eine Protestgruppe von Landwirten in Lüchow-Dannenberg. Bei Protesten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 hatte die Polizei mit Wasserwerfern Demonstranten verletzt.

Mit zahlreichen Sitzblockaden wollen Atomkraftgegner die Fahrt der elf Atommüll-Behälter aufhalten und sich gegen die schwarz-gelbe Atompolitik auflehnen. Besonders im Auge haben die Sicherheitskräfte diesmal eine Gruppe von Protestierern, die Steine aus dem Gleisbett räumen und so die Fahrt des 2500 Tonnen schweren Zuges verzögern will. An der Transportstrecke gilt eine Verbotszone im Umkreis von 50 Metern.

Auch mögliche Brandanschläge machten der Polizei Sorge, sagte der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster. Ein Feuer in der Berliner S-Bahn in dieser Woche geht wahrscheinlich auf Atomkraftgegner zurück. Im Wendland waren vor mehreren Jahren außerdem Polizei-Unterkünfte angezündet und ein Funkmast abgesägt worden.

Niehörster erklärte, dass der Einsatz bei den Polizisten auf großes Unbehagen stößt. «Dies ist der unbeliebteste Einsatz bei den Polizeibeamten. Es ist eine in Anführungszeichen ätzende Aufgabe, die die Polizei zu erfüllen hat.»

che/tno/news.de/dpa

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • pro
  • Kommentar 4
  • 08.11.2010 19:40

@TomasMerz. Wenn Kernenergie so toll ist dann nimm doch ein paar der Müllfässer mit nach hause und mach ne Kletterburg für die Kinder oder dir Enkel draus…. Ahh, so toll ist dann doch nicht gell….

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  • ThomasMerz
  • Kommentar 3
  • 08.11.2010 08:46

In keinem Land der Welt wir so ein Szenario dargeboten wie in Deutschland. Jeder der nicht friedlich demonstriert und Polizeifahrzeuge beschädigt sollte zur Kasse gebeten werden. Ich arbeite schon über 20 Jahren in der Kernenergie und habe nur gute Erfahrungen gemacht. Die Grünen sind ja gegen alles was die Menschen in diesem Land mal langsam merken sollten.Wenn nicht wird Deutschland unter einer rotgrünen Regierung wenn es dazu kommen sollte unter gehen.

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  • Reinhard Kuschewitz
  • Kommentar 2
  • 07.11.2010 17:33
Antwort auf Kommentar 1

Wer provoziert?? Haben nicht "unsere" sog. Volksvertreter ihr Recht verwirkt, die ihren Eid (".... zum Wohle des Deutschen Volkes .....") auf die Deutsche Verfassung abgelegt und gebrochen haben?!

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