US-Kongresswahlen «Zur Wiederherstellung der Vernunft»

Komiker Jon Stewart mobilisierte fast 200.000 Menschen zu einer friedlichen Kundgebnung fĂŒr Toleranz in Politik und Gesellschaft. PĂŒnktlich zum Endspurt der Kongresswahlen stĂ€rkte die Massendemo den RĂŒcken der bedrĂ€ngten Demokraten.

Im Chicagoer Hyde Park schwört Obama seine AnhĂ€nger fĂŒr die bevorstehenden Kongresswahlen ein. Bild: ap

Endspurt im US-Kongresswahlkampf: Mit einer kĂ€mpferischen Rede in seiner Heimatstadt Chicago hat PrĂ€sident Barack Obama am Samstag versucht, ein drohendes Wahl-Desaster fĂŒr die Demokraten am 2. November abzuwenden. Vor Tausenden AnhĂ€ngern rĂ€umte er am Abend (Ortszeit) ein, dass die Wahl schwierig werde. «Aber wir mĂŒssen dieses Land voranbringen», beschwor er die Zuhörer. Die Kundgebung im Hyde Park war Obamas erster öffentlicher Auftritt in Chicago seit seiner Siegesfeier nach der PrĂ€sidentenwahl 2008.

Zuvor hatten nach einem der erbittertsten Kongress-WahlkĂ€mpfe in der US-Geschichte in Washington Zehntausende Amerikaner in Volksfeststimmung fĂŒr Vernunft und Toleranz demonstriert. Sie folgten einer Einladung des populĂ€ren US-Politkomikers Jon Stewart, der zusammen mit seinem Kollegen Stephen Colbert eine farbenprĂ€chtige Satire-Show inszenierte und damit Humor in den Wahlkampf-Endspurt brachte. UnterstĂŒtzt wurden sie durch Musik-Stars wie Cat Stevens, Ozzy Osbourne und Sheryl Crowe.

Stewart gegen Beck

Nach mehreren SchĂ€tzungen waren es bis zu 200.000 Menschen, die zu der Großkundgebung «zur Wiederherstellung der Vernunft» auf die Museumszeile im Herzen der Bundeshauptstadt kamen. Die Veranstaltung des liberalen Gastgebers der Daily Show des Senders Comedy Central galt als GegenstĂŒck zu einer «Rallye zur Wiederherstellung der Ehre», die der erzkonservative Fox-News-Moderator Glen Beck im September abgehalten hatte.

Stewart hatte wiederholt betont, dass seine Kundgebung nicht politisch motiviert sei. Er wolle moderaten BĂŒrgern aller politischer Richtungen ein Forum geben, ihre Frustration ĂŒber den konfrontativen Stil im politischen Washington auszudrĂŒcken, sagte er.

RĂŒckenstĂ€rkung fĂŒr die bedrĂ€ngten Demokraten

«Seid Ihr bereit, die Vernunft wiederherzustellen?» rief Stewart zum Auftakt der Kundgebung nach dem Singen der Nationalhymne unter dem Jubel der Menschen aus. «Wir können Auseinandersetzungen haben, ohne Feinde zu sein», sagte er zum Abschluss in einem leidenschaflichen PlĂ€doyer gegen Polarisierung, fĂŒr Toleranz und zivilen Umgangston in Politik und Gesellschaft.

Trotz dieser NeutralitĂ€t galt die Veranstaltung so kurz vor der Kongresswahl zumindest indirekt als eine RĂŒckenstĂ€rkung fĂŒr die bedrĂ€ngten Demokraten, denen nach Umfragen viele junge WĂ€hler den RĂŒcken zukehren. Obama selbst hat die Veranstaltung begrĂŒĂŸt, am vergangenen Mittwoch war er in der «Daily Show» zu Gast gewesen.

Am Samstag reiste Obama gleich in drei Bundesstaaten, um die WĂ€hler zu mobilisieren. Nach Auftritten in Pennsylvania und Connecticut versuchte er dann - bereits heiser und sichtlich erschöpft, in Chicago (Illinois) die Aufbruchstimmung von 2008 wiederzubeleben. «Ich brauche, dass Ihr weiter kĂ€mpft», rief der PrĂ€sident unter dem Jubel der Zuhörer.

Obamas Demokraten mĂŒssen befĂŒrchten, dass sie am 2. November zumindest ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus verlieren. Die Republikaner werden nach Umfragen wahrscheinlich sogar mehr als die 39 Sitze hinzuzugewinnen, die sie zur Kontrolle dieser Kammer benötigen. Im Senat sieht das Rennen knapper aus. Dort mĂŒssten die Republikaner 10 Mandate hinzugewinnen, um das Ruder zu ĂŒbernehmen.

cvd/news.de/dpa

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1 Kommentare
  • oliver

    01.11.2010 11:11

    Schön und gut, nur habe ich nicht so ganz verstanden, was vernĂŒnftig ist. Toleranz scheint mir manchmal in der Politik als BetĂ€ubungsgift eingesetzt zu werden. Aber aus Amerika ist ja bekanntlich noch nie etwas gutes zu uns rĂŒbergeschwappt. Europa ist auf dem besten Weg so kulturlos und wertelos, wie die Amerikaner zu werden.

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