Gesundheitsreform Wer muss was bezahlen?

Gesundheit wird teurer  - aber für wen? Klar ist, mit der Gesundheitsreform kommen unbegrenzte Zusatzbeiträge. Aber auch Arbeitgeber müssen zahlen. Und das Umsatzplus von Ärzten, Pharma und Kliniken soll begrenzt werden. News.de gibt einen Überblick über die Kosten.

Gesundheitsreform (Foto)
Die Mehrbelastungen für Versicherte nach der Gesundheitsreform werden einen Euro deutlich übersteigen. Bild: dpa

Ein Jahr nach der Bundestagswahl hat das Bundeskabinett die Gesundheitsreform durchgewunken. In weiteren Gesetzen soll bei Pharma gespart werden. Wer muss was bezahlen?

Die Versicherten

Die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen werden schon ab Beginn 2011 zur Kasse gebeten: mit ihrem Anteil am Beitragsplus von 14,9 auf 15,5 Prozent. Für die Kassenmitglieder steigt der Satz von 7,9 auf 8,2 Prozent - rund drei Milliarden Euro im Jahr. Der Satz wird bei diesem Stand eingefroren. Bei einem Bruttogehalt von 1000 Euro werden 82 statt 79 Euro im Monat fällig, bei 1500 sind es 123 statt 118,50 Euro, bei 2000 sind es 164 statt 158 Euro.

127 Jahre nach Einführung der paritätischen Finanzierung der Beiträge wird das Prinzip der gleichen Anteile von Arbeitnehmer und -geber zudem gekippt. Die Kassenmitglieder müssen alle Mehrkosten für Ärzte, Kliniken und Pharma in der älter werdenden Gesellschaft über Zusatzbeiträge berappen - über von Kasse zu Kasse unterschiedliche Kopfpauschalen. Geringverdiener bekommen einen Ausgleich über die Steuer.

Im Schnitt soll der Zusatzbeitrag laut Regierung 2012 rund 5 Euro betragen, 2014 zwischen 10 und 16 Euro. Experten erwarten bis zu 80 Euro im Jahr 2020. Bereits mit dem Versicherten-Sonderbeitrag von 0,9 Prozent 2005 wurden die Beiträge nicht mehr je zur Hälfte bezahlt - erst der Zusatzbeitrag ist aber nach oben offen. Ein Beispiel: Beträgt der durchschnittlich von den Kassen benötigte Zusatzbeitrag 20 Euro, bekommen Versicherte ab einem Einkommen von 1000 Euro keinen Ausgleich. Wer aber nur 800 Euro bekommt, zahlt 16 Euro.

Der Arbeitgeber

Mit rund drei Milliarden Euro im Jahr mehr schlägt der Beitragssatzanstieg bei den Arbeitgebern zu Buche. Aber ihr Anteil von 7,3 Prozent bleibt danach konstant. Der Sozialausgleich bringt den Firmen außerdem Mehraufwand, weil sie für jeden Arbeitnehmer extra rechnen müssen. Die Regierung sieht das unkritisch und argumentiert, dies würden schließlich Computerprogramme erledigen. Die Arbeitgeber sehen sich trotzdem weiter mit im Boot, weil sie bei steigenden Löhnen anteilig mehr bezahlen müssen.

Die Steuerzahler

Sie müssen den Sozialausgleich bezahlen - denn die Zusatzbeiträge sollen Versicherte nur bis zu zwei Prozent des Einkommens belasten. Die Regierung rechnet mit weniger als einer Milliarde Euro, die 2014 dafür gebraucht werde. Dann sollen die Steuerausgaben für den Sozialausgleich pro Jahr um knapp eine Milliarde steigen. 2011 wird der bestehende Steuerzuschuss für die Kassen von 15,7 auf 15,3 Milliarden Euro gesenkt. Darin ist ein Plus von 2 Milliarden enthalten, das eine zunächst geplante stärkere Senkung verhindert.

Die privat Versicherten

Für sie ändert sich erst mal nicht viel - auch 2011 könnten die Prämien wieder steigen. Aber die Privatversicherer haben es künftig leichter: Sie können Neuversicherte schon ab einem Jahr über der Mindestgrenze beim Einkommen statt nach drei Jahren gewinnen, und sie profitieren von Rabattverhandlungen der gesetzlichen Kassen mit Arzneiherstellern.

Die Pharmaindustrie

Bereits beschlossen wurden Zwangsrabatt und Preismoratorium bis Ende 2013 mit Einsparungen von 1,15 Milliarden Euro im Jahr. Außerdem sollen neue Mittel die Kassen nicht mehr teurer zu stehen kommen, als bestehende Mittel mit vergleichbarem Nutzen. Das soll 2011 anlaufen und allmählich Einsparungen von 2 Milliarden im Jahr bringen. Die Kriterien für die Nutzenbewertung sollen nun aber gemäß den Wünschen der Pharmaindustrie von der Regierung, nicht unabhängig aufgestellt werden - Kritiker fürchten eine Aufweichung.

Die Ärzte

Statt der geforderten rund 2 Milliarden Euro sollen die 150.000 niedergelassenen Ärzte kommendes Jahr nur etwa die Hälfte mehr bekommen. Begrenzungen von 350 Millionen Euro gibt die Koalition bereits vor, wenn Ärzte und Kassen an diesem Freitag über das Honorar fürs kommende Jahr verhandeln. Die Hausärzte sollen nur noch im Ärzteschnitt mehr verdienen können - ihnen entgehen dadurch etwa 500 Millionen Euro im Jahr.

Die Krankenhäuser

Zusätzliche Behandlungen und Diagnosen werden in geringerem Maß zusätzlich bezahlt, Preissteigerungen begrenzt - das soll 2011 rund eine halbe Milliarde sparen.

Die Apotheker

Die Handelsspannen im Arzneimittelgroßhandel sollen um rund 400 Millionen Euro im Jahr gekürzt werden - teils sollen die Apotheker weniger bekommen.

Die Krankenkassen

Sie sollen 2011 und 2012 insgesamt 600 Millionen Euro Verwaltungskosten einsparen.

hav/reu/news.de/dpa

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Patriot
  • Kommentar 4
  • 19.11.2010 19:47

Weiter so ,haut das dumme Volk die Beine weg.Sie wollen es nicht anders .

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  • Jahr1933
  • Kommentar 3
  • 22.09.2010 17:49

Sowas hatten wir schon einmal in der Weimarer Republik. 1933 war das! Danach brannte Deutschland und endete 1945!!! Ich sehe Deutschland wieder brennen! Rösler, Westerwelle, Merkel und Co. TRETET ab, bevor noch schlimmeres passiert!

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  • Janko Vieweg
  • Kommentar 2
  • 22.09.2010 17:01

Es ist doch pure Abzocke was in unserem Land passiert. Es gibt so viele Leute hier, die keinen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt leisten und der Kriminalität Vorschub leisten (lieben Gruß & Dank an Herrn Sarrazin) und der kleine Arbeiter darf den ganzen Mist dann bezahlen. Von hier lebenden Ausländern sind deren Verwandte im Herkunftsland über die BRD mitversichert !!! Ja, wo sind wir denn hier ? Sind wir der Geldesel der Welt oder was ? Es gibt viele Kinder hier in Deutschland die bereits Hunger leiden, hier müssen wir lösungsorientiert ansetzen und nicht unsere Steuergelder verjubeln.

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