Internet der Dinge
Das Recht auf das «Schweigen der Chips»

Ein Joghurtbecher, der das eigene Verfallsdatum kennt? Eine Waschmaschine, die nur dann w√§scht, wenn der Strom g√ľnstig ist? Das Internet der Dinge macht es m√∂glich. Doch Silvana Koch-Mehrin fordert: Man muss zu den Chips auch Nein sagen k√∂nnen.

News.de-Kolumnistin Silvana Koch-Mehrin. Bild: news.de

Wir alle sind gut vernetzt. Das Internet ist längst ein unentbehrlicher Begleiter unseres Lebens geworden.

Das Internet diente bis jetzt vor allem dem Austausch von Daten zwischen Computern. Derzeit ist eine neue Vernetzung in der Entwicklung: Das Internet der Dinge. Es verbindet verschiedenste mit Computerchips ausgestattete Objekte in einem Netzwerk √ľber das Internet.

Hier sind Gegenst√§nde miteinander verkn√ľpft. Der Einsatz dieser RFIDRFID steht f√ľr Radiofrequenz-Identifikation. Diese Technologie erm√∂glicht es, dass mit Hilfe von RFID-Chips bestimmte Gegenst√§nde erkannt und lokalisiert werden k√∂nnen. √úber ein Leseger√§t kann man also beispielsweise im Supermarkt erkennen, welches Produkt sich gerade in welchem Regal befindet oder welche Produkte der Kunde bereits in seinen Wagen gelegt hat. Langfristig soll die RFID-Technologie beispielsweise den bisher √ľblichen Strichcode ersetzen. -Chips ist bei vielen Firmen schon im Einsatz, besonders in der Logistikbranche. Die kleinen Chips k√∂nnen auf Waren und Gegenst√§nde angebracht werden. So ausgestattete Objekte geben Informationen an Lesestationen weiter. So wird es m√∂glich, dass etwa eine Lagerhalle «wei√ü», wann sie nachbestellen muss.

Diese Chips k√∂nnen nat√ľrlich auch an Alltagsgegenst√§nden angebracht werden: Auch Schuhe, Pullover oder Autoreifen k√∂nnen mit elektronischen Chips ausgestattet werden. Diese Datenspeicher senden, wo sie gerade sind, wie lange sie benutzt werden und wann sie ausgetauscht werden m√ľssen. Ein Joghurtbecher, der meldet, sein Inhalt m√ľsse nun gegessen werden, oder eine Waschmaschine, die nur bei billigen Strompreisen w√§scht. Das alles kann den Alltag erleichtern, und die Vernetzung von Gegenst√§nden k√∂nnte mithilfe von RFID allgegenw√§rtig sein.

Die Computerchips haben einen Sender, einen Empf√§nger und einen Datenspeicher. Sie √ľbertragen Daten ber√ľhrungslos und ohne Sichtkontakt durch Radiowellen. Die Chips k√∂nnen mit eingebauten Sensoren auch Temperatur, Feuchtigkeit, Vibrationen und die Helligkeit messen. Das Speicherpl√§ttchen erf√ľllt sozusagen die Funktion einer Black Box im Flugzeug.

«Geheime Spione» stoppen

Doch das Internet der Dinge birgt auch erhebliche Risiken. Wer liest diese Lesestationen aus? Was geschieht mit den Daten? Wie lange und wo werden private Gewohnheiten und Lebensumstände gespeichert und wie eventuell noch verwendet?

Mit diesen Fragen haben wir uns im Europ√§ischen Parlament befasst. Mir geht es dabei vor allem um die Anpassung von Datenschutzstandards an die neue Technik. Niemand darf aus Unwissenheit oder aus scheinbarem Pragmatismus durch die Hintert√ľr «geheime Spione» ins Haus gesetzt bekommen.

Aus meiner Sicht besteht die Herausforderung f√ľr uns unter anderem darin, ein Recht auf das «Schweigen der Chips» zu verankern. Sie sollen nicht alles speichern oder mitteilen. Niemand soll von Chips √ľberwacht werden, wenn er es nicht will.

Die Frage hei√üt also: Wie k√∂nnen wir selbst die Entscheidungsm√∂glichkeit behalten, den Informationsfluss der Chips zu stoppen oder zu kontrollieren? Das geht nur, wenn das sogenannte «Opt-In-Prinzip» gilt. Jeder muss selbst aktiv entscheiden k√∂nnen, ob die von ihm verwendeten Produkte im Internet der Dinge registriert sind - oder eben nicht.

Silvana Koch-Mehrin (FDP) ist Mitglied im news.de-Kolumnistenkreis und Vizepräsidentin im Europaparlament. Sie hat Volkswirtschaftslehre und Geschichte studiert.

mik/tno/reu/news.de

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2 Kommentare
  • siegfried franke

    21.09.2010 19:46

    sogar im neuen ausweis sind rfid-chips. wollt ich nur mal erwähnt haben. dagegen tut auch keiner was.

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  • Jakester

    21.09.2010 17:25

    Sollte diese sogenannte Kolumnistin mal irgendwann irgendwas inhaltlich positiv wertvolles von sich geben, lasst es mich wissen. .... Silence...

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